Annelies Verbeke „Dreißig Tage“

„Es gibt immer Licht, immer Schatten.“

Alphonse ist ein dufter Typ. Mit ihm ist gut Kirschen essen, womöglich auch Pferde stehlen. Er ist einer, den man sich als Nachbarn wünscht, mit dem man gern ein Bierchen, Weinchen oder ein großes Glas Fassbrause trinken würde. Doch es gibt auch Menschen, die ihn scheel anschauen würden – mit einem Blick der Verachtung, des Hasses. Denn Alphonses Haut ist dunkel, er stammt aus dem Senegal. Dass er in der tiefsten Provinz Flanders lebt, empfindet er als Glück, doch das ist nur von kurzer Dauer. Die flämische Schriftstellerin Annelies Verbeke hat mit „Dreißig Tage“ einen Roman geschrieben, der das Herz des Lesers bricht.

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Bergsveinn Birgisson „Die Landschaft hat immer Recht“

„Obwohl die Winde über das Firmament rasten, berührten unsere Zehen nie den Himmel.“

An einem der zahlreichen Enden der Welt zu leben, ist sicherlich nicht einfach. Und wenn dieses Ende auch noch im hohen Norden liegt, kann man wohl nicht gleich von einem Paradies sprechen. Wind und Wetter regieren mit aller Macht und bestimmen das Leben. Im Winter sind die Nächte besonders lang, die Kälte beißend. Frauen scheinen rar in dieser kargen Gegend. Als junger Mann und Fischer, der in einem Wohnheim an einem der Fjorde im Westen Islands gemeinsam mit raubeinigen Kollegen lebt, kann man da schon leise leiden und verzweifeln. Halldór, Held des Romans „Die Landschaft hat immer Recht“ des Isländer Bergsveinn Birgisson, ist dieser Fischer, der in seinem Tagebuch sowohl vom Alltag und der harten Arbeit als auch vom Leben und der Liebe schreibt – und das mit viel Humor und Melancholie, so unvergleichlich und wundersam.  Bergsveinn Birgisson „Die Landschaft hat immer Recht“ weiterlesen

Martin Lechner „Nach fünfhundertzwanzig Weltmeertagen“

„Ich warf einen Stein in den See. Wie ein Mensch, der versinkt, nur leiser, vielleicht ein kleiner Mensch.“ 

Schon das Foto auf dem Einband lässt Fragen entstehen. Ein Junge mit blondem Haar schaut durch die Dachluke eines Hauses direkt in die Kamera. Im Hintergrund ist Wasser, viel Wasser, das Meer und ein Objekt, etwas unscharf gehalten. Ein großer Dampfer? Eine Ölbohrinsel? Ein Leuchtturm? Genau wie das Meer, mal ruhig und spiegelglatt, mal verwirbelt und verschwommen, mal zügellos und unberechenbar, ist auch der neue Erzählband „Nach fünfhundertzwanzig Weltmeertagen“ von Martin Lechner.  Martin Lechner „Nach fünfhundertzwanzig Weltmeertagen“ weiterlesen