Blätterrascheln – Blick in die Vorschauen II

Nach dem ersten Streich mit einem Ausblick auf den „norsk-„Herbst mit kommenden Titeln rund um die Frankfurter Buchmesse und Norwegen als Gastland kommt an dieser Stelle nun Teil zwei und die gewohnte Mischung. Ich freue mich auf neue Titel von schon mir liebgewonnenen Autoren sowie die eine oder andere Neu- oder Wiederentdeckung.

Aus deutschsprachigen Landen

Eines der prägendsten Bücher im vergangenen Jahr war für mich der wiederentdeckte Roman „Der Reisende“ von Ulrich Alexander Boschwitz (1915 – 1942), in dem er den beklemmenden Beginn des Dritten Reiches und der Judenverfolgung schildert. Nun erscheint eine Neuausgabe seines Romans „Menschen neben dem Leben“ (Klett-Cotta, September). Vor einigen Jahren habe ich sehr gern den Roman „Schneetage“ von Jan Christophersen gelesen. Nun erscheint sein neuestes Werk mit dem Titel „Ein anständiger Mensch“ (mare, August). Viel Erfolg hatte Autorin und Bloggerin Mareike Fallwickl mit ihrem Debüt „Dunkelgrün fast schwarz“. Mit ihrem Zweitling „Das Licht ist hier viel heller“ gibt’s neuen Lesestoff (Frankfurter Verlagsanstalt, September). Eine sehr schöne Entdeckung war für mich vor einiger Zeit der Roman „Die grüne Grenze“ aus der Feder der in Berlin lebenden amerikanischen Schriftstellerin Isabel Fargo Cole. Ihr neuester Streich heißt „Das Gift der Biene“  (Edition Nautilus, September) . Auch von Terézia Mora wird wieder ein Werk erscheinen: „Auf dem Seil“ (Luchterhand, September).

Beim Blättern durch die Vorschauen wurde ich neugierig auf Jan Wilm und seinen Roman „Winterjahrbuch“ (Schöffling, August). Christiane Neudecker hat mit „Der Gott der Stadt“ einen Roman um eine Theaterhochschule und das Faust-Fragment Georg Heyms geschrieben (Luchterhand,August). Karen Köhlers Erzählband „Wir haben Raketen geangelt“ habe ich einst verschlungen. Nun ist sie wieder präsent – mit ihren Band „Miroloi“, der in besonderer Ausstattung erscheint (Hanser, August). Ich freue mich auf einen neuen Roman von Alexander Osang. In „Die Leben der Elena Silber“ erzählt er eine Familiengeschichte, die auch nach Russland führt (Fischer, September). Auch von Eugen Ruge erscheint mit „Metropol“ ein neuer Roman (Rowohlt, Oktober). Seinen Roman „Risiko“ habe ich noch nicht gelesen, nun führt Steffen Kopetzky mit „Propaganda“ die Leser in die Zeit des Zweiten Weltkriegs (Rowohlt Berlin, August). Eine erste Lesebekanntschaft mit Ulrike Draesner hatte ich vor einiger Zeit mit ihrem Roman „Sieben Sprünge vom  Rand der Welt“. Nun erscheint ihr neuestes Werk mit dem Titel „Kanalschwimmer“ (mare, August).

Als Kind habe ich ein Buch über Ferdinand Magellan (1485 – 1521) regelrecht verschlungen. Raoul Schrott widmet sich in seinem Roman „Eine Geschichte des Windes“  einem Mann, der zur Crew des Portugiesen zählte. Der Band anlässlich 500 Jahre Weltumsegelung erscheint in besonderer Ausstattung (Hanser, August). Im Bereich Sachbuch sind mir Tillmann Bendikowskis Band „Ein Jahr im Mittelalter“ (C. Bertelsmann, September) und – wie sollte es auch anders sein – Bernd Brunners Werk „Die Erfindung des Nordens. Die Kulturgeschichte einer Himmelsrichtung“ (Galiani, September) besonders aufgefallen. Wer sich näher mit Paul Celan beschäftigen will, der kann zu dem Band „Die Briefe 1934 – 1970“  greifen (Suhrkamp, Dezember).

Über den großen Teich

Die nord- und südamerikanische Literatur verfolge ich seit längerem mit sehr viel Interesse und Spannung. Joshua Cohen ist hierzulande längst kein Unbekannter mehr. Neu erscheint von ihm „Auftrag für Moving Kids“ (Schöffling, Juli). Sehr gespannt bin ich auf  Sandra Newman und ihren Roman „Ice Cream Star“ über eine Reise einer unerschrockenen Heldin durch die Trümmer Amerikas (Matthes & Seitz, August). Fans von Meg Wollitzer können jubeln: Von ihr gibt’s „Die Zehn-Jahres-Pause“ zu lesen (Dumont, Oktober). Und auch die kanadische Grand Dame Margret Atwood ist mit „Die Zeuginnen“ bei den Neuerscheinungen mit von der Partie (Berlin Verlag, September). Viel Lob hat der gebürtige Vietnamese und seit der Kindheit in den USA lebende Autor Ocean Vuong bereits für sein Debüt „Auf Erden sind wir grandios“ erhalten (Hanser, Juli). Meine Neugierde weckte ebenfalls der Blick auf die Ankündigung von Daniel Masons Roman „Der Wintersoldat“ (C.H. Beck, Juli).

Tommy Orange verleiht mit seinem Roman „Dort, dort“ den Native Americans eine Stimme (Hanser Berlin, August). Der Bereich des Nature Writing bleibt interessant: Mit „Müßige Tage in Patagonien“ erinnert ein Band an William Henry Hudson (1841 – 1922), der in Argentinien als Nationaldichter verehrt wird (Matthes & Seitz, Oktober). Wir bleiben beim Thema: Von Aldo Leopold, der als Pionier des ökologischen Denkens gilt, erscheint „Ein Jahr im Sand County“ (Matthes & Seitz, Oktober). Mit „Oreo“ wird die US-amerikanische Autorin Fran Ross wiederentdeckt, der Roman blieb ihr einziger (dtv, September). Eine Wiederentdeckung wird auch mit William Melvin Kelleys Roman „Ein anderer Takt“ gefeiert (Hoffmann & Campe, September). Die mexikanische Autorin Valeria Luiselli erzählt in „Archiv der verlorenen Kinder“ von Reise und Flucht (Kunstmann, September).

Europa – von West nach Ost

An ihm kommt man fast in keinem Jahr vorbei – Julian Barnes hat mit „Kunst sehen“ eine Geschichte über Maler, Musen und Modelle geschrieben (Kiepenheuer & Witsch, November). Der Titel von Edward Careys Roman ist lang und ungewöhnlich: „Das außergewöhnliche Leben eines Dienstmädchens namens Petite, besser bekannt als Madame Tussaud“ (C.H.Beck, August). Der Brite Nick Hunt kann entdeckt werden mit seinem Band „Mit dem Wind. Wanderungen vom Atlantik bis zum Mittelmeer“ (btb, November). Bleiben wir beim Reisen und auf der Insel: Von Robert Macfarlane gibt es den Band „Im Unterland Eine Entdeckungsreise in die Welt unter der Erde“ (Penguin, August). Mit Tim Flannerys Werk „Europa. Die ersten 100 Millionen Jahre“ geht es auf eine Zeitreise (Insel, November). Die irische Autorin Caoilinn Hughes zählt zu den neuen literarischen Stimmen ihres Landes. Ihr Debüt „Orchidee & Wespe“ erscheint in deutscher Übersetzung (Steidl, September). Wer Klassiker mag, kommt nicht an der Neuausgabe von James Joyces „Dubliner“ mit einem Nachwort von Ijoma Mangold vorbei (Manesse, Oktober). Passend zur Jahreszeit gibt es von Ali Smith den Roman „Herbst“ (Luchterhand, Oktober).

Mit seinem Werk „Neue Karte der Weltwunder“ will der Brite Caspar Henderson zum Staunen anregen (Matthes & Seitz, Oktober).  Zwei große Frauen dürfen in den kommenden Monaten nicht fehlen: Annie Ernaux  mit „Eine Frau“ (Suhrkamp, Oktober) und Elena Ferrante „Tage des Verlassenwerdens“ (Suhrkamp, September). Nicolas Mathieu erhielt im vergangenen Jahr den renommierten Prix Goncourt – für seinen Roman „Wie später eure Kinder“ (Hanser Berlin, August). David Diop erzählt in „Nachts ist unser Blut schwarz“ von einem nahezu unbekannten Kapitel des Ersten Weltkriegs – über Soldaten aus dem Senegal in den Reihen der französischen Armee (Aufbau, September). Vor einiger Zeit habe ich auf meinem Blog „Der aufrechte Mann“ von Davide Longo in der Reihe „Backlist lesen“ vorgestellt. Nun erscheint sein neuer Roman „Die jungen Bestien“ (Rowohlt, Januar). Neugierig bin ich auch auf Giosuè Calaciura mit „Die Kinder des Borgo Veccio“ (Aufbau, Juli). Den Balkan gilt es zu entdecken: Der preisgekrönte slowenische Autor Drago Jancar widmet sich in „Wenn die Liebe ruht“ dem Zweiten Weltkrieg (Zsolnay Deuticke, Juli). „Suleika öffnet ihre Augen“ von Gusel Jachina habe ich verschlungen. Nun erscheint mit  „Wolgakinder“ ein neuer Roman der russisch-tatarischen Autorin (Aufbau, August). Vor einigen Jahren habe ich mit viel Begeisterung zwei Romane von Andrej Kurkow gelesen. Von ihm gibt’s mit „Graue Bienen“ neuen Lesestoff (Diogenes, Juli). Gespannt bin ich sehr auf Martyne Bundas Roman „Das Glück der kalten Jahre“ (Suhrkamp, September).  

In den hohen Norden

Norwegen ist Gastland auf der Frankfurter Buchmesse, doch die anderen skandinavischen Länder sollen und dürfen nicht vergessen werden. Zu meinen Lieblingsautoren zählt der Isländer Jón Kalman Stefánsson, der mit „Ástas Geschichte“ in die Buchhandlungen kommt (Piper, Oktober). Nach „Der endlose Sommer“ kann Madame Nielsen mit „Das Monster“ entdeckt werden; eine Autorin, die sich jeglicher Zuordnung entzieht und zu den schillerndsten Personen der dänischen und der europäischen Literatur- und Kunstszene zählt (Kiepenheuer & Witsch, Januar).

Der Finne Tommi Kinnunen wurde hierzulande mit seinem Roman „Wege, die sich kreuzen“ bekannt. In Kürze erscheint „Das Licht in deinen Augen“ (Penguin, September). Hédi Fried kam mit 20 Jahren nach Auschwitz. In „Fragen, die mir zum Holocaust gestellt werden“ legt die rumänisch-schwedische Schriftstellerin und Psychologin Zeugnis ab über ihre traumatischen Erlebnisse (Dumont, August).

Andere Kontinente

Vor einiger Zeit las ich mit sehr viel Begeisterung „Der Löwensucher“ des Australiers Kenneth Bonert. Nun erscheint mit „Der Anfang einer Zukunft“ ein neuer Roman (Diogenes, Juli). Petina Gappah lebt in Simbabwe. In „Aus der Dunkelheit strahlendes Licht“ erzählt sie von dem schottischen Missionar und Afrikaforscher David Livingstone (S. Fischer, August). Von dem indischen Schriftsteller Amitav Ghosh erscheint der neue Roman „Die Inseln“ (Blessing, Oktober).

Nicht ohne Krimi und SciFi

An Romanen aus der Krimi-Ecke oder dem fantastischen Bereich à la „Weite Welten“ komme ich einfach nicht vorbei. Sehr freue ich mich auf den neuen Streich von Andreas Pflüger mit dem Titel „Geblendet“ (Suhrkamp, August). Seit Jahren verehre ich Håkan Nesser, der in „Der Verein der Linkshänder“ Kommissar Van Veeteren und Inspektor Barbarotti auf gemeinsame Mörderjagd schickt (btb, September). Einen Krimi mit Humor hat Dan Kavanaugh mit „Duffy“  geschrieben (Kampa, August). Nach „Darktown“ gibt’s neue Spannung von Thomas Mullen: „Weißes Feuer“ (Dumont, November).

In Kürze will ich unbedingt „64“ von Hideo Yokojama lesen, weil mit „2“ bereits der nächste Thriller des Japaners in den Startlöchern steht (Arche, August). Gespannt bin ich auf Daniel Suarez mit seinem Roman „Delta V“ (Polaris Rowohlt, Dezember). Der Band „Zerbrochene Sterne“ versammelt Erzählungen der besten chinesischen Science-Fiction-Autoren; der preisgekrönte Bestseller-Autor Cixi Liu ist mit einer bislang unveröffentlichten Kurzgeschichte vertreten (Heyne, März 2020). Und Adrian Tchaikovsky setzt nach „Die Kinder der Zeit“ mit „Die Erben der Zeit“ die Zeit-Saga fort (Heyne, Dezember).

Ich hoffe, ich konnte dem einen oder anderen Lesetipps mit auf den Weg geben. Auf welche Titel freut Ihr Euch in diesem Leseherbst ganz besonders?

8 Gedanken zu „Blätterrascheln – Blick in die Vorschauen II“

  1. Was für eine umfangreiche Liste! Dank deiner komfortablen Verlinkungen habe ich noch ein paar Bücher für meinen Lesestapel gefunden. Wie gut, dass es die Möglichkeit der Vorbestellung gibt…🙄.
    Viele Grüße, Claudia

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo,

    ach je, schon wieder so viele vielversprechende Neuerscheinungen… So viele Bücher, so wenig Regalplatz! ;-)

    „Die Zeuginnen“ werde ich auf jeden Fall lesen, allerdings wahrscheinlich eher im englischen Original. Ich war bass erstaunt, als ich das erste Mal hörte, dass Margaret Atwood eine Fortsetzung von „The Handmaid’s Tale“ geschrieben hat, damit hätte ich nach einem Abstand von 34 Jahren nicht gerechnet!

    Ansonsten muss ich noch in mich gehen, welche dieser Bücher es von meiner mentalen „Klingt interessant!“-Liste auf meine „Muss auf jeden Fall hier einziehen“-Liste schaffen.

    LG,
    Mikka

    Gefällt 1 Person

    1. ja, Mikka, the same procecure as every year. Der Herbst wird spannend und ist reicht mit interessanten Titeln gefüllt. Atwood sollte ich endlich mal lesen. Ansonsten halte ich es gern, neue und ältere Titel zu mischen. Es ist sehr schade, wenn ältere Bücher einfach vergessen werden. Viele Grüße

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