#indiebookday 2018 – Neun Herzensbücher

Eine Woche nach der Leipziger Buchmesse werde ich an dieser Stelle einmal die frischen Titel aus den wunderbaren Frühjahrsprogrammen der Verlage etwas zur Seite schieben und mich vielmehr mit meinen Regalen und einer Reihe bereits gelesener Bücher widmen. Der Grund: Heute ist indiebookday. Ein Tag, der auf unabhängige Verlage aufmerksam machen soll. Obwohl ich denke, dass die kleineren Verlage die Aufmerksamkeit im ganzen Jahr verdient haben und diese auch bekommen sollten. Doch generell sage ich immer wieder: Kauft Bücher, kauft Bücher in unabhängigen Buchhandlungen, obwohl gerade letzteres nicht immer einfach ist, wenn man in der Provinz, in einem ländlichen Gebiet wohnt. An dieser Stelle möchte ich neun Bücher vorstellen, die mich in den vergangenen Monaten besonders beeindruckt haben und die sich auch als Ostergeschenke eignen. 

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Jan Kjærstad „Das Norman-Areal“: Den Anfang macht ein Roman, den ich sehr gern im Bücherschrank eines jeden Bücherfans sehen würde. Der Norweger Jan Kjærstad zählt zu den bekanntesten Schriftstellern seines Landes und schreibt in seinem neuesten Werk „Das Norman-Areal“ über einen Lektor eines großen Verlages, der von einer tückischen „Krankheit“ heimgesucht wird: Dem Vielleser, der Manuskripte wie Bücher zeit seines Lebens verschlingt, wird übel, sobald er einen Text liest. Der Roman ist Entwicklungsroman wie Liebesgeschichte und erzählt vor allem von der großen Hingabe an die Literatur und das Lesen. Erschienen ist das Buch im österreichischen Septime-Verlag, der auch andere Werke des Norwegers veröffentlicht hat.

Ingvild H. Rishøi „Winternovellen“: Bleiben wir an dieser Stelle in Norwegen, um uns vielleicht schon ein wenig auf die Frankfurter Buchmesse 2019 vorzubereiten, auf der das skandinavische Land Gastland sein wird. In ihrem schmalen Band „Winternovellen“ vereint Ingvild H. Rishøi drei Novellen, die trotz unterschiedlichen Inhalts einige Gemeinsamkeiten aufweisen. Im Mittelpunkt stehen Kinder sowie Erwachsene, die verschiedene Verluste erlitten haben und vor Herausforderungen stehen, wobei der Leser zum Beobachter wird und er am Ende die Geschichte im Kopf für sich selbst weiter erzählen kann. Für ihr Werk erhielt die Verfasserin zahlreiche Preise: so den Kritikerpreis, den renommierten norwegischen Bragepreis sowie den Preis der norwegischen Buchblogger.

Filip Florian „Alle Eulen“: Ist die Frankfurter Buchmesse 2019 noch Zukunftsmusik, stellte die diesjährige Buchmesse in Leipzig die Literatur Rumäniens in den Mittelpunkt. In die Wälder der Karpaten und in das Leben eines Jungen führt der Roman „Alle Eulen“ von Filip Florian. Der Rumäne erzählt von der besonderen Freundschaft zwischen Emil und Luci, die eigentlich ein Altersunterschied von 50 Jahren trennt. Zusammen streifen sie in den Sommernächten durch die dichten Wälder der Karpaten auf der Suche nach den Eulen. Der Roman ist vielschichtig, denn eingeflochten wird zudem das wechselvolle Leben Emils und die kleinen Geschichten der Bewohner der Kleinstadt. Erschienen ist das Buch im Verlag Matthes & Seitz.

Willi Achten „Nichts bleibt“: Psychologische Spannung verspricht der Roman „Nichts bleibt“ des am Niederrhein geborenen und heute in den Niederlanden lebenden Schriftstellers Willi Achten. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der preisgekrönte Kriegsfotograf Franz Mathys, dessen Vater von zwei Männern zusammengeschlagen wird. Mathys macht sich auf die Suche nach den Tätern, während in dieser Zeit seine Familie auseinanderbricht. Achten zeigt in seinem Roman, dass brutale Gewalt nicht nur in Kriegsgebieten herrscht, sondern auch hierzulande und im Umfeld jedes einzelnen. Auch die Themen Zeit, Verlust und Beziehungen zwischen den Menschen werden in diesem tiefsinnigen wie beklemmenden Thriller behandelt. Erschienen ist der Roman im Pendragon Verlag.

Edna O’Brien „Die kleinen roten Stühlen“: Spannend wie vielschichtig ist auch der neue Roman der irischen Schriftstellerin Edna O’Brien mit dem Titel „Die kleinen roten Stühlen“. Damit verweist sie auf ein besonderes Gedenken 20 Jahre nach der Belagerung Sarajewos. Jeder Stuhl präsentierte einen Menschen, der sein Leben während der mehrjährigen Belagerung verloren hat. Der Balkankrieg mit seiner Grausamkeit und dessen Wirkung bis in die Gegenwart ist auch das Thema des Romans, in dem zu Beginn ein unbekannter Mann in ein kleines irisches Dorf kommt. Von allen gemocht, von Fidelma, Inhaberin eines Textilgeschäftes, geliebt, stellt sich später heraus, dass der Unbekannte ein gesuchter Kriegsverbrecher ist. O’Briens Meisterwerk, das sich auch mit dem Thema Flucht, Migration und ihre Ursachen beschäftigt, erschien im Steidl Verlag.

Pat Barker „Tobys Zimmer“: Die beiden Weltkriege sind literarische Themen, denen ich mich immer wieder widme. In „Tobys Zimmer“ erzählt die preisgekrönte englische Schriftstellerin Pat Barker über die nahezu unzertrennliche Beziehung zwischen den Geschwistern Elinor und Toby, der im Ersten Weltkrieg als Offizier und Arzt dient, später als vermisst gilt, während seine jüngere Schwester in einem Hospital die Gesichter der Verwundeten zeichnet. Barkers eindrucksvoller Roman, erschienen im Schweizer Verlag Dörlemann, ist ein Buch über Krieg und Frieden, Liebe und Freundschaft sowie die Rolle der Kunst. Auch in ihrer Trilogie aus den Bänden „Niemandsland“, „Das Auge in der Tür“ und „Straße der Geister“ bestehend beschäftigte sich die Engländerin mit dem Ersten Weltkrieg.

Gilles Marchand „Ein Mund ohne Mensch“: Romane wie Filme aus Frankreich sind bekannt dafür, besondere Geschichten besonders menschlich zu erzählen. In „Ein Mund ohne Mensch“ erzählt Gilles Marchand von einem namenlosen Helden, der nicht ohne Schal das Haus verlässt, um Hals und den unteren Teil seines Gesichtes zu verbergen. Regelmäßig trifft er sich mit Freunden in einem Café, wo Geschichten ausgetauscht werden. Auch der Held beginnt eines Tages zu berichten – von seinem Großvater, der ein besonderer Mensch war. Mehr und mehr Gäste finden sich in dem Café ein, um den meist skurrilen Erzählungen zu lauschen. Der Franzose erhielt für sein Buch, das auch von einem dunklen Tag in der französischen Geschichte erzählt, sehr viel Lob in seinem Heimatland. Erschienen ist es im austernbank Verlag.

Hampton Sides „Die Polarfahrt“: Ich muss zugeben, dass ich schon den einen oder anderen Lieblingsverlag habe, ob nun bekannt und groß oder wie im Fall des mare Verlags eher kleiner. Hier sind vor allem Bücher über das Meer, das ich sehr liebe, beheimatet. Aus dem Bereich Sachbuch kommt „Die Polarfahrt“ des Amerikaners Hampton Sides. Darin schildert er eine nahezu unbekannte Expedition: die der USS Jeannette, die 1879 ins See stach, um den Nordpol zu erreichen – mit der damals verbreiteten Überzeugung eines offenen Polarmeeres. Sides hat nicht nur intensiv in Archiven recherchiert, er begab sich selbst auf die Spuren des Schiffes, bereiste unter anderem auch die Beringstraße und das sibirische Lena-Delta. Dem Autor gelingt es, spannend und lehrreich über die abenteuerliche Reise zu schreiben sowie die einzigartige Landschaft im Kopf des Lesers entstehen zu lassen.

Lucia Jay von Seldeneck und Florian Weiß „Ich werde über diese Merkwürdigkeit noch etwas drucken lassen“: Zu guter Letzt ein Band, der ganz sicher das Prädikat „Gesamtkunstwerk“ erhalten sollte und zugleich wundervoll lehrreich ist. Das Buch mit dem langen Titel „Ich werde über diese Merkwürdigkeit noch etwas drucken lassen“ versammelt 30 Tiermeldungen aus aller Welt und zwei Jahrtausenden. Gefunden und in besonderer Weise aufgeschrieben hat sie die Berlinerin Lucia Jay von Seldeneck. Herausragende Illustrationen des Grafikers und Illustrators Florian Weiß begleiten die Geschichten. Entstanden sind die Schwarz-Weiß-Bilder indes weder mit Feder und Tusche oder mit dem Bleistift. Weiß verwendete eine eigens konstruierte Tätowiermaschine. Unzählige Punkte verbinden sich zu einem eindrucksvollen Bild. Der Band erschien im Kunstanstifter Verlag und bereichert die Büchersammlung jeder Familie, weil sowohl große als auch kleine Leser und Tierfreunde staunen werden.

Wer mehr über den Hintergrund des indiebookday lesen will, schaut im Netz nach. Unter #indiebookday lässt sich zudem in sozialen Netzwerken prima andere Beiträge zu diesem besonderen Tag suchen. Viel Spaß dabei!

6 Gedanken zu „#indiebookday 2018 – Neun Herzensbücher“

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