Alte Heimat – Johannes Bobrowski „Gesammelte Gedichte“

Zugegeben: In Schule und Studium blieb er von mir ungelesen. Er stand mit seinem Roman „Levins Mühle“, 1964 erschienen und verfilmt, zwar auf der umfangreichen Lektüreliste, die es galt, im Verlauf der Semester geduldig abzuarbeiten; mit der Zeit sah man dieser Liste mit Häkchen, Unterstreichungen und Eselsohren es allerdings auch an, wie sie mich durch die Jahre begleitet hat. Doch für andere Autorinnen und Autoren der DDR hegte ich zu jener Zeit ein größeres Interesse, wie Christa Wolf und Hermann Kant mit ihren Romanen, Stephan Hermlin mit seinen Erzählungen. Im vergangenen Jahr wurde mir der Name Johannes Bobrowski (1917 – 1965) wieder bewusst, er trat aus der Vielzahl bekannter und geschätzter DDR-Schriftsteller, wohl auch aus einer zweiten Reihe in den Vordergrund. Denn anlässlich seines 100. Geburtstages erschien der Band „Gesammelte Gedichte“ in der Deutschen Verlags Anstalt (DVA).   Alte Heimat – Johannes Bobrowski „Gesammelte Gedichte“ weiterlesen

Wort und Bild – Zoran Drvenkar und Corinna Bernburg „Könnte ich meine Sehnsucht nach dir sammeln“

„wir werden durch unsere freunde sichtbar unsere selbstzweifel lassen uns verschwinden“

Ein Autor trifft auf eine Fotografin. Gemeinsam planen sie, einen Moment auf ihre ganz eigene Weise zu erfassen. Der Autor mit seinen Worten, die Fotografin mit einem Bild. Es ist fast ein Wettkampf, eine besondere Verbindung. Die Fotografin nimmt eine Szene auf, der Autor soll bis zum Ende des Tages ein Gedicht dazu schreiben. Entstanden ist ein Band, der beglückt – mit wunderbaren Aufnahmen und herausragenden Texten. Und dies ist nur der erste Streich. Nach dem ersten Buch mit 90 Fotografien und Gedichten sollen nach dem Wunsch von Zoran Drvenkar und Corinna Bernburg drei weitere entstehen.  Wort und Bild – Zoran Drvenkar und Corinna Bernburg „Könnte ich meine Sehnsucht nach dir sammeln“ weiterlesen

Der Grenzgänger – Thomas Brasch „Die nennen das Schrei. Gesammelte Gedichte“

Naumburg hat Eingang auf Seite 676 gefunden. „Weil ich das Eigene verloren habe“ heißt das Werk. 18 Zeilen voller Furcht und seelischem Schmerz. Keine guten Erinnerungen sind es wohl, die der Dichter, Dramatiker und Regisseur Thomas Brasch (1945-2001) von der Domstadt besaß. Der kurze Text aus dem Nachlass des 2001 verstorbenen Künstlers, vermutlich in den 80er Jahren verfasst, zählt zu den gesammelten Gedichten, die als Band mit dem Titel „Die nennen das Schrei“ nun in einer limitierten Sonderausgabe vom Suhrkamp-Verlag veröffentlicht wurde.  Der Grenzgänger – Thomas Brasch „Die nennen das Schrei. Gesammelte Gedichte“ weiterlesen