Was bleibt vom Leben? – Rohinton Mistry "Das Gleichgewicht der Welt"

„Damals schien mir, dass man vom Leben nicht mehr erwarten konnte. Eine harte Straße, die mit spitzen Steinen übersät war und, wenn man Glück hatte, etwas Getreide. Später entdeckte ich, dass es verschiedene Arten von Straßen gab.“

Es herrschen Ausbeutung und Aberglauben, Unterdrückung und Willkür der Macht. Indien, das Land der Farben, bietet wenig Lebensfreude. Man schreibt das Jahr 1975. Dina, die Tochter eines Arztes, schlägt sich durch das Leben. Allein, ohne Mann, mit einem herrschsüchtigen Bruder in der Familie. Ihr Mann, mit dem sie eine glückliche Beziehung führte, starb kurz nach der Hochzeit bei einem Verkehrsunfall. Um halbwegs über die Runden zu kommen, eröffnet sie in der Wohnung eine kleine Schneiderwerkstatt und sucht Mitarbeiter. Eines Tages stehen Ishvar und sein Neffe Omprakash vor ihrer Tür. Das besondere Quartett soll wenig später Maneck, der Sohn einer Schulfreundin, vervollständigen, der in Bombay ein Studium beginnt und eine Bleibe benötigt. „Was bleibt vom Leben? – Rohinton Mistry "Das Gleichgewicht der Welt"“ weiterlesen

Spatz auf Abwegen – Reif Larsen "Die Karte meiner Träume"

„Ist es möglich, den gesamten Inhalt der Welt zu sammeln? Und wenn man die ganze Welt in seiner Sammlung hat, ist es dann noch eine Sammlung?

Eine Buchbesprechung sollte immer dem Objekt angemessen sein. Über einen Klassiker in der schönsten Jugendsprache voller Anglizismen und Abkürzungen zu schreiben, würde dem Sprachgefühl des Autors wohl nicht gerecht werden. Ein Manga-Comic in Form eines Sonetts zu besprechen, ist auch der falsche Weg. Aber im Falle dieses Buches, um das an dieser Stelle geht, müsste ich Karten zeichnen, an den Seiten mit krakeliger Handschrift Kommentare versehen und lange Pfeile ziehen. Damit stoße ich jedoch an die Grenzen meiner Möglichkeiten. Deshalb versuche ich trotz allem, „Die Karte meiner Träume“ von Reif Larsen in der bekannten Art und Weise vorzustellen. Und zwar (leider) nur mit Worten. „Spatz auf Abwegen – Reif Larsen "Die Karte meiner Träume"“ weiterlesen

Der weiße Planet – Barry Lopez "Arktische Träume"

„Der gefrorene Ozean selbst wälzt sich in seinem Winterschlaf wie ein Drache.“ 

Es ist das Land abseits jeglicher Vorstellungen und des ewigen Eises, wo der Tag oder die Nacht endlos ist, wo alles in Bewegung erscheint oder im tiefen Schlaf versinkt. Der amerikanische Naturforscher Barry Lopez, 1945 in Port Chester geboren, war während seiner zahlreichen Reisen über den Polarkreis hinweg Teil dieser arktischen Welt. Seine Erlebnisse und Gedanken, sein Wissen über das Eisland hat er in seinem Buch „Arktische Träume“ zusammengefasst. Sein Werk ist dabei nicht irgendein Sachbuch, das staubtrocken und unemotional nach Erklärungen sucht, es hat, 1986 erschienen, den National Book Award erhalten und damit einen der renommiertesten Literatur-Preise. Und das nicht umsonst.  „Der weiße Planet – Barry Lopez "Arktische Träume"“ weiterlesen