Cornelius Pollmer – „Heut ist irgendwie ein komischer Tag“

„Was ist das Gegenteil von Instagram? Ungefähr jedes deutsche Gewerbegebiet.“

Fünf Bände, zwischen 1862 und 1889 erschienen, sind Grundlage für seine bekannten Romane „Effi Briest“ und „Der Stechlin“. Das verrät mir Wikipedia über das umfangreichste Werk Theodor Fontanes: „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Zugegeben: Mit Fontane habe ich mich trotz ausgeprägter Leselust schwer getan – die „Effi“ in der Schule, „Schach von Wuthenow“ im Studium (Pro Seminar Literaturwissenschaft bei einem Fontane-Kenner, die Durchfall-Quote bei der Prüfung lag bei 50 Prozent). Für den Lesekreis nahm ich mir jüngst „Frau Jenny Treibel“ vor – mit deutlich mehr Freude als in meiner Jugend. Vielleicht braucht es auch ein gewisses Alter, um Fontane zu schätzen. Man muss ihn ja nicht gleich lieben. „Cornelius Pollmer – „Heut ist irgendwie ein komischer Tag““ weiterlesen

Norbert Scheuer – „Winterbienen“

„Ich habe Angst vor dem, was uns erwartet.“

Bienen sind gefühlt zu einem beliebten Thema in der Literatur geworden. Meist jedoch in Verbindung mit Ökologie und Umweltschutz, allgemein mit Fragen der Natur. Der Zweite Weltkrieg mit all seinen verheerenden Zerstörungen und Grausamkeiten bildet hingegen die bedrohliche Kulisse des besonderen Helden im neuen Roman Norbert Scheuers. „Winterbienen“ erzählt neben dem dunklen Kapitel deutscher Geschichte von einer realen Figur, dem Lehrer und Imker Egidius Arimond, der in dem Eifel-Städtchen Kall im Urftland nahe der belgischen Grenze gelebt hat.

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Ian McEwan – „Maschinen wie ich“

„Werkseinstellungen – ein modernes Synonym für Schicksal.“

Übermannsgroß ist er, sein Gesicht recht kantig. Seine Haare erscheinen wie mit dem Küchenmesser gestutzt. Aus seinem Hals ragen zwei stählerne Bolzen.  Das künstliche Geschöpf des Schweizer Wissenschaftlers Victor Frankenstein ist wenig ansehnlich und eher ein erschreckendes Wesen. Monster wird die furchteinflößende Gestalt in dem Klassiker von Mary Shelley „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ bezeichnet. Die Engländerin hat jene fantastische Geschichte geschaffen, die das Denken über den Menschen als Schöpfer einer Kreatur maßgeblich geprägt hat. Sie und ihr 1818 zuerst anonym erschienenes Meisterwerk bleiben in dem neuen Roman ihres Landsmanns Ian McEwan nicht unerwähnt. Und „Maschinen wie ich“ weist noch weitere Parallelen auf – obwohl der moderne „Frankenstein“ recht hübsch anzusehen ist. „Ian McEwan – „Maschinen wie ich““ weiterlesen

Unnur Jökulsdóttir „Vom Flügelschlag des Sterntauchers“

„Falke, Merlin und Kolkrabe, das sind die Panzerknacker von Entenhausen am Mývatn.“

Naturparadiese können viele Geschichten erzählen. Die interessantesten scheinen indes verborgen zu sein, versteckt hinter ihrer äußeren, hochglanzreisebroschüreträchtigen Schönheit. Ein Naturparadies ist auch der See Mývatnim Nordosten Islands gelegen. Dass dieser Mückensee – so die freie deutsche Übersetzung seines Namens – mehr als nur stechfreudige Insekten aufzuweisen hat und sich viele Geschichten um ihn kreisen, beweist der wundersame Band „Vom Flügelschlag des Sterntauchers“ der isländischen Journalistin und Autorin Unnur Jökuldóttir, die von den Schätzen, aber auch von den Gefahren, die diese einzigartige Natur und Landschaft bedrohen, berichtet. 

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Jan Němec – „Die Geschichte des Lichts“

„Werden Sie gute Hirten des Lichts.“

Wie in anderen Kunstbereichen geraten mittlerweile auch in der Fotografie große Künstler in Vergessenheit. Einst, meist zu Lebzeiten bekannt, sind ihre Namen kaum mehr einer breiten Öffentlichkeit bewusst. František Drtikol (1883 – 1961) zählt zu den bedeutendsten tschechischen Fotografen. Seine Werke wurden in namhaften Ausstellungen weltweit präsentiert. In seinem Prager Atelier gaben sich die Prominenten aus Politik, Wirtschaft und Kultur die Klinke in die Hand. Heute kennen  wohl nur die wenigsten ihn und seine Aufnahmen. Doch mit dem wundervollen Roman des tschechischen Autors Jan Němec lernt man Drtikol, sein Wesen und die Zeit, in der er lebte, kennen.

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Johanna Holmström – „Die Frauen von Själö“

„Erzähl mir … von der Welt da draußen.“ 

In einer kalten dunklen Oktobernacht rudert Kristina Andersson von der schweren Arbeit auf einem Gehöft nach Hause. Im Boot: ihre Tochter und ihr Sohn. Wie in Trance wirft die Mutter ihre beiden Kinder in das Wasser. Wenig später werden die kleinen Körper tot geborgen. Nach einem schweren Fieber und ihrer Genesung wird die junge Frau in die Nervenheilanstalt auf der Insel Själö inmitten eines Schärengartens an der finnischen Küste gebracht. Man schreibt das Jahr 1891, und diese Anstalt hat es wirklich gegeben. In ihrem Roman „Die Frauen von Själö“ erzählt die finnlandschwedische Autorin Johanna Holmström vom Leiden der Frauen auf dem von der Außenwelt nahezu abgeschnittenen Eiland – aber auch von Momenten der Freude und Menschlichkeit. „Johanna Holmström – „Die Frauen von Själö““ weiterlesen