Zadie Smith – „Betrug“

„Das dichterische Temperament ist wahrlich eine verzwickte Angelegenheit …“

Nichts ist, wie es scheint. Ein bekannter Spruch, der sich nicht nur auf einschlägigen „Zitate“- und Küchenkalenderspruch-Seiten im Netz finden lässt, sondern auch als Titel in der Buch- und Filmwelt. In dem neuen Roman „Betrug“ von Zadie Smith geht es genau darum – um das bekannte mehr Schein als Sein. Dabei ist in dem ersten historischen Roman der mehrfach preisgekrönten britischen Schriftstellerin die Gegenwart stets allgegenwärtig. „Zadie Smith – „Betrug““ weiterlesen

Ilona Jerger – „Lorenz“

„Jedes Lebewesen ist nur ein Durchgangsstadium zum nächsten.“

Welche Ereignisse, welche Begegnungen entscheiden über den Lebensweg eines Menschen? Im Fall des berühmten Verhaltensforschers und Nobelpreisträgers Konrad Lorenz (1903-1989) ist es Martina, eine Graugans. 1935 in Altenberg bei Wien aus dem Ei geschlüpft,  wird sie ihren „Vater“ nahezu überallhin folgen. An ihr erkennt Lorenz den Verhaltensmechanismus der Prägung. Weitere bahnbrechende Entdeckungen und Gedanken begleiten seine spätere Laufbahn. Über sein Leben und Schaffen hat Ilona Jerger einen faszinierenden weil lebendigen wie lehrreichen Roman geschrieben, der Zeitgeschichte mit dem Heute verbindet und vor allem nicht die dunklen Flecken in Lorenz‘ Biografie auslässt.

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Mark Aldanow – „Der Anfang vom Ende“

„Wieder schien es ihm, als würde die ganze Zivilisation ihrem Ende entgegengehen.“

Ein Offizier, ein Agent und ein Botschafter nebst seiner Entourage aus Ehefrau und Sekretärin sitzen in einem Zug von Russland in den Westen. Es sind die 30er-Jahre. Während in ihrer Heimat die „Stalinischen Säuberungen“ einsetzen, hat in Deutschland Hitler die Macht übernommen. Aus drei Vertretern des russischen Machtapparats wird in Paris, dem Ziel der Reise, eine Gruppe mehr oder weniger Heimatloser, deren Lebenswege sich nunmehr regelmäßig kreuzen. Nichtsahnend, dass ihre sicher geglaubte Welt vor dem Ende steht.

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Sibylle Grimbert – „Der Letzte seiner Art“

„Und so bewunderten sie gemeinsam die enorme Fülle an Leben auf dieser Erde.“

Ihn gibt es nicht mehr. Ausgelöscht von des Menschen Hand ist er nur noch auf Bildern oder ausgestopft in naturkundlichen Museen zu betrachten. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Riesenalk das letzte Mal gesehen. Eine Bronzeskulptur des Künstlers Todd Mc Grain an der isländischen Küste mit Blick auf die Vogelinsel Eldey erinnert heute an den ausgestorbenen Vogel, der einem Pinguin ähnelte. Auf jenem kargen Eiland beginnt auch Sibylle Grimberts hochemotionaler historischer Roman, der von einer besonderen Freundschaft erzählt und uns zugleich vor Augen hält, wie wir mit der Natur umgehen – im Guten wie im Schlechten.  „Sibylle Grimbert – „Der Letzte seiner Art““ weiterlesen

Roy Jacobsen – „Die Unwürdigen“

„Haste dir nie überlegt, dass wir vielleicht von gar nix ’nen Scheiß kapieren.“

Krieg herrscht. Die deutsche Wehrmacht hält mehrere Länder besetzt – so auch Norwegen seit dem Überfall am 9. April 1940. Verrat, Stiefelgetrampel, Not und Armut gehören zum Alltag. Carl, Olav und Roar wachsen gemeinsam im selben Viertel Oslos auf. Damit ihre Familien über die Runden kommen, überschreiten sie moralische Grenzen: Sie stehlen, brechen in Häuser und Firmen ein, arbeiten für die Deutschen. Der norwegische Schriftsteller Roy Jacobsen wendet sich in seinem neuesten Roman „Die Unwürdigen“ einer nahezu vergessenen Generation zu – den Kindern und Jugendlichen, die allzu schnell erwachsen werden mussten.

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Drago Jančar – „Als die Welt entstand“

„Ach, die Kindheit. Das Entsetzliche sehen, um das Schöne zu erkennen. Die Angst, um dem Mut zu begegnen.“ 

Maribor. Die 50er-Jahre neigen sich dem Ende entgegen. Der Krieg ist mittlerweile längst Geschichte. Seine Spuren sind jedoch noch immer zu sehen – und zu spüren, während ein neues politisches System am Entstehen ist. Mittendrin: Danijel, der junge Held im neuen Roman des slowenischen Schriftstellers Drago Jančar, mit dem er ein eindrückliches Porträt eines Jungen, seiner Familie sowie einer Stadt und eines Landes im Umbruch in einer besonderen Zeit geschrieben hat.

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