Allein? – Céline Minard „Das große Spiel“

„Die Elemente sind maßlos.“

Einsamkeit oder Gemeinschaft? Welcher Zustand, welche Lebensform entspricht mehr dem Wesen des Menschen? Empfinden wir es nicht als lästig, in überfüllten Supermärkten einkaufen zu gehen, in der U-Bahn zu stehen Rücken an Rücken, nur wenige Zentimeter als Komfortzone zwischen den nächsten „Nachbarn“ auf beiden Seiten  am Strand zu haben? Aber war Robinson nicht überglücklich, als er auf seinen, wenn auch ungleichen Vertrauen Freitag stieß? In dem neuen eindrücklichen Roman von Céline Minard „Das große Spiel“ sucht eine Frau die Abgeschiedenheit der Berge der Alpen auf.

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Erling Kagge „Stille“

„Die Stille ist eher eine Idee. Ein Gefühl. Eine Vorstellung.“

Wenn ich gerade in diesen Momenten diesen Beitrag schreibe, ist das leise Klacken der Tasten meines Notebooks zu hören, der Lüfter des mobilen Computers, der auf meinem Schoss liegt, rauscht. Ich sitze auf dem Sofa, das leise knarrt, wenn ich mich bewege, um mich über das Buch zu beugen, das neben mir liegt und Inhalt dieser Besprechung ist. Der Umschlag des Bandes ist bis auf die dünnen schwarzen Lettern, die auf Titel, Autor und Verlag verweisen, ganz in Weiß gehalten. Befreit man das Buch von seiner äußersten Papierhülle, wird ein buntes Bild sichtbar: der Blick auf eine stark befahrene Kreuzung. Eine besonders gelungene Umsetzung des Inhalts. Denn in seinem Band „Stille“ berichtet Verleger und Weltenbummler Erling Kagge, dass Stille nicht nur die Abwesenheit von Geräuschen ist. Sie ist auch dort zu finden, wo es niemals leise ist.  „Erling Kagge „Stille““ weiterlesen

Achtsam – Wilhelm Lehmann „Bukolisches Tagebuch“

„Der heutige Mensch verdeckt sie rasch  mit Begriffen und Erklärungen, darunter verkümmert das Staunen.“

Robert Musil und Wilhelm Lehmann verbindet nicht nur in etwa die Zeit, der eine Jahrgang 1880, der andere 1882, in die sie beide hineingeboren werden. Beide erhalten 1923 den renommierten Kleist-Preis zugesprochen. Während Musil mit seinem wohl bekanntesten Werk „Der Mann ohne Eigenschaften“ Weltruhm erlangt hat und mittlerweile zu den Klassikern der Literatur zählt, gehört Lehmann zu den leider nahezu in Vergessenheit geratenen Autoren. Die neu erschienene Ausgabe „Bukolisches Tagebuch“, herausgegeben vom Berliner Verlag Matthes & Seitz, erinnert an sein Schaffen. Der Band erblickt dabei zur richtigen Zeit das „Licht der Buchwelt“. „Achtsam – Wilhelm Lehmann „Bukolisches Tagebuch““ weiterlesen

Andrea Wulf „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“

„In der unberührten Natur liegt die Erhaltung der Welt.“ Henry David Thoreau

Er war der bekannteste Entdecker, Forscher und Reisende seiner Zeit. Und obwohl heute noch zahlreiche Schulen, Straßen und Plätze, eine Pinguin-Art und ein Mondkrater neben vielen weiteren Örtlichkeiten und Geschöpfen nach ihm benannt sind, ist sein Wirken und seine Bedeutung in Geschichte, Gegenwart und für die Zukunft nahezu in Vergessenheit geraten. Alexander von Humboldt (1769 – 1859) diskutierte mit Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller, brachte Charles Darwin dazu, die Beagle für eine Weltumsegelung zu besteigen, und inspirierte bedeutende Naturschriftsteller wie beispielsweise Henry David Thoreau. Andrea Wulf hat über den deutschen Wissenschaftler ein Buch geschrieben, das Maßstäbe setzt und eine wundersame Lektüre bereitet.  „Andrea Wulf „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur““ weiterlesen

Unfassbar – David Garnett „Dame zu Fuchs“

„Wo eben noch seine Frau gewesen war, stand, mit leuchtend  rotem Fell, ein kleiner Fuchs.“

Wollen wir uns nicht ab und an in ein Tier verwandeln? Wenn uns Stress plagt in ein Faultier, wenn eine peinliche Situation droht in eine winzige Maus oder in der kalten Winterszeit in einen Delfin, der über die Wellen eines tropischen Meeres springt. Allerdings sollte es sicher sein, dass wir wieder zu einem Menschen werden. Denn das berührende Schicksal von Mr. und Mrs. Tebrick in dem Roman „Dame zu Fuchs“ von David Garnett zeigt uns die andere Seite der Verwandlung.  „Unfassbar – David Garnett „Dame zu Fuchs““ weiterlesen

Am See – Sylvain Tesson „In den Wäldern Sibiriens“

„Es ist gut zu wissen, dass irgendwo auf der Welt in einem Wald eine Hütte steht, wo etwas möglich ist, das nicht allzu weit entfernt ist, vom Glück zu leben.“

Bücher über Aussteiger, ihre Naturerlebnisse und spirituellen Erfahrungen schießen wie Pilze aus dem Boden. „Ich bin dann mal weg“ ist nicht nur der Titel eines Bestsellers eines Prominenten. Er scheint eine Art Hilfeschrei zu sein angesichts einer immer hektischer werdenden Welt. Wir suchen den Zugang zu einem Leben in Stille und Bescheidenheit. Der französische Autor und Weltenbummler Sylvain Tesson hat sechs Monate in einer Hütte am russischen Baikalsee gelebt und eine andere Daseinsform für sich entdeckt. „Am See – Sylvain Tesson „In den Wäldern Sibiriens““ weiterlesen