Im Duett #5: Colson Whitehead „Harlem Shuffle“ & „Die Regeln des Spiels“

„Die Stadt war eine einzige wimmelnde, armselige Mietskaserne, und die Wand zwischen einem selbst und allen anderen war so dünn, dass man sie mühelos durchstoßen konnte.“ 

Er verkauft Möbel und gebrauchte Elektrogeräte. Auch Haushaltsauflösungen spülen etwas Geld in die Kasse. Woher die Ware kommt, ist Raymond „Ray“ Carney egal. Trotz eines eigenen Ladens und Nebengeschäften ist der Möbelhändler fast pleite. Als sein Cousin Freddie ihn zu einem krummen Ding überredet, betritt Ray die gefährliche Welt der glücklosen Kleinkriminellen, der korrupten Cops und skrupellosen Bandenchefs, die er so schnell nicht verlassen will – und kann. Mit „Harlem Shuffle“ (2021) und dem Nachfolgeroman „Die Regeln des Spiels“ (2023) erzählt Colson Whitehead vom Harlem der 60er- und 70er-Jahre und den Gesetzen der Unterwelt, die dort kaum einer entrinnen kann.

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Der kleine Prinz und ein Haus in Markleeberg – 100 Jahre Karl Rauch Verlag

„Geradeaus kann man nicht sehr weit gehen…”

Sonnabendvormittag in Markleeberg-Ost. Der Herbsthimmel über der Stadt südlich von Leipzig ist blau-weiß, die Bäume haben ihr buntes Laubgewand angelegt. In der Bornaischen Straße rauscht der Verkehr vorbei. Autofahrer und Radler huschen an dem Haus mit der Nummer 35 vorbei, ohne vielleicht zu ahnen, welche Geschichte es zu erzählen weiß. Achtsame Fußgänger nehmen womöglich nicht nur die markante Fassade des Gebäudes in Augenschein, sondern entdecken auch ein kleines Schild an dem hohen Metallzaun mit der Überschrift „Hier wurde Geschichte geschrieben“. Darauf das Cover der deutschen Originalausgabe „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry (1900-1944). „Der kleine Prinz und ein Haus in Markleeberg – 100 Jahre Karl Rauch Verlag“ weiterlesen

Susan Glaspell – „Die Rose im Sand“

„Wenn man gegen etwas kämpft, das größer ist als man selbst, erkennt man bloß, wie klein man ist.“

Während in Übersee die Kurzgeschichte als literarisches Genre beliebt und angesehen ist, hat es die kleine Schwester des Romans hierzulande sichtlich schwer beim Lesepublikum. Doch nach und nach scheint sie allmählich mehr und mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. Oft auch in Verbindung mit Wiederentdeckungen, die in den vergangenen Jahren über den großen Ozean nach Europa geschwappt sind. Susan Glaspell (1876-1948) zählt zu den einst berühmten Autorinnen der USA. 1931 erhielt sie für ihr Stück „Allison’s House“ den renommierten Pulitzer-Preis verliehen.  „Susan Glaspell – „Die Rose im Sand““ weiterlesen

Stefan Moster – „Bin das noch ich“

„Menschen, die Musik machen, brauchen nicht viel, um zufrieden zu sein.“

Eine der wohl meist gestellten Frage ist jene, was man auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Simon Abrameit packt seine Geige ein – mit der leisen Hoffnung, sie bald wieder spielen zu können. Der Berufsmusiker leidet unter einer Krankheit, die während eines Konzerts zu einem Zusammenbruch infolge einer Schmerzattacke in der Hand führt. Mit Hilfe einer Kollegin zieht er sich auf eine finnische Schäreninsel zurück. Stefan Moster erzählt in seinem neuesten Roman „Bin das noch ich“ von einem magischen verlassenen Ort, der einem angeschlagenen Mann eine Art Rettung verspricht.    „Stefan Moster – „Bin das noch ich““ weiterlesen

Dana Vowinckel – „Gewässer im Ziplock“

„Würde es immer so weitergehen, dass eigentlich jede Erinnerung wie ein Film aus einem anderen Leben war, das sie niemals jemandem komplett offenbaren könnte?“

Literatur gewinnt ihren Stellenwert noch immer durch ihren Bezug zur Realität und in der Auseinandersetzung mit ihr. Wenn die Realität allerdings erschreckende Züge annimmt, sie sich in eine unvorhergesehene dramatische Richtung entwickelt, kann aus der Lektüre eine verstörende Erfahrung werden. Ende August erschien der Debütroman „Gewässer im Ziplock“ der Berliner Autorin Dana Vowinckel. Am 7. Oktober griff die palästinensische Terrororganisation Hamas Israel an. Und ich bin mittendrin in diesem Buch, das von einer jüdischen Familie, vom jüdischen Urschmerz infolge des jahrhundertelangen wie aktuellen Antisemitismus und des Grauens der Shoa sowie vom schwelenden Konflikt im Nahen Osten erzählt. „Dana Vowinckel – „Gewässer im Ziplock““ weiterlesen

Carl Nixon – „Kerbholz“

„Zum Ende hin verlangsamt sich alles.“

Ihr Neuanfang sollte in eine furchtbare Tragödie führen. Wenige Tage nach der Ankunft in Neuseeland, wo John Chamberlain einen neuen Job beginnen soll, verunglückt die sechsköpfige Familie aus Großbritannien. An der dünn besiedelten Westküste stürzt sie Anfang April 1978 mit dem Auto den Abhang hinunter in die Tiefe. Nur die drei älteren Kinder auf der Rückbank überleben das Unglück. Doch ihre Rettung wird zu einem jahrelangen Martyrium. Mit „Kerbholz“ erzählt der neuseeländische Schriftsteller Carl Nixon eine düstere Coming-of-Age-Geschichte inmitten einer ganz speziellen Kulisse. „Carl Nixon – „Kerbholz““ weiterlesen