Christoph Poschenrieder – „Der unsichtbare Roman“

„Staat an Schriftsteller: Hilf uns aus der Patsche, schreib einen Roman.“

Bereits vor einiger Zeit schrieb ich in dem Blogbeitrag zu Colson Whiteheads Roman „Die Nickel Boys“ den Gedanken nieder, dass es für das literarische Erzählen oft nicht einmal der Fantasie bedarf, dass Geschichten vielmehr real sind oder waren und Eingang in die Historie eines Landes, einer Stadt gefunden haben. Dies beweist auch das neue Buch des Münchner Schriftstellers Christoph Poschenrieder der ganz im Gegensatz zum Titel „Der unsichtbare Roman“ sicht- und greifbar ist, mehr noch: eine spannende eindrückliche Lektüre bietet. „Christoph Poschenrieder – „Der unsichtbare Roman““ weiterlesen

Claire Lombardo – „Der größte Spaß, den wir je hatten“

„Man ist nicht der Grund für das Glück der Eltern, sondern dafür zuständig, dass sie trotzdem glücklich sind.“

Ein gesundes Bauchgefühl kann uns vor schlechten Entscheidungen bewahren. Unser Instinkt schützt uns davor, in gewissen Situationen etwas Falsches zu machen und unter anderem auch davor – der Leseerfahrung sei dank – ein Buch in die Hand zu nehmen, Zeit mit ihm zu verbringen und zu vergeuden, das uns nicht gefallen wird. Da war dieser dicke Roman. Ein Debüt, das Buch einer jungen Amerikanerin. Auf dem Umschlag lobende Worte, sogar von dem mir sehr geschätzten Pulitzer-Preisträger Richard Russo. Ich war skeptisch! Schob die Lektüre vor mir her. Bis ich „Der größte Spaß, den wir je hatten“ von Claire Lombardo schließlich doch las und die Erfahrung machte, dass das Bauchgefühl manchmal auch komplett daneben liegen kann. „Claire Lombardo – „Der größte Spaß, den wir je hatten““ weiterlesen

Backlist #13 – Jochen Missfeldt „Solsbüll“

„Das Schweigen steckte tief. Es steckt in den Muscheln. Es steckt in der Erde. Es steckt auch in den Sternen. Es steckt im Mond. Es steckt in der Ostsee.“

Mit ihrem Debüt „Altes Land“ gelang Dörte Hansen 2015 ein immenser Erfolg. Auch ihr aktueller Roman „Mittagsstunde“, 2018 erschienen, kann sich Bestseller nennen. Manchmal ist es schon erstaunlich, warum ein Buch sich übermäßig gut verkauft ein anderes jedoch nicht; letzteres vielleicht sogar etwas in Vergessenheit geraten ist, nicht die Aufmerksamkeit erhält, die es verdient hätte. Dabei hat „Solsbüll“ von Jochen Missfeldt all das, was beispielsweise die Werke Hansens ausmachen: ein norddeutsches Dorf, bewegende Schicksale und die Geschichte, die sich tief in das Leben der Menschen einprägt. Und „Solsbüll“ hat gar noch einiges mehr.

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Gunnar Staalesen – „Todesmörder“

„Unter all dem ahnte ich ein Muster, eine schwache Skizze von etwas Ungesagtem und Ungesehenen, das langsam an die Oberfläche stieg.“

Jedes Jahr erscheinen neue aufsteigende Sterne am Krimihimmel Skandinaviens. Beim Stöbern durch die Krimiregale und -tische diverser Buchhandlungen gibt es regelmäßig spannende Entdeckungen zu machen. Doch im Jahr der Frankfurter Buchmesse mit Norwegen als Gastland machte ich einen ganz anderen Fund: Im Polar Verlag erschien mit „Todesmörder“ der bereits 15. Roman um den charismatischen Privatermittler Varg Veum aus der Feder des wohl dienstältesten und mehrfach preisgekrönten norwegischen Krimiautoren Gunnar Staalesen. Eine besondere Entdeckung für mich! „Gunnar Staalesen – „Todesmörder““ weiterlesen

Gusel Jachina – „Wolgakinder“

„Ihr kleines Leben verlief nach eigenen Gesetzen. Auch die Zeit verging dort anders – langsam und kaum spürbar.“

Im 18. Jahrhundert verließen sie ihre Heimat. Sie folgten dem Ruf der russischen Zarin Katharina der Großen (1729 – 1796). Das große weite Reich im Osten und die Gestade des längsten Flusses der Welt sollten ihre neue Heimat werden: In den folgenden Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten erlebten die Wolgadeutschen eine wechselvolle Geschichte. Immer wieder trieb es sie in andere Gegenden der Erde, immer wieder waren sie Spielball der deutsch-russischen Politik und Repressalien ausgesetzt. Mit ihrem neuen Roman „Wolgakinder“ erinnert die russisch-tartarische Autorin und Filmemacherin Gusel Jachina auf literarische Weise an die Historie der Volksgruppe und die Nachfahren der einstigen Einwanderer.    „Gusel Jachina – „Wolgakinder““ weiterlesen

Gøhril Gabrielsen – „Die Einsamkeit der Seevögel“

„Die eigene Verwundbarkeit analysieren, das ist es, was dieser Ort und ich brauchen (…).“

Dunkelheit und Kälte herrschen. Es ist Winter im äußersten Norden Norwegens. Eine Fischerhütte ist für die kommenden Wochen und Monate das Zuhause einer Wissenschaftlerin. Der nächste Ort ist 100 Kilometer entfernt. Sie will forschen, erfahren, wie sich die Klimaveränderungen auf die Populationen der Seevögel auswirken. Doch die Zeit als Einsiedlerin, ausgeliefert der kargen und weiten Landschaft und den Witterungsbedingungen, wird für die junge Frau zu einer intensiven körperlichen wie mentalen Herausforderung, weil auch ihre eigenen Erwartungen an diesen Forschungsaufenthalt anders sind als die Realität und sie überrollt wird von der Vergangenheit. „Gøhril Gabrielsen – „Die Einsamkeit der Seevögel““ weiterlesen