Held Nelson – Nickolas Butler „Die Herzen der Männer“

„Die Helden haben sich immer von ihrem Herzen leiten lassen und die Feiglinge von ihrem Verstand.“

Es ist eine besondere Gemeinschaft mit besonderen Regeln: die Bewegung der Pfadfinder. Abseits vom gewohnten Zuhause und mitten in der wilden Natur kommen Kinder und Jugendliche zusammen, um praktische wie soziale Fähigkeiten zu erlernen. Für viele ist diese Gemeinschaft prägend für das weitere Leben. Der amerikanische Schriftstellerin Nickolas Butler, hierzulande bekannt geworden mit seinem Buch „Shotgun Lovesongs“, stellt diese in den Mittelpunkt seines neuen Romans „Die Herzen der Männer“ und erzählt von Jungen, die zu Männern werden und sich bewähren müssen, und von Frauen, die ihnen stets zur Seite stehen. „Held Nelson – Nickolas Butler „Die Herzen der Männer““ weiterlesen →

Schuld – Pierre Lemaitre „Drei Tage und ein Leben“

„Die beiden Bilder passen nicht zusammen, man kann nicht zwölf Jahre alt und ein Mörder sein …“

Der Tatort: der Wald von Saint-Eustache, das Opfer: der kleine Rémi, der Täter:  der gerade mal zwölfjährige Antoine. Seine Tatwaffe: ein Stock.  Keine Angst, hier wird nicht alles verraten, wovon der Roman von Pierre Lemaitre „Drei Tage und ein Leben“ handelt. Denn dieser grausame wie tragische Akt der Gewalt ist schon auf Seite 23 zu lesen, das neue Werk des Franzosen kein Krimi und der Gewinner des renommierten Prix Goncourt ein meisterhafter Erzähler, der Überraschungen mag.     „Schuld – Pierre Lemaitre „Drei Tage und ein Leben““ weiterlesen →

Brüder – Kris Van Steenberge „Verlangen“

„Vögel im Käfig verlieren das Fliegen.“

Ypern, die Stadt in Westflandern mit ihren heute rund 35.000 Einwohnern, hat sich in die Geschichtsbücher eingeschrieben. Wenngleich auch in düsterer Weise. Während des Ersten Weltkriegs fanden hier vier große Schlachten statt, testeten die deutschen Truppen zum ersten Mal Senfgas aus. Einen kleinen realen Ort namens Woesten nahe Ypern setzt Kris Van Steenberge in den Mittelpunkt seines Debütromans „Verlangen“, der neben dem Krieg auch vom Dorfleben und einer besonderen Familie erzählt.  „Brüder – Kris Van Steenberge „Verlangen““ weiterlesen →

Lebensläufe – Olivier Adam „Die Summe aller Möglichkeiten“

„So viele Jahre. Ein anderes Leben.“

Morgen ist ein neuer Tag. Morgen beginnt ein anderes Leben. All die Wünsche und Träume beginnen – morgen. Da wird der öde und schlecht bezahlte Job gekündigt, die noch ödere Partnerschaft beendet, endlich mal all jenen Mitmenschen die Meinung gegeigt, die man nicht ausstehen kann und doch jeden Tag ums Neue anlächelt. Doch es wird nicht so kommen. Alles sind nur Gedanken und bleiben es meistens auch. Aus den verschiedensten Gründen. Weil wir bequem sind, den Mut nicht haben, uns wirtschaftlich wie sozial in bereits eingefahrenen Bahnen bewegen. Vielleicht findet sich der eine oder andere  im neuen Roman von Olivier Adam „Die Summe aller Möglichkeiten“ erschreckenderweise wieder. Denn das Leben mit all seinen guten wie schlechten Zeiten, verpasste Chancen sowie falsche Entscheidungen sind das große Thema des Franzosen. „Lebensläufe – Olivier Adam „Die Summe aller Möglichkeiten““ weiterlesen →

Wenn Krieg ist – Hugo Claus „Der Kummer von Belgien“

„Der Kern unseres Wesens ist nicht anderes als die Anstrengung, die wir unternehmen, um Mensch zu bleiben, nicht zu sterben.“

Belgien ist kein Land, sondern ein Zustand, sagt der Vater von Louis, der jugendliche Held im Roman „Der Kummer von Belgien“. Das Werk von Hugo Claus (1929 – 2008) scheint vieles zugleich zu sein: Entwicklungs-, Familien- wie auch Kriegsroman. Denn obwohl das Land, eingerahmt von Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Luxemburg, für viele mit Blick auf seine Geschichte wohl recht unscheinbar wirkt, hat es auf dem Boden des Königreichs verheerende Schlachten gegeben. Man denke an Waterloo, man denke an Ypern. Im Mai 1940 besetzt die Deutsche Wehrmacht das kleine Land. Und einige deutschfreundliche Belgier machen mit dem Feind gemeinsame Sache.   „Wenn Krieg ist – Hugo Claus „Der Kummer von Belgien““ weiterlesen →

Parallelwelten – Florian Scheibe „Kollisionen“

„Denn die eigentlichen Missverständnisse im Leben fingen bei dem Versuch, einem anderen ein Gefühl zu beschreiben, überhaupt erst an.“

Was geschieht, wenn im normalen Lebenspfad ein Abschnitt fehlt, wie die nötige Brücke über den Fluss, weil eine der größten Hoffnungen nur eine Hoffnung bleibt? Sucht man sich eine andere Möglichkeit des Übersetzens wie ein Boot oder läuft man den Strom entlang, bis man eine nächste Brücke erreicht? Für Tom und Carina, er Redakteur für ein Stadtmagazin, sie Architektin, könnte es nicht besser laufen. Sie lieben sich, sie haben eine wunderschöne Wohnung in Berlin-Kreuzberg mit Dachterrasse und sensationellem Blick auf die Stadt, sie sind im Beruf erfolgreich, verdienen gutes Geld. Doch etwas fehlt für das große Glück: ein gemeinsames Kind. Nach einer Zeit der Versuche, auf natürlichem Wege ein Kind zu zeugen, legen sie all ihre Hoffnungen in die Möglichkeiten der modernen Medizin. Währenddessen macht Carina die zufällige Begegnung mit einem jungen Mädchen: Mona ist gerade mal 16, Junkie und schwanger.  „Parallelwelten – Florian Scheibe „Kollisionen““ weiterlesen →