Nur Neulinge – Ein Blick in die Herbstvorschauen

Zugegeben: Den zweimal jährlich erscheinenden Vorschauen blicke ich mittlerweile mit Vorfreude, aber auch mit einigem Grausen entgegen. Klar, neuen Bücher haftet etwas Faszinierendes an, zugleich wird die Wunsch-Leseliste gefühlt um einiges länger, und die Titel der letzten Monate sind alles andere als „abgearbeitet“. Ich habe mich in den vergangenen Tagen mit den Programmen der Verlage trotzdem etwas näher beschäftigt. Doch während ich mich in den Vorausblicken der Vergangenheit sowohl mir bereits vertraute als auch mir noch unbekannte Autoren und ihre Werke aufgezählt habe, konzentriere ich mich diesmal nur auf die „Neulinge“, auf die ich mich besonders freue. Nur Neulinge – Ein Blick in die Herbstvorschauen weiterlesen

Mordwaffe Buch – Patrick McGinley „Bogmail“

„So vieles im Leben war eine Frage der Täuschung.“

Man nehme ein gewichtiges Lexikon, möglichst im umfänglichen Backstein-Format, etwas Wut im Bauch und eine Person, die man nicht nur gedanklich ins Jenseits befördern möchte. Und schon ist der Mord geschehen. Der Pub-Besitzer Roarty tötet seinen Mitarbeiter Eamonn Eales, den er aus vollstem Herzen hasst, weil er sich an dessen Tochter herangegraben hat, mit einem gezielten Schlag auf den Kopf. Die Mordwaffe: der 25. Band der Encyclopædia Britannica. An dieser Stelle könnte der Krimi ein Ende finden. Schließlich ist der Täter, der die Leiche ohne Skrupel später des Nachts im Moor versenkt, bekannt. Doch „Bogmail“ des irischen Schriftstellers Patrick McGinley, der sein Buch mit „Roman mit Mörder“ untertitelt, ist einfach anders. Mordwaffe Buch – Patrick McGinley „Bogmail“ weiterlesen

Verräter – Gard Sveen „Der letzte Pilger“

„Zufälle sind nicht anderes als Schicksal. und das Schicksal ist nicht mehr als eine Aneinanderreihung von Zufällen.“ 

Er galt als Kriegsheld, war erfolgreicher Immobilienhändler, einst sogar Handelsminister seines Landes. An einem Junitag wird Carl Oscar Krogh ermordet aufgefunden, seine mit unzähligen Messerstichen versehene Leiche lässt sogar eingefleischte Kriminalisten das Blut in den Adern gefrieren. Selbst Kommissar Tommy Bergmann sucht vorsorglich die Toilette des Hauses auf. Wer trachtete dem einstigen heroischen Widerstandskämpfer nach dem Leben? Bergmann stößt bei seinen Ermittlungen nicht nur auf Rätsel der Vergangenheit. Er ist sich auch sicher, dass der Fund dreier Skelette, die wenige Tage zuvor in der Nordmarka entdeckt worden waren, mit diesem Mord zu tun haben. Verräter – Gard Sveen „Der letzte Pilger“ weiterlesen

Blätterrascheln – Blick in die Herbstvorschauen

Ich muss gestehen: Meine Leseliste, erstellt nach einem Blick in die Frühjahrsvorschauen, habe ich nur ankratzen können. Viele Titel warten noch auf ihre Lektüre, und schon geben die Verlage die Programme für den kommenden Herbst und Winter heraus. Ergo: Die Wunschliste wird immer länger. Hier sind einige Titel, die mich neugierig machen oder deren Verfasser ich kenne und sehr schätze.  Blätterrascheln – Blick in die Herbstvorschauen weiterlesen

Geschärfte Sinne – Andreas Pflüger „Endgültig“

„Jeder hat sein Leben, hält es fest, nimmt es für selbstverständlich. Die Wenigsten wissen, dass es das nicht ist.“

Als ein Einsatz verheerend endet, ahnt sie nicht, dass dies erst der Beginn eines Kampfes auf Leben und Tod ist. Der Fall rund um ein gestohlenes Gemälde von Marc Chagall führt Jenny Aaron und Niko Kvist, zwei verdeckte Ermittler einer deutschen Polizei-Eliteeinheit, nach Barcelona. Während der vereinbarten Übergabe werden beide lebensbedrohlich verletzt. Seitdem hat Aaron ihr Augenlicht verloren. Trotzdem bleibt sie der Polizei als Vernehmungsspezialistin erhalten und gerät fünf Jahre nach dem Fiasko in der katalanischen Metropole erneut in einen gefährlichen Strudel der Gewalt.  Geschärfte Sinne – Andreas Pflüger „Endgültig“ weiterlesen

Damen mit Zepter – Lluís Llach „Die Frauen von La Principal“

Was auf den ersten Blick wie ein Unglück erscheint, verkehrt sich ins Gegenteil. Es ist eine Überraschung, wenn nicht gar eine kleine Revolution, als der katalanische Gutsbesitzer Andreu Roderich von seinen insgesamt fünf Kindern der einzigen Tochter im Bunde das Weingut La Principal zuspricht. Es ist die Zeit, als die Reblaus grassiert und ganze Weinregionen auf einen Schlag vernichtet werden. Auch die La Principal  bleibt nicht verschont. Doch in jener Zeit, als die Gleichberechtigung noch weit entfernt und die Gemeinschaft patriarchalisch geprägt war, bildet die Entscheidung des Gutsherrn den Auftakt einer lange Epoche, in der Frauen das Zepter halten. Damen mit Zepter – Lluís Llach „Die Frauen von La Principal“ weiterlesen

Frühlingserwachen – Ein Blick in die Verlagsvorschauen

Das Leben besteht bekanntlich aus Entscheidungen. Manchmal muss eine von zwei Möglichkeiten gewählt werden. Schwieriger wird es, wenn mehrere bestehen. Ob in Lebensphasen oder konkreten Situationen. Bücherfans stehen immer wieder vor der Frage, welches Buch lese ich als nächstes, welche Bücher kaufe ich – angestachelt von Rezensionen in den Medien, Lesetipps von Freunden, Bücherbergen in den Buchhandlungen. Vor allem zweimal im Jahr scheint das Meer aus Möglichkeiten sich zu einem Ozean auszudehnen, in denen Bibliophile jedoch mit Begeisterung hineinspringen. Im Frühjahr und Herbst ist Hochkonjunktur  für Neuerscheinungen, die mit Verlagsvorschauen angekündigt werden. Frühlingserwachen – Ein Blick in die Verlagsvorschauen weiterlesen

Tod im Park – Friedrich Ani „Der namenlose Tag“

„Manche Menschen wollen nicht erkannt werden; wir sitzen ihnen gegenüber und glauben, sie zu kennen, aber wir sehen nur das, was sie anhaben, und hören nur das, was sie sagen, wir haben keine Ahnung, wie sie nackt aussehen oder ob sie weinen, wenn sie allein sind. Wir lassen uns nur allzu gern täuschen; vielleicht, weil wir sonst nicht weiterleben könnten vor lauter Hilflosigkeit.“

Die Vergangenheit holt Jakob Franck ein. Zwei Monate, nachdem der Kommissar in den Ruhestand gegangen ist, erhält er einen Anruf von Ludwig Winther. Seine Tochter wurde vor 20 Jahren an einem 14. Februar erhängt an einem Baum im Park gefunden. Damals hatte Franck die Todesbotschaft der Mutter überbracht. Die Polizei ging in ihren Ermittlungen von Suizid aus. Der Vater glaubt an Mord. Franck beginnt, den Fall neu aufzurollen und stößt in die Abgründe der menschlichen Seele vor.  Tod im Park – Friedrich Ani „Der namenlose Tag“ weiterlesen

Unter Lämmern ein Wolf – Cecilia Ekbäck "Schwarzer Winter"

„Die Menschen konnten es sich kaum vorstellen, aber Grau war manchmal die brutalste Farbe von allen. Unter einem grauen Deckmantel konnten Dinge viel zu gut unbemerkt heranwachsen.“

Lappland ist ein weites Land. Es gibt wenige Menschen, die die Natur vertreiben können. Maija kommt mit ihrem Mann Paavo und den beiden Töchtern Frederika und Dorotea nach Lappland. Die finnische Heimat und das Meer haben sie zurückgelassen. Auf einem ihnen überlassenen Hof soll der Neubeginn in der Fremde geschehen. In der Nähe leben nur wenige Menschen, darunter auch Vertreter des Volkes der Lappen. Eine einzigartige Landschaft mit dem Berg Blackåsen, Wälder, Seen und dem Moor umgibt die Siedlung. Doch diese Idylle trügt. Unter Lämmern ein Wolf – Cecilia Ekbäck "Schwarzer Winter" weiterlesen

Beschützerinstinkt – Derek B. Miller "Ein seltsamer Ort zum Sterben"

„Seine Erinnerungen wurden mit dem Alter einfach immer lebendiger. Die Zeit verstrich auf eine neue Art. Wenn man keine Zukunft mehr hat, besinnt sich der Geist auf sich selbst. Das war keine Demenz. Es war die einzige rationale Antwort auf das Unvermeidliche.“ 

Das Leben liegt nahezu hinter ihm. Doch noch einmal wagt das Schicksal Sheldon heraus – mit einem gewaltigen Satz auf die andere Hälfte der Weltkugel geht es für ihn von New York nach Norwegen, wo seine Enkelin Rhea, verheiratet mit einem Norweger, mittlerweile lebt. Sheldons Frau ist zuvor gestorben, ihr gemeinsamer Sohn schon längst tot. Im Vietnam-Krieg hat er als Soldat sein Leben gelassen, angetrieben von den Ermunterungen seines Vaters. Jetzt könnte der kauzige Amerikaner seinen Ruhestand in einem der reichsten Länder der Welt verbringen, Norwegisch lernen, frischen Fisch genießen. Beschützerinstinkt – Derek B. Miller "Ein seltsamer Ort zum Sterben" weiterlesen

Der Polizistenmörder – Jo Nesbø "Koma"

24 Stunden täglich wird er von der Polizei strengstens bewacht. Der Unbekannte im Osloer Reichshospital. Seine Identität soll ein Geheimnis bleiben. Einige wünschen, er würde nicht mehr aus dem Koma aufwachen und einfach ins Jenseits hinübergehen. Ein Polizist, der den Patienten bewacht, wird später selbst sterben: Von Anton Mittet wird nicht viel übrigbleiben, nachdem er in seinem Auto einen Abhang hinabstürzt, wo bereits vor einigen Jahren schon einmal ein Mord stattgefunden hatte, der bis heute ungeklärt ist. Der Polizistenmörder – Jo Nesbø "Koma" weiterlesen

Tierische Tatwaffen – "Ruhe sanft in Sachsen-Anhalt. Kurzkrimis aus dem Land der Frühaufsteher"

Sie muss weg aus Balgstedt (Balgstädt). Was hilft es, wenn die Unstrut sacht plätschert, der Wein und das Land lieblich sind, nur Peter ein Schwein ist. Ein außergewöhnlicher Plan muss her. Die junge Frau aus dem Osten, frisch aus dem Katalog bestellt, von Maminka dann verabschiedet, von ihrem deutschen Mann schließlich versohlt, sinnt auf Rache. Die Katze, liebevoll Ljonuschka genannt, soll die Tatwaffe sein. Und diese ist nicht die einzige tierische Hauptfigur in dem jüngst erschienenen Band „Ruhe sanft in Sachsen-Anhalt. Kurzkrimis aus dem Land der Frühaufsteher“, der, im Verlag KBV veröffentlicht, pünktlich und druckfrisch zur Leipziger Buchmesse in die Regale kam. Tierische Tatwaffen – "Ruhe sanft in Sachsen-Anhalt. Kurzkrimis aus dem Land der Frühaufsteher" weiterlesen

Stadt der Geheimnisse – Hjorth & Rosenfeldt "Der Mann, der kein Mörder war"

Der 16-jährige Roger wird vermisst gemeldet. Erst Tage später nimmt die Polizei in Västerås ihre Ermittlungen auf. Schließlich ist Wochenende, und wer sagt, dass der Junge eigentlich sich nicht irgendwo in Stockholm eine schöne Zeit macht, denkt sich der zuständige Beamte Haraldsson und liegt gründlich falsch. Ein Irrglaube, der ihn lange verfolgen wird. Denn wenig später wird die Leiche des Jungen in einem Waldstück gefunden, übersät mit über 20 Messerstichen und herausgerissenem Herzen. Die Reichsmordkommission rund um ihren Chef Torkel rückt an und trifft zu Beginn gleich auf einen Bekannten: Sebastian Bergmann. Stadt der Geheimnisse – Hjorth & Rosenfeldt "Der Mann, der kein Mörder war" weiterlesen

Gauguin im Schuppen – Jean-Luc Bannalec "Bretonische Verhätnisse"

Die Idylle in Pont Aven bekommt Risse. Der bekannte und geschätzte Hotelier Pierre-Louis Pennec liegt erstochen im Restaurant seines Hotels. Kommissar Dupin nimmt die Ermittlungen auf. Doch irgendwie will es nicht wirklich vorwärts gehen – trotz zahlreicher Gespräche mit der Familie, den Angestellten und Freunden des Ermordeten, trotz einer intensiven Spurenanalyse. Und wer sollte eigentlich den 91-Jährigen töten, wenn er sowieso schon schwer herzkrank ist und nur noch eine kurze Lebenszeit zu erwarten hat? Und was hat es mit einer Änderung seines Testaments zu tun?  Dupin steht vor einem Rätsel und der Druck ist groß, den Mörder zu überführen und die Tat aufzuklären. Gauguin im Schuppen – Jean-Luc Bannalec "Bretonische Verhätnisse" weiterlesen

Das Böse – Ferdinand von Schirach "Schuld"

„Es waren ganz normale Männer, und niemand hätte geglaubt, dass so etwas passiert“, heißt es in der ersten Geschichte, in einem ihrer ersten Absätze. Man ahnt leise, das Böse findet seinen Weg in sonst harmonische Zeiten. Es schreckt vor nichts zurück und versteckt sich hinter der Maske der Harmlosigkeit und nutzt den Moment der Überraschung.

Ferdinand von Schirach, einer der bekanntesten Strafverteidiger in Deutschland und mit seinem Erstling „Verbrechen“ von der Literaturkritik gefeiert, legt mit diesem zweiten Band nach. Und der Zwillingsbruder des ersten Buches steht diesem in nichts nach. Wieder erzählt von Schirach von seinen Fällen und Klienten, denen er in seiner nunmehr 18-jährigen Laufbahn als Jurist begegnet ist. Und wieder erfasst jede dieser Stories den Leser hoch emotional. Das Böse – Ferdinand von Schirach "Schuld" weiterlesen

Tod an der Mole – Johan Theorin "Nebelsturm"

Öland sollte ihr neues Zuhause werden. Joakim und Katrine, zwei Lehrer aus Stockholm, ziehen mit ihren kleinen Kindern Livia und Gabriel auf den einst prachtvollen Bauernhof Åludden. Sie wollen die Hektik der Großstadt hinter sich lassen und das Gut auf Vordermann bringen, Zimmer und Gebäude liebevoll restaurieren. Was sie allerdings nicht wissen: Um diesen abseits gelegenen Bauernhof ranken sich zahlreiche Mythen. Selbst dessen Entstehung ist sagenumwoben, sollen die Häuser doch aus dem Holz errichtet worden sein, das von einem Schiffswrack stammte. An der Wand einer Scheune finden sich zudem Namen von Toten, die einst auf Åludden gelebt hatten und auf meist schreckliche Weise ums Leben gekommen waren. Tod an der Mole – Johan Theorin "Nebelsturm" weiterlesen

Der Schwarze Tod in Paris – Fred Vargas "Fliehe weit und schnell"

An den Türen von Pariser Wohnungen taucht eines Tages und über Nacht ein merkwürdiges Symbol auf: eine spiegelverkehrte Vier mit merkwürdiger Gestalt. Zur gleichen Zeit erhält Joss merkwürdige Botschaften. Der Bretone und frühere Schiffskapitän verdient seine Brötchen mit dem Ausrufen von Botschaften, die am Tag und in der Nacht in seine Holzkiste geworfen werden. Ob Werbung für frisches Obst und Gemüse, ein Liebesschwur oder ein Fluch auf eine missliebige Person. Schon sein Großvater hat diese Tätigkeit ausgeübt, und Joss hat mehrere Jahrzehnte später und trotz moderner Medien Erfolg. Scharenweise strömen die Zuhörer auf einen Platz in einem Pariser Vorort. Und sie werden mehr, als die bedrohlichen Botschaften kein Ende nehmen.

Kommissar Adamsberg wird schließlich mit dem rätselhaften Geschehen konfrontiert. Und er spürt, dass sich hinter den Zeichen Bedrohliches verbirgt. Mit Hilfe eines Historikers und Experten für die Zeit des Mittelalters lüftet er das Geheimnis: die Vier ist ein Talisman gegen die Pest, die Botschaften, Zitate aus historischen Schriften, kündigen hingegen das Nahen des Schwarzen Todes an. Wenig später wird die erste Leiche gefunden: ein junger Mann, der stranguliert und mit Kohle eingerieben und von Rattenflöhen gebissen wurde. Und es soll nicht der einzige Tote bleiben. Die Zeit spielt gegen Adamsberg und sein Team, denn der Mörder treibt schließlich sein Unwesen außerhalb der Hauptstadt.

Der Roman „Fliehe weit und schnell“ der französischen Krimiautorin Fred Vargas, Jahrgang 1957, findet natürlich ein positives Ende. Nach einer Reihe von Morden kann man schließlich nicht von einem guten Ende sprechen. Der Täter wird geschnappt, aber bis dahin erlebt der Leser eine wunderbare Zeit mit diesem bemerkenswerten Krimi. Wer Vargas kennt, weiß, wovon ich spreche, entwirft die Autorin und gebürtige Pariserin wieder eine Story, die sich um einen mystischen Stoff und viel Geschichte dreht, und Figuren, die sehr eigen mit all ihren Fehlern, Kanten und Macken sind, wie den Kommissar, der ein schlechtes Namensgedächtnis hat, allerdings mit seinem siebten Sinn sofort die Bedrohlichkeit der Situation noch vor dem ersten Mord erkennt. Da ist Vandoosler, der Mittelalter-Experte, der unheimlich klug ist, aber Putzen muss, um sein Geld zu verdienen, oder Decambrais, der Besitzer einer Pension und Berater in allen Lebensfragen, der ein Geheimnis mit sich trägt.

Vargas erfindet so einen ganzen Kosmos merkwürdiger Gestalten, mit ihrem auf den ersten Blick sonderbaren Lebensalltag und ihrer Vergangenheit, die im Dunkeln liegt. So erscheint die Geschichte lebendig und düster zugleich, auf alle Fälle kreativ und charmant, vor allem auch dank der Idee mit der Gestalt des Ausrufers und die ebenfalls mit Spannung zu lesende Einbettung der Historie der Pest im Mittelalter und der Neuzeit. Und an Spannung fehlt es dem Roman ebenfalls nicht. Erst auf den letzten Seiten wird der überraschende Mörder enttarnt; hinter dessen Treiben eine düstere Vergangenheit und ein ebenfalls scheußliches Verbrechen steckt.Vargas baut den Spannungsfaden sukzessive auf, ohne jedoch allzu sehr den Leser auf die falsche Fährte zu bringen. Schnell wird so ein Verdächtiger von seiner Schuld wieder frei gesprochen.

Wer die Bücher der französischen Autorin mag, wird erneut nicht enttäuscht werden, wer als Krimi-Fan sie noch nicht kennt – na aber, für den wird es langsam Zeit. Mit ihr kann man so manch anderen Schriftsteller ruhig vergessen.

Der Roman  „Fliehe weit und schnell“ von Fred Vargas erschien in der Übersetzung von Tobias Scheffel 2003 im Aufbau Verlag, 2006 auch als Taschenbuch.
399 Seiten, 8,95 Euro