Lars Mytting – „Astrids Vermächtnis“

„Ja, Endzeit.“

Am Ende kehrt er noch einmal zum Anbeginn zurück. Der Kreis schließt sich. Wie bei einem Ring oder einer Schlange, die sich in den Schwanz beißt und die einst in das Holz vieler norwegischen Stabkirchen hineingeformt wurde. Und wenn die Midgardschlange, das furchteinflößende Wesen aus der nordischen Mythologie, ihren Schwanz loslässt, beginnt der Weltenbrand, wie es in den uralten Mythen heißt. Skråpånatta wird das Ende aller Tage im letzten Band der Schwesterglocken-Trilogie genannt, das auch den kleinen Ort Butangen im Gudbrandsdalen nicht verschont.

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Carlos Franz – „Das verschwundene Meer“

„Wenn Tragödien sich wiederholen, tun sie das als Farce.“ 

Ein Kontinent, ein Ozean und mehr als 12.000 Kilometer liegen zwischen Laura Larcos Heimat Chile und ihrem zweitem Zuhause Berlin. Sie war geflohen, obwohl eine vielversprechende Karriere als jüngste Richterin Chiles vor ihr lag. Doch der Militärputsch 1973 machte damals nicht nur ihre Lebenspläne zunichte. Sie wurde Zeugin und Opfer brutaler Gewalt. In Deutschland kehrte sie der Juristerei den Rücken zu, arbeitet an der Philosophischen Fakultät der Freien Universität. Nun, 20 Jahre später, bringt sie der Ruf ihres früheren Mentors zurück in ihre Heimat.

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Edith Anderson – „A Man’s Job“

„Wenn sie uns eins aufs Kinn geben, holen wir aus und schlagen zurück.“

Als nach dem Überfall auf Pearl Harbor die USA im Dezember 1941 in den Zweiten Weltkrieg eintritt, werden Millionen amerikanischer Männer für den Dienst in der Armee einberufen und rekrutiert. Fortan fehlen sie in entscheidenden Bereichen. Ihre Stellen nehmen fortan Frauen ein. Nicht nur in der Rüstungsindustrie, sondern beispielsweise auch bei der Eisenbahn. Über dieses besondere Kapitel amerikanischer Geschichte hat die in New York geborene Journalistin und Autorin Edith Anderson (1915-1999) einen Roman geschrieben, der 1956 erstaunlicherweise in Übersetzung erstmals in der DDR erschien und nun in einer Neuausgabe und -übersetzung wiederentdeckt werden kann.

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Olaf Kanter – „Randmeer“

„Die ständige Veränderung ist die einzige Konstante an dieser Küste.“  

Gebe ich das Wort „Nordsee“ ein, spuckt Google binnen weniger Sekunden eine regelrechte Flut aus etwa 49 Millionen Ergebnissen aus. Allen voran eine große Imbisskette. Dann erscheint Wikipedia, es folgen diverse Tourismus-Seiten sowie Schlagzeilen aktueller Nachrichten. Mittendrin Bilder von Stränden und Strandkörben, Leuchttürmen und Fischerbooten.

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Patrick van Odijk – „Der falsche Vermeer“

„Zeige ihnen, was sie suchen! Dann schauen sie nicht mehr richtig hin.“ 

Für 24,26 Millionen Euro wechselte 2004 das Gemälde „Junge Frau am Virginal“ nach einer Versteigerung des Londoner Auktionshauses Sotheby’s den Besitzer. Es war eine Sensation – nicht nur des Geldes wegen, den ein Telefonanbieter mal so eben aus dem Hut zauberte. Spekuliert wurde damals, ob das auf etwa 1670 datierte Werk des niederländischen Malers Johannes Vermeer (1632-1675) überhaupt echt ist. Nur wenige Gemälde existieren von ihm, die meisten sind bekannt. Und: In der Vergangenheit sorgte ein Landsmann des Alten Meisters für Entsetzen in der Szene.

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Benjamin Koppel – „Annas Lied“

„Wer doch nur sein Schicksal ändern könnte?“

Der Lauf der Welt und an sich jedes Leben birgt die Frage in sich: Was wäre wenn? Wenn es einschneidende und dramatische historische Ereignisse und besondere gesellschaftliche wie familiäre Umstände nicht gegeben hätte, wäre Anna als Pianistin wohl bekannt geworden? Diese Frage stellt sich nach der Lektüre des Romans des dänischen Jazz-Musikers und -Komponisten Benjamin Koppel, der in seinem Buch der Schwester seines Großvaters ein literarisches Denkmal setzt. „Benjamin Koppel – „Annas Lied““ weiterlesen