Zwei Welten – Cixin Liu „Die drei Sonnen“

„Die Suche nach außerirdischer Intelligenz ist eine ganz spezielle Disziplin. Wer sie erforscht, entwickelt eine andere Weltsicht.

Haben sie nun vier Augen, sechs Beine oder ein dichtes braunes Fell? Kommen sie in Frieden oder mit kriegerischen Absichten? Viele Fragen, Unsicherheiten und sicherlich eine große Furcht sind mit jenen Gedanken verbunden, wie außerirdisches Leben, eine intelligente Zivilisation in den Weiten des Alles, wohl aussehen mag und welche Ziele sie verfolgt. Welche Auswirkungen dieses Aufeinandertreffen für die Menschheit hat, fern ab der Frage nach Krieg oder Frieden, wird indes bisher nur wenig diskutiert. Der chinesische Schriftsteller Cixin Liu meint, dass diese Begegnung die größte Herausforderung wäre, wohl noch bedeutenderer als der aktuelle Klimawandel. Jenen zwei Welten widmet er sich in seiner Trisolaris-Trilogie, deren erster Teil mit dem Titel „Die drei Sonnen“ nun in deutscher Übersetzung erschienen ist. „Zwei Welten – Cixin Liu „Die drei Sonnen““ weiterlesen

Ich und der Philosoph – Gisela von Wysocki „Wiesengrund“

„Ich habe für mich nur diesen einen ausfindig gemacht, einen weder weit entfernten noch still vor sich hin funkelnden Stern.“

Theodor W. Adorno (1903 – 1969) zählt zu den bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit seinem Kollegen wie Freund Max Horkheimer (1895 – 1973) begründete er die sogenannte Frankfurter Schule. Adornos Familienname ist wohl vielen bekannt, die Bedeutung des W. indes nicht allen geläufig. „Wiesengrund“ heißt auch der Titel des neuen Romans von Gisela von Wysocki, die sich nach ihrem wunderbaren Debüt „Wir machen Musik“ nun der Astronomie und der Philosophie widmet und daraus eine ganz wundersame Mischung entstehen lässt, in der die Musik indes auch nicht fehlen darf.  „Ich und der Philosoph – Gisela von Wysocki „Wiesengrund““ weiterlesen

Ungeboren – Ian McEwan „Nussschale“

„Identität wird zu meinem kostbaren, einzig wahren Besitz.“ 

Im Jahr 1998 veröffentlichte die britische Band „Massive Attack“ ihren Song „Teardrop“. In dem dazugehörigen Video ist ein ungeborenes Kind zu sehen, das seine Lippen bewegt, als ob es mitsinge.  Ein Fötus als Sänger, als Erzähler? Warum nicht, sagte sich wohl auch der britische Schriftsteller Ian McEwan. In seinem neuesten Werk lässt er ein ungeborenes Kind die besondere Geschichte seiner Eltern und seines Onkels schildern – und die ist nicht mehr nicht weniger als eine Reminiszenz auf William Shakespeares wohl berühmtestes Meisterwerk „Hamlet“. „Ungeboren – Ian McEwan „Nussschale““ weiterlesen

Unvorhergesehen – Arnaud Dudek „Strand am Nordpol“

„Um nicht unterzugehen, muss man sich an bedeutungslose Dinge klammern.“

Was wäre doch das Leben geradlinig und wohl auch recht fad ohne die unvorhergesehenen Zufälle und Begegnungen. Viele Freundschaften gäbe es nicht, Beziehungen oder sogar Ehen vermutlich ebenso weniger. Auch im Fall von Jean-Claude Stillmann und Françoise Vitelli scheint jemand, eine unbekannte Macht an den richtigen Strippen gezogen zu haben. Sie treffen sich und werden Freunde – trotz der Unterschiede. Auslöser ist eine Kamera, die Jean-Claude verliert und Françoise findet. Und schon nimmt die Geschichte in „Strand am Nordpol“ des Franzosen Arnaud Dudek ihren Verlauf. „Unvorhergesehen – Arnaud Dudek „Strand am Nordpol““ weiterlesen

Wenn Krieg ist – Hugo Claus „Der Kummer von Belgien“

„Der Kern unseres Wesens ist nicht anderes als die Anstrengung, die wir unternehmen, um Mensch zu bleiben, nicht zu sterben.“

Belgien ist kein Land, sondern ein Zustand, sagt der Vater von Louis, der jugendliche Held im Roman „Der Kummer von Belgien“. Das Werk von Hugo Claus (1929 – 2008) scheint vieles zugleich zu sein: Entwicklungs-, Familien- wie auch Kriegsroman. Denn obwohl das Land, eingerahmt von Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Luxemburg, für viele mit Blick auf seine Geschichte wohl recht unscheinbar wirkt, hat es auf dem Boden des Königreichs verheerende Schlachten gegeben. Man denke an Waterloo, man denke an Ypern. Im Mai 1940 besetzt die Deutsche Wehrmacht das kleine Land. Und einige deutschfreundliche Belgier machen mit dem Feind gemeinsame Sache.   „Wenn Krieg ist – Hugo Claus „Der Kummer von Belgien““ weiterlesen

Mordwaffe Buch – Patrick McGinley „Bogmail“

„So vieles im Leben war eine Frage der Täuschung.“

Man nehme ein gewichtiges Lexikon, möglichst im umfänglichen Backstein-Format, etwas Wut im Bauch und eine Person, die man nicht nur gedanklich ins Jenseits befördern möchte. Und schon ist der Mord geschehen. Der Pub-Besitzer Roarty tötet seinen Mitarbeiter Eamonn Eales, den er aus vollstem Herzen hasst, weil er sich an dessen Tochter herangegraben hat, mit einem gezielten Schlag auf den Kopf. Die Mordwaffe: der 25. Band der Encyclopædia Britannica. An dieser Stelle könnte der Krimi ein Ende finden. Schließlich ist der Täter, der die Leiche ohne Skrupel später des Nachts im Moor versenkt, bekannt. Doch „Bogmail“ des irischen Schriftstellers Patrick McGinley, der sein Buch mit „Roman mit Mörder“ untertitelt, ist einfach anders. „Mordwaffe Buch – Patrick McGinley „Bogmail““ weiterlesen