Jón Kalman Stefánsson – „Ástas Geschichte“

„Und das Leben kann ein so schrecklich kurzer Atemzug sein.“

Was ist ein Leben anderes als ein Wollknäuel aus Fäden verschiedener Farben, die sowohl für die eigenen Erlebnisse, Gedanken und Erinnerungen als auch für die Gedanken und Erinnerungen anderer, die uns all die Jahre über begleiten, stehen. An ein solches Wollknäuel erinnert der neue Roman des Isländers Jón Kalman Stefánsson, denn in „Ástas Geschichte“ findet sich ein Chor aus Stimmen, die zusammengefügt ein eindrückliches Bild einer besonderen Frau erschaffen.

„Jón Kalman Stefánsson – „Ástas Geschichte““ weiterlesen

Jan Kjærstad – „Berge“

„Norwegen braucht Glückskekse, wenn das Erdölzeitalter dem Ende zugeht.“

Für dieses Buch schrumpft mein Vorrat an bunten Post-its erheblich. Zahlreiche gelbe und rote Fähnchen zieren nunmehr diesen Band mit dem dunklen Umschlag. Die Farben sollen bitte nicht politisch verstanden werden. Obwohl der neue Roman mit dem kurzen Titel „Berge“ des norwegischen Schriftstellers Jan Kjærstad vor allem ein politischer ist und mit dem er nach zuletzt „Das Norman-Areal“ wieder eindrucksvoll seine Klasse beweist.

„Jan Kjærstad – „Berge““ weiterlesen

Erik Fosnes Hansen – „Ein Hummerleben“

„Hier sitzt ihr, als ob nichts passiert wäre. Aber es ist etwas passiert. Jawohl!“

Bekanntlich begleitet Hitze das Lebensende zahlloser Hummer. Aus dem Wasser des unendlichen Meeres gefischt, führt ihr Weg unweigerlich in einen Kochtopf, um später für den Hochgenuss von Feinschmeckern zu sorgen.  Das Krustentier spielt eine wesentliche Rolle im neuen Roman des norwegischen Schriftstellers Erik Fosnes Hansen und findet sich deshalb auch im Titel des Buches wieder. 29 Jahre nach seinem vielbeachteten Bestseller „Choral am Ende der Reise“ und dem darin erzählten Untergang der Titanic widmet sich Hansen erneut dem Thema Vergänglichkeit und Endlichkeit – am Beispiel eines mondänen Berghotels, das schon bessere Tage erlebt hat. „Erik Fosnes Hansen – „Ein Hummerleben““ weiterlesen

Norwegen, Frankfurt og Signe – ein etwas anderer Blick auf die Buchmesse

Wenn ich über Norwegen und die diesjährige Frankfurter Buchmesse schreibe, komme ich nicht herum, über die Fotos zu erzählen, die in meiner Wohnung an einer Wand hängen und vor denen ich oft stehe, um die Gesichter der Personen zu betrachten. Es sind Bilder in unterschiedlicher Größe und mit verschiedenen Rahmen, aber stets in Schwarz-Weiß. Einige zeigen Signe. Eine Frau, über die ich mehr und mehr nachdenke, deren Leben ein Teil von mir geworden ist, wie auch ihr Heimatland ein Teil von mir ist. „Norwegen, Frankfurt og Signe – ein etwas anderer Blick auf die Buchmesse“ weiterlesen

Johan Harstad „Max, Mischa & die Tet-Offensive“

„Und wer waren wir geworden? Erinnerten wir uns überhaupt noch an uns selbst? Und wenn ja, wie lange noch?“ 

Schon als ich die norwegische Originalausgabe während einer der früheren Frankfurter Buchmessen in der Hand gehalten habe, war da dieses Gefühl, ein besonderes Buch vor sich zu haben. Dieser Name, dieses Gewicht, dieser Umfang… Sechs Jahre hat der Norweger Johan Harstad an seinem bereits 2015 in seinem Heimatland erschienenen Roman mit dem ungewöhnlichen Titel „Max, Mischa & die Tet-Offensive“ geschrieben. „Johan Harstad „Max, Mischa & die Tet-Offensive““ weiterlesen

Simon Stranger – „Vergesst unsere Namen nicht“

„M wie das Monster, das in jedem von uns ruht.“ 

Ihre Spur zieht sich durch ganz Europa. Es gibt wohl keine größere Stadt, in der sie nicht zu finden sind. Die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig sind Kunstwerk und Mahnmal zugleich. Sie erinnern in nunmehr bereits 24 Ländern an Menschen, die während des Nationalsozialismus verhaftet, deportiert und ermordet oder in den Freitod getrieben worden sind. Auch in der norwegischen Stadt Trondheim gibt es jene Messingtafeln mit den Lebensdaten der Opfer. In eine ist der Name Hirsch Komissar eingraviert. Die Geschichte des jüdischen Ingenieurs, der seine Ausbildung im sächsischen Mittweida absolviert und später als Geschäftsmann und Inhaber eines Modegeschäfts gewirkt hat, ist Teil der Familienhistorie des norwegischen Autors Simon Stranger, der darüber einen preisgekrönten Roman geschrieben hat.

„Simon Stranger – „Vergesst unsere Namen nicht““ weiterlesen