Alex Schulman – „Endstation Malma“

„Wann weiß man, dass man ein Kind verloren hat?“ 

Zugegeben: Langsam wird er mir ein wenig unheimlich. Bestseller reiht er an Bestseller.  Alles keine schnell dahingeworfenen Geschichten, sondern klug durchdachte Handlungen, die ob ihrer Struktur und ihrer gedanklichen Tiefe verblüffen. Alex Schulman ein Phänomen zu nennen, wäre sicherlich nicht übertrieben. Mit seinen Romanen „Die Überlebenden“ und „Verbrenn alle meine Briefe“ hat er sich nicht nur in seiner schwedischen Heimat einen beachtlichen Bekanntheitsstatus erschrieben. Mittlerweile kommt man hierzulande nicht an ihm vorbei. Kürzlich ist sein neuester Roman „Endstation Malma“ erschienen. Wieder führt er uns in die Abgründe einer Familie.

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Zadie Smith – „Betrug“

„Das dichterische Temperament ist wahrlich eine verzwickte Angelegenheit …“

Nichts ist, wie es scheint. Ein bekannter Spruch, der sich nicht nur auf einschlägigen „Zitate“- und Küchenkalenderspruch-Seiten im Netz finden lässt, sondern auch als Titel in der Buch- und Filmwelt. In dem neuen Roman „Betrug“ von Zadie Smith geht es genau darum – um das bekannte mehr Schein als Sein. Dabei ist in dem ersten historischen Roman der mehrfach preisgekrönten britischen Schriftstellerin die Gegenwart stets allgegenwärtig. „Zadie Smith – „Betrug““ weiterlesen

Ilona Jerger – „Lorenz“

„Jedes Lebewesen ist nur ein Durchgangsstadium zum nächsten.“

Welche Ereignisse, welche Begegnungen entscheiden über den Lebensweg eines Menschen? Im Fall des berühmten Verhaltensforschers und Nobelpreisträgers Konrad Lorenz (1903-1989) ist es Martina, eine Graugans. 1935 in Altenberg bei Wien aus dem Ei geschlüpft,  wird sie ihren „Vater“ nahezu überallhin folgen. An ihr erkennt Lorenz den Verhaltensmechanismus der Prägung. Weitere bahnbrechende Entdeckungen und Gedanken begleiten seine spätere Laufbahn. Über sein Leben und Schaffen hat Ilona Jerger einen faszinierenden weil lebendigen wie lehrreichen Roman geschrieben, der Zeitgeschichte mit dem Heute verbindet und vor allem nicht die dunklen Flecken in Lorenz‘ Biografie auslässt.

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Lina Nordquist – „Mein Herz ist eine Krähe“

„Niemand hat uns ein Leben ohne Trauer versprochen.“

Unni ist auf der Flucht. Mit ihrem kleinen Sohn Roar und Armod, ihrem Mann, schlägt sie sich von Norwegen nach Schweden durch. In den dichten Wäldern Hälsinglands finden sie ein bescheidenes Zuhause: die Hütte „Frieden“. Doch der Name trügt. Denn das Paar kämpft in der rauen Gegend im Norden des Landes um ihr Überleben. Die schwedische Wissenschaftlerin und Politikerin Lina Nordquist hat mit „Mein Herz ist eine Krähe“ einen fesselnden und dramatischen, aber stellenweise auch bedenklichen Roman über eine Familie, dessen Leben von roher Gewalt und einem dunklen Geheimnis geprägt wird, geschrieben.

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Im Duett #5: Colson Whitehead „Harlem Shuffle“ & „Die Regeln des Spiels“

„Die Stadt war eine einzige wimmelnde, armselige Mietskaserne, und die Wand zwischen einem selbst und allen anderen war so dünn, dass man sie mühelos durchstoßen konnte.“ 

Er verkauft Möbel und gebrauchte Elektrogeräte. Auch Haushaltsauflösungen spülen etwas Geld in die Kasse. Woher die Ware kommt, ist Raymond „Ray“ Carney egal. Trotz eines eigenen Ladens und Nebengeschäften ist der Möbelhändler fast pleite. Als sein Cousin Freddie ihn zu einem krummen Ding überredet, betritt Ray die gefährliche Welt der glücklosen Kleinkriminellen, der korrupten Cops und skrupellosen Bandenchefs, die er so schnell nicht verlassen will – und kann. Mit „Harlem Shuffle“ (2021) und dem Nachfolgeroman „Die Regeln des Spiels“ (2023) erzählt Colson Whitehead vom Harlem der 60er- und 70er-Jahre und den Gesetzen der Unterwelt, die dort kaum einer entrinnen kann.

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Susan Glaspell – „Die Rose im Sand“

„Wenn man gegen etwas kämpft, das größer ist als man selbst, erkennt man bloß, wie klein man ist.“

Während in Übersee die Kurzgeschichte als literarisches Genre beliebt und angesehen ist, hat es die kleine Schwester des Romans hierzulande sichtlich schwer beim Lesepublikum. Doch nach und nach scheint sie allmählich mehr und mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. Oft auch in Verbindung mit Wiederentdeckungen, die in den vergangenen Jahren über den großen Ozean nach Europa geschwappt sind. Susan Glaspell (1876-1948) zählt zu den einst berühmten Autorinnen der USA. 1931 erhielt sie für ihr Stück „Allison’s House“ den renommierten Pulitzer-Preis verliehen.  „Susan Glaspell – „Die Rose im Sand““ weiterlesen