Audrey Magee – „Die Kolonie“

„Dieses Einfache ist für die meisten nichts.“

Auf einem kleinen Ruder-Boot, einem irischen Curragh, erreicht Mr. Lloyd die Insel. Eine wacklige und magenfeindliche Angelegenheit für den Künstler aus London, der auf dem kleinen Eiland die Klippen malen will. Er wird nicht der einzige Fremde bleiben, den die Inselbewohner aufnehmen (müssen). Auch der französische Linguist Jean-Pierre Masson landet im Sommer des Jahres 1979 hier. Er will ein Buch über das irische Gälisch schreiben, um die Sprache vor dem Aussterben zu bewahren Beide Männer sind sich spinnefeind, so dass nicht nur der blutige Konflikt auf dem Festland für Spannungen auf dem nur wenige Seelen zählenden Eiland sorgt.

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Octavia E. Butler – „Die Parabel vom Sämann“

„Die Erde ist in furchtbarer Verfassung.“

Das Jahr 2024 liegt hinter uns. Mit all den dunklen und dramatischen Nachrichten und Entwicklungen, die Sorgen bereiten. Vor etwas mehr als drei Jahrzehnten erschien in den USA ein Roman, der einen Blick in die Zukunft, eben in das Jahr 2024, wirft. „Die Parabel vom Sämann“ von der US-amerikanischen Autorin Octavia E. Butler (1947-2006) ist eine beklemmende Dystopie, aus der so einiges mittlerweile Wirklichkeit wurde. Im Netz geht die Wendung „Octavia knew“ (übersetzt: „Octavia wusste“) viral. Der Titel zählt zu einer Reihe Klassikern wie Ray Bradbury, Margaret Atwood und George Orwell, deren Verkaufszahlen in den vergangenen Monaten sprunghaft gestiegen sind.

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Jan Kjærstad – „Eine Zeit, zu leben“

„All diese Geschichten, denke ich.“

Ein Tag im März 2019. Oslo, ja Norwegen steht Großes bevor. Im Nationaltheater feiert die Inszenierung „Hedda Gabler“ nach dem Drama von Henrik Ibsen Premiere. Kein Geringerer als der berühmte Theatermacher Kyrre Ellingsen führt Regie, die Hauptrollen sind mit Hedda Christine Foss als Hedda und Hendrik Adler als Assessor Brack prominent besetzt. Für die Schauspieler und das Publikum wird der Abend jedoch anders als gedacht. Der norwegische Schriftsteller Jan Kjærstad hat mit seinem neuesten Roman „Eine Zeit, zu leben“ weit mehr als ein Buch über Theater und den großen Ibsen geschrieben.

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Toine Heijmans – „Irrfahrt“

„Wenn das Denken aufhört, übernimmt das Meer.“

Ein Sturm zieht über der Nordsee vor der Küste der Niederlande auf. Auch wenn er sein Ziel bereits vor Augen hat, entscheidet Donald, auf der See auszuharren. Zur Sicherheit – für sich und seine siebenjährige Tochter Maria, die ebenfalls an Bord ist. In seinem schmalen Romandebüt „Irrfahrt“ erzählt der Niederländer Toine Heijmans von einer besonderen Segeltour, einem Mann, seiner Familie und dass nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

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Johan Harstad – „Unter dem Pflaster liegt der Strand“

„Alle Vororte haben Ambitionen, zumindest anfangs.“

Vor fünf, sechs Jahren erschien ein dicker Wälzer mit dem ungewöhnlichen Titel „Max, Mischa und die Tet-Offensive“ in deutscher Übersetzung. Ein Buch, das einen verschlingt, das man trotz seiner handtaschenuntauglichen Größe mit sich herumschleppt, um so oft es geht, darin zu lesen. Nun ist der Norweger Johan Harstad zurück – mit einem ebenso umfangreichen Roman mit mehr als 1.100 Seiten. In Sachen Themen- und Schauplatzvielfalt sowie in puncto Zeitsprüngen erlebt man mit dem neuesten harstadschen Streich eine Art Déjà-vu.

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Leon de Winter – „Stadt der Hunde“

„Alles ist heilig.“

Sogar ein Genie kann ein Scheusal sein. Jaap Hollander gilt als einer der renommiertesten Gehirnchirurgen der Welt. Der Amsterdamer operiert selbst dann, wenn die meisten seiner Kollegen den Patienten bereits aufgegeben haben. Er hat alles: Familie, Haus, Ruhm, Geld. Doch er betrügt seine Frau Nicole mit Ärztinnen und Krankenschwestern, für seine Tochter Lea hat er nicht viel übrig. Eines Tages verschwindet sie spurlos auf einer Reise in Israel. Und sein Leben wird nie mehr, wie es einst war. „Leon de Winter – „Stadt der Hunde““ weiterlesen