Michail Ossorgin „Eine Straße in Moskau“

„Das Weltengebäude war erschüttert, die Vögel verjagt vom Dröhnen der Waffen!“

Bücher erzählen Geschichten. Doch auch um sie selbst ranken sich spannende, oft auch tragische Geschichten. Sie berichten von ihrem Schöpfer und von seinem Erfolg. Manche sind allerdings auch Beispiele, wie einst Vergessenes wieder in die Öffentlichkeit geholt wird. Es ist für mich immer wieder erstaunlich und spannend, wie Autoren und ihre Werke nach Jahren und Jahrzehnten wieder entdeckt werden. Wohl nur wenige kennen den Namen des russischen Schriftstellers Michail Ossorgin (1878 – 1942). Mit der Veröffentlichung des Romans „Eine Straße in Moskau“ erinnert die Buchreihe „Die Andere Bibliothek“ an den Autor, der in dessen Heimatland vergessen werden sollte.  „Michail Ossorgin „Eine Straße in Moskau““ weiterlesen

Romain Gary „Die Jagd nach dem Blau“

„Im Leben bleiben die Dinge selten heil.“

Sie tragen große Namen: DON QUICHOTE und MONTAIGNE. Manche heißen auch „nur“ WELTFRIEDEN und DICKERCHEN. Über die Grenzen seines Dorfes in der Normandie hinaus ist Ambroise Fleury, ein einfacher Landbriefträger, bekannt für seine selbst gebauten prächtigen Papier-Drachen. Für ihn wird sogar später ein Museum eingerichtet, das von seiner besonderen Leidenschaft erzählt. Über sein Leben berichtet auch sein Neffe Ludo. Im Roman „Die Jagd nach dem Blau“, dem letzten Buch des französischen Schriftstellers Romain Gary (1914 – 1980), ist er Ich-Erzähler und zugleich Held einer berührenden Geschichte über Geradlinigkeit, Hoffnung und eine große Liebe in einer düsteren Zeit. „Romain Gary „Die Jagd nach dem Blau““ weiterlesen

Dagny Juel – „Flügel in Flammen“

„In der Seele großem dunklem Saal (…).“

Dagny Juel – Autorin, Femme fatale, Ehefrau, Mutter zweier Kinder. Viele Rollen hat die 1867 in Kongsvinger geborene Norwegerin in ihrem kurzen, durch einen tragischen Todesfall endenden Leben übernommen. Ihr Wirken und Schaffen als schreibend schöpferische Frau hat indes bis vor kurzem hinter ihrer Bedeutung in der berühmten skandinavisch-slawischen Berliner Boheme im ausgehenden 19. Jahrhundert gestanden. Nun versammelt der Band „Flügel in Flammen“ erstmals ihre gesammelten Werke in deutscher Übertragung und gibt auch dank eines Essays des Filmemachers und Autors Lars Brandt Einblicke in das Leben einer faszinierenden Persönlichkeit.

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Cesare Pavese „Der Mond und die Feuer“

„(…) die Welt hatte mich verändert.“

Nach mehr als 20 Jahren ist die Welt eine andere. Der furchtbare Krieg, in dem unzählige Menschen ihr Leben ließen, hat endlich ein Ende gefunden. Anguilla kehrt in seine Heimat zurück. War er noch ein junger Mann, als er in den 1920er-Jahren sein Dorf im Piemont verlassen und sich gen Amerika eingeschifft hat, ist er nun älter und erfahrener geworden. Seine neuen Erlebnisse mischen sich mit seinen Erinnerungen. Der letzte Roman des  preisgekrönten italienischen Schriftstellers Cesare Pavese ist ein stilles, von einer berührenden Melancholie umgebenes Buch, in dem es jedoch brodelt.

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Maya Angelou „Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt“

„Was immer Schwarze anderen Schwarzen gaben, der Spender hatte es ebenso bitter nötig wie der Empfänger.“ 

Es gibt Bücher, die bleiben im Gedächtnis von Generationen. Ihr jeweiliger Name und ihre Bedeutung werden weiter getragen. Ein gewisser, unbeschreiblicher Glanz umgibt sie. Und trotz ihres Ruhmes gibt es noch immer Leser, die noch nicht der großen Fangemeinde angehören. Ich selbst lernte Maya Angelou und ihr Buch „Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt“ überhaupt erst dank zweier Zufälle kennen. Den Band entdeckte ich beim Stöbern in meiner Lieblingsbuchhandlung. Doch bekanntlich müssen gekaufte Bücher bis zur ihrer Lektüre oftmals ein wenig schmoren; es braucht den günstigen Zeitpunkt, die günstige Stimmung oder eben einen bestimmten Anlass. Der kam recht schnell mit dem Start des virtuellen Lesekreises #54reads, der das Werk der Afroamerikanerin zur Januar-Lektüre bestimmt hatte. „Maya Angelou „Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt““ weiterlesen

Fremde Heimat – Ernst Lothar „Die Rückkehr“

„Die Wahrheit zu sagen ist immer eine Aufgabe.“

Im Vergleich zu Romanen über die Zeit des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkriegs ist die Zahl all jener Bücher über die Nachkriegsjahre spürbar geringer. In den letzten Monaten erschienen mit „Der Reisende“ von Ulrich Alexander Boschwitz (Klett & Cotta) und „Berlin, April 1993“ von Felix Jackson (Weidle Verlag) zwei Titel, die sich nicht nur mit den Anfängen der Nazidiktatur beschäftigen, sondern nunmehr in einer Neuauflage erschienen sind. Eine eindrückliche Wiederentdeckung ist auch der Roman „Die Rückkehr“ des österreichischen Schriftstellers und Juristen Ernst Lothar (1890 – 1974), der darüber erzählt, welche verheerenden und furchtbaren Folgen zwölf Jahre Schreckensherrschaft und sechs Jahre Krieg für Europa und Millionen von Menschen mit sich brachte.     „Fremde Heimat – Ernst Lothar „Die Rückkehr““ weiterlesen