Birgit Lutz – „Mein Spitzbergen“

„Nur noch sehr selten findet man sich noch an Orten wieder, wo die Welt so aussieht, rundherum, als gäbe es den Menschen nicht.“

Manche Traumziele lösen bei den meisten Kopfschütteln und ein mitleidiges Lächeln aus. Die weiße wie kalte Welt abseits des nördlichen Polarkreises zählt sicherlich dazu. Zugegeben: Palmen und tropische Temperaturen jenseits der 30 Grad sind nicht so meins. Eine meiner Wunschreisen geht irgendwann, ich hoffe bald, nach Spitzbergen. Schon etwas länger liebäugele ich mit der arktischen Inselgruppe, zwischen dem norwegischen Festland und dem Nordpol gelegen. Expeditionsleiterin und Autorin Birgit Lutz hat über den Archipel im Nordpolarmeer ein ganz persönliches Buch geschrieben.

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Davide Coppo – „Der Morgen gehört uns“

„Tragödien sind sorgfältig gedeckte Tische, nicht das spontane Stückwerk eines schlechten Tages.“ 

Er sitzt seine Strafe ab. Neun Monate Arrest. Bald wird er 18. Ettore blickt zurück, auf das was geschehen ist, wie es geschehen konnte. Dass er einem Jugendlichen ein Springmesser in den Leib gestoßen, ihn schwer, gar lebensbedrohlich verletzt hat. Der italienische Journalist und Autor Davide Coppo erzählt in seinem Debüt „Der Morgen gehört uns“, wie ein Jugendlicher nach rechts driftet, Teil einer neofaschistischen Gruppierung wird und zunehmend Gewalt und Hass verfällt. „Davide Coppo – „Der Morgen gehört uns““ weiterlesen

Thomas Korsgaard – „Hof“

„Wenn die Leute nie weinen, werden sie so eigenartig. Dann verschwindet etwas in ihren Augen.“

Von der vielbeschworenen Idylle ist dieses Landleben weit entfernt. Tue kennt es nicht anders. Sein Zuhause ist ein heruntergekommener Hof, das nahegelegene Dorf im dänischen Nirgendwo bezeichnet er als Vorort der Finsternis. Sein cholerischer Vater verbrennt die toten Tiere, um Entsorgungskosten zu sparen, seine Mutter verzockt beim stundenlangen Online-Poker Geld, das die Familie nicht hat. Wir sind mittendrin in einer Tragödie, und wollen nicht wirklich da heraus, weil wir einen Zwölfjährigen begleiten, der den Tod kennt, aber das Leben liebt und aus seinem etwas machen will.

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Sarah Brooks – „Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland“

„Keine Landschaft ist unschuldig.“

Es gibt Zugstrecken, die gelten als legendär. Die Transsibirische Eisenbahn gehört zweifellos dazu, wenn sie nicht sogar die Hitliste anführt. Auf einer Länge von mehr als 9.200 Kilometer erstrecken sich die Gleise von Moskau durch die Weiten Sibiriens bis an den Pazifik nach Wladiwostok. Sechs Tage dauert die Reise. Für den Transsibirien-Express, den die Helden des abenteuerlichen Debüts der Britin Sarah Brooks in Peking an einem Tag im Jahr 1899 besteigen, steht die Transsib „Modell“.

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Barbara Kingsolver – „Demon Copperhead“

„Jeder weiß, dass alle, die in diese Welt geboren werden, von Anfang an gezeichnet sind – Gewinner wie Verlierer.“

Monat für Monat habe ich ihn mir aufgehoben, um die Vorfreude auszukosten. Ich wollte den Roman noch etwas ruhen lassen, den richtigen Moment abwarten. An mir zogen die Besprechungen vorbei, Kollegen und Freunde lasen das Buch, erzählten mir von ihrer Lektüre. Doch manches braucht seine Zeit, den passenden Moment – auch Bücher, Bücher wie „Demon Copperhead“, für den die US-amerikanische Schriftstellerin Barbara Kingsolver große Preise abräumte. Doch dann war schließlich der Moment gekommen – und die Story zog mich mit. „Barbara Kingsolver – „Demon Copperhead““ weiterlesen