Erschütterungen – Callan Wink „Der letzte beste Ort“

„Aber man darf dabei nicht vergessen, dass es direkt unter der äußeren Schale immer noch die Strömung gibt.“

Das Land ist weit, von entrückender Schönheit, doch manch einer scheint, verloren, entwurzelt zu sein. Überraschende, meist tragische Ereignisse werfen das Leben für einen kurzen Moment aus der Bahn. Dann geht es weiter – das Leben; in seiner alltäglichen Konsequenz. Der Amerikaner Callan Wink schreibt davon. Für seinen in diesem Jahr veröffentlichten Debüt-Band mit Stories – jüngst bei Suhrkamp mit dem Titel „Der letzte beste Ort“ erschienen – hat der 32-Jährige in seinem Heimatland bereits viel Lob erhalten. Vergleiche werden gezogen – mit großen und bekannten Namen wie Richard Ford oder Philipp Meyer. Sicher ist, dem jungen Autor ist so einiges zuzutrauen.  „Erschütterungen – Callan Wink „Der letzte beste Ort““ weiterlesen

Treue Seele – Jakob Wegelius „Sally Jones – Mord ohne Leiche“

„Nichts ist schlimmer als das Warten auf etwas Schreckliches. Nicht einmal das Schreckliche, auf das man wartet.“ 

In der Literatur gibt es viele berühmte tierische Helden, abgesehen  von jenen unzähligen Geschöpfen aus Märchen und Fabeln. Man denke nur an den Wal Moby Dick, die Protagonisten aus „Unten am Fluss“ und „Der Wind in den Weiden“ und all jene tierischen Ermittler, die in den vergangenen Jahren knifflige Kriminalfälle lösen konnten – von Katzen bis Schafen. Sally Jones wird ebenfalls in einen Kriminalfall hineingezogen. Allerdings als Zeugin und Angehörige des vermeintlichen Mörders. Ihr Freund Henry Koskela, ein finnischer Seemann, soll in Lissabon einen Mann getötet haben. Koskela wird verhaftet und wegen Mordes verurteilt. Sally Jones muss nicht nur abtauchen, um nicht ebenfalls in die Fänge der Polizei geraten. Sie plant, die Unschuld ihres Gefährten zu beweisen. Doch an dieser Stelle sollte noch verraten werden, dass Sally Jones eine Gorilla-Dame ist, die vorzugsweise als Maschinistin im Blaumann wertvolle Dienste leistet.  „Treue Seele – Jakob Wegelius „Sally Jones – Mord ohne Leiche““ weiterlesen

Abstieg – Stewart O’Nan „Westlich des Sunset“

„Er war kein Kind mehr. Er hatte seine eigenen Gespenster, denen er nicht davonlaufen konnte, egal, wie weit er flüchtete.“ 

Mit seinem Roman „Der große Gatsby“ hat sich Francis Scott Key Fitzgerald unsterblich gemacht. Der Verlag Modern Library listet das 1925 erschienene Werk auf Platz 2 der besten 100 englischsprachigen Bücher ein – Platz eins belegt „Ulysses“ von James Joyce. Dabei gab es eine Zeit, in der der amerikanische Schriftsteller vergessen, sein Ruhm verblasst war. Von jenen Jahren, die die letzten im Leben des großen Autors waren, erzählt Stewart O’Nan in seinem neuen Roman „Westlich des Sunset“.  „Abstieg – Stewart O’Nan „Westlich des Sunset““ weiterlesen

Fremde – Shaun Tan „Ein neues Land“

Flucht und Integration beherrschen als Themen derzeit viele Bereiche des öffentlichen Lebens. Auch die Kunst, speziell die Literatur nimmt sich diesen an. Ein Blick auf die Liste neuer Titel aus den vergangenen Monaten beweist es. Bereits 2008 erschien ein Buch, das die Geschichte einer Flucht erzählt. Es ist ein ganz besonderes, nicht nur weil es ohne Wörter auskommt. Der Australier Shaun Tan bannt in seiner Graphic Novel „Ein neues Land“ die Erlebnisse eines Mannes in faszinierenden Bildern, die symbolisch für all jene Menschen stehen, die ihre Heimat verlassen müssen. „Fremde – Shaun Tan „Ein neues Land““ weiterlesen

Jugendliteraturpreis wird 60

Wenn sich vom 19. bis 23. Oktober Frankfurt am Main wieder zum Buch-Mekka verwandelt, werden auf der Buchmesse nicht nur die beiden Ländern Niederlande und Flandern als Ehrengäste thematisch besonders im Fokus stehen. Zwei runde Jubiläen stehen im Jahr 2016 an und verlangen nach Aufmerksamkeit: Auf 50 Jahre Geschichte kann die Stiftung Buchkunst zurückblicken. Und seit bereits 60 Jahren wird alljährlich der Deutsche Jugendliteraturpreis vergeben, die bedeutendste Auszeichnung im Bereich Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland.  „Jugendliteraturpreis wird 60“ weiterlesen

Not und Elend – Georg Fink „Mich hungert“

„Die Erde rollte schneller, als ich trippeln konnte. Und in meiner Hand hatte das Glück nicht Platz. Alles lief mir fort. Und was blieb?“

Würden Bücher körperlich und lebendig sein, könnte der Roman „Mich hungert“ mit wohl drastischen Formulierungen beschrieben werden. Er beißt, er schlägt, er wühlt sich einem Bandwurm gleich ins Gemüt. Mit schwerwiegenden Folgen. Das Werk des jüdischstämmigen Schriftstellers Kurt Münzer (1879 – 1944), unter dem Pseudonym Georg Fink 1929 im Verlag Bruno Cassirer erschienen, ist harte Kost, weil er nicht nur eine traurige Geschichte einer Familie erzählt. Das Buch widmet sich vielmehr einem der größten, bis heute nicht gelösten Probleme der Mensch: der Armut und der Not der untersten Schicht. „Not und Elend – Georg Fink „Mich hungert““ weiterlesen