Ulrich Alexander Boschwitz – „Menschen neben dem Leben“

„Die Welt war im Begriff auseinanderzubersten (…).“

Wenn ich durch Kunstausstellungen gehe, die Namen der Künstler und deren Lebensdaten lese und manchmal erkennen muss, dass einigen kein langes Leben beschieden war, die Sterbejahre auf die großen Kriege, Leid und Vernichtung hinweisen, empfinde ich eine tiefe Trauer. Ich frage mich: Was hätte jener Künstler noch schaffen, entstehen lassen können? Nicht anders ergeht es mir bei Schriftstellern. An einen denke ich nach der Lektüre von nunmehr zwei seiner Romane des Öfteren: an Ulrich Alexander Boschwitz (1915 – 1942). Nach der großen literarischen Entdeckung seines Buches „Der Reisende“  durch den Verleger Peter Graf über die bedrohliche antisemitische Stimmung in den ersten Jahren des Dritten Reiches ist mit „Menschen neben dem Leben“ nun glücklicherweise auch das Debüt des gebürtigen Berliners erneut erschienen.

Ulrich Alexander Boschwitz – „Menschen neben dem Leben“ weiterlesen

Flucht – Ulrich Alexander Boschwitz „Der Reisende“

„Das Leben ist uns verboten.“

Es gibt nur sehr wenige Bücher, die sich auf zweifache Weise in uns graben, an uns rütteln, uns aufwühlen, uns innerlich in Bewegung setzen: mit ihrer Handlung sowie der komplexen Geschichte, die sich um die Entstehung, ihren Autor und ihre Veröffentlichung ranken. Der Roman „Der Reisende“ von Ulrich Alexander Boschwitz (1915 – 1942) ist eines dieser wertvollen und eindrücklichen Bücher. Als ich dessen Lektüre samt Nachwort beendet habe, ging mir eine Frage immer wieder durch den Kopf: Welche Bücher hätte Boschwitz noch schreiben können, hätte er diesen furchtbaren Krieg überlebt? Welchen Platz in der Literaturgeschichte hätte er eingenommen? Doch diese Sätze im Konjunktiv bleiben unbeantwortet. Es gibt nur die Hoffnung, dass Boschwitz und sein Werk nie mehr vergessen und bekannter werden.

Flucht – Ulrich Alexander Boschwitz „Der Reisende“ weiterlesen