Eine Qual ist diese Wahl nicht. Eher schleicht sich ein Gefühl der Betrübtheit ein, nachdem ich mich entschieden hab, wen ich im Blogbuster, den Preis der Literaturblogger, in die nächste Runde entsende. Nach der Premiere 2017 nahm ich nun zum zweiten Mal als Bloggerin an dem Wettbewerb teil. Von fünf der insgesamt sieben Kandidaten, die an meine Blog-Tür geklopft haben, ließ ich mir das jeweilige Manuskript zusenden. Eines las ich mit Spannung sogar zweimal, gleich im Anschluss widmete ich mich einem zweiten Text komplett, der mich nicht minder fasziniert. Beide sind thematisch sehr verschieden. Doch beiden würde ich viele Leser wünschen. Also, was nun? Für den alles entscheidenden Entschluss ließ ich mir einige Tage Zeit, entschied jedoch, dass ich beide Verfasser in meinem Text würdige. „Meine Blogbuster-Kandidatin oder Von zwei, die es verdient hätten“ weiterlesen
Frédéric Brun – „Perla“
„Mein Schmerz lässt mich verstehen, dass der eigentliche Lebensweg ins Innere führt und Perla in mir ist.“
Am 31. Juli 1944 setzt sich von Frankreich aus der Konvoi 77 mit rund 1.300 Personen, darunter mehrere Hundert Kinder, in Bewegung. Das Ziel: das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Unter ihnen: Perla, eine junge, lebenslustige und attraktive Frau. Sieben Monate lang durchleidet sie die unerbittliche Gewalt, Qualen, Hunger. Sie sieht andere sterben, riecht den Geruch der Verbrennungsöfen, hört die Schreie und das Stöhnen. Perla überlebt und kehrt nach Frankreich zurück, ihre Erlebnisse brennen sich als Schmerz in ihr Innerstes ein. Gepaart mit einer unauslöschlichen Angst verursacht dieser starke Depressionen. Frédéric Brun hat ein Buch über seine Mutter geschrieben, ein nur schmaler, indes preisgekrönter Band, der Worte für das Unfassbare findet und den Leser tief berührt und prägt. „Frédéric Brun – „Perla““ weiterlesen
Roy Jacobsen – „Die Unsichtbaren“
„Der Gegensatz zwischen Meer und Land war immer schon da, in Gestalt einer Unruhe oder einer Sehnsucht.“
Barrøy – eine kleine Insel, die auf keiner realen Karte Norwegens eingezeichnet, sondern „nur“ auf einer literarischen Karte des nordischen Landes zu finden ist. Das von Wind und Meer umtoste, abgelegene wie karge Eiland, einige Ruderstunden vom Festland entfernt, ist Schauplatz der beeindruckenden Romantrilogie „Die Unsichtbaren“ des norwegischen Schriftstellers Roy Jacobsen – und die Heimat von Ingrid, die auf der Insel geboren wird und hier aufwächst, die hier die Zeit des Krieges erlebt, um später ihr Zuhause zu verlassen und sich auf die Spuren eines Mannes zu begeben.
Ben Smith – „Dahinter das offene Meer“
„Es gibt kein Raus.“
Es ist eine eintönige Welt. Nichts als Meer, Wasser bis zum Horizont und darüber hinaus. Hunderte Windräder strecken sich in die Höhe. Ein Wald aus Metall, der allmählich rostet und verfällt, ein letztes, indes brüchernes Bollwerk der modernen Zivilisation. Wo einst Land war, ist nur Wasser. Mittendrin: eine Plattform. Das Zuhause eines alten Mannes und eines Jungen. Gemeinsam reparieren sie die Windräder. Eine nahezu sinnlos erscheinende Arbeit. Denn Ersatzteile gibt es nicht, nagen Salz und Wasser an den Konstruktionen. Stetig sinkt die Energieleistung. Im Meer schwimmen mehr Plastik-Teile als Fische. Es ist ein beklemmendes Szenario, das der britische Autor Ben Smith in seinem Debüt „Dahinter das offene Meer“ beschreibt.
Backlist #14 – Maylis de Kerangal „Die Lebenden reparieren“
„Wo er sich befindet, existiert die Zeit nicht mehr.“
Simon ist 19 und ein leidenschaftlicher Surfer, der das Meer, die Wellen, den Wind liebt. Nach einem Surfausflug mit seinen Freunden stirbt er bei einem tragischen Unfall. Von einer Sekunde auf die andere wird er aus dem Leben gerissen, sein noch kurzes Dasein auf Erden beendet. Die Ärzte stellen seinen Hirntod fest. Wenige Stunden später fassen seine Eltern eine folgenreiche Entscheidung: Sie geben Simon zur Organspende frei. In ihrem meisterhaften Roman beschreibt die französische Autorin Maylis de Kerangal den vielschichtigen Prozess eines solchen Ereignisses – vom tragischen Unfall bis zur Implantation der Spenderorgane in den Körper eines sehr kranken Menschen. „Backlist #14 – Maylis de Kerangal „Die Lebenden reparieren““ weiterlesen
Jørn Lier Horst – „Wisting und der Tag der Vermissten“
„Wir sind nicht entweder-oder, sondern sowohl-als-auch.“
Zwei Frauen sind verschwunden. Nie wurden ihre Leichen gefunden, nie ein Tatort ermittelt. Noch immer ist unklar, ob sie tot sind oder mittlerweile an einem unbekannten Ort leben, ob ein Zusammenhang zwischen ihnen besteht. Mehr als 20 Jahre sind ins Land gegangen. Vor allem der Fall um Katharina Haugen beschäftigt William Wisting noch immer. Regelmäßig holt der erfahrene Ermittler die Fallakten aus seinem Schrank und liest darin. Jedes Jahr am Tag ihres Verschwindens besucht er deren Ehemann Martin. Schließlich nimmt Adam Stiller von der Einheit für ungeklärte Fälle Kontakt zu Wisting auf. Der Grund: Neue Erkenntnisse im Zusammenhang mit der vermissten 17-jährigen Nadia Krogh, die bereits zwei Jahre vor Katharina spurlos verschwunden war, machen Martin Haugen zum Verdächtigen. „Jørn Lier Horst – „Wisting und der Tag der Vermissten““ weiterlesen






