Flucht und Integration beherrschen als Themen derzeit viele Bereiche des öffentlichen Lebens. Auch die Kunst, speziell die Literatur nimmt sich diesen an. Ein Blick auf die Liste neuer Titel aus den vergangenen Monaten beweist es. Bereits 2008 erschien ein Buch, das die Geschichte einer Flucht erzählt. Es ist ein ganz besonderes, nicht nur weil es ohne Wörter auskommt. Der Australier Shaun Tan bannt in seiner Graphic Novel „Ein neues Land“ die Erlebnisse eines Mannes in faszinierenden Bildern, die symbolisch für all jene Menschen stehen, die ihre Heimat verlassen müssen. „Fremde – Shaun Tan „Ein neues Land““ weiterlesen
Autor: Constanze Matthes
Jugendliteraturpreis wird 60
Wenn sich vom 19. bis 23. Oktober Frankfurt am Main wieder zum Buch-Mekka verwandelt, werden auf der Buchmesse nicht nur die beiden Ländern Niederlande und Flandern als Ehrengäste thematisch besonders im Fokus stehen. Zwei runde Jubiläen stehen im Jahr 2016 an und verlangen nach Aufmerksamkeit: Auf 50 Jahre Geschichte kann die Stiftung Buchkunst zurückblicken. Und seit bereits 60 Jahren wird alljährlich der Deutsche Jugendliteraturpreis vergeben, die bedeutendste Auszeichnung im Bereich Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland. „Jugendliteraturpreis wird 60“ weiterlesen
Not und Elend – Georg Fink „Mich hungert“
„Die Erde rollte schneller, als ich trippeln konnte. Und in meiner Hand hatte das Glück nicht Platz. Alles lief mir fort. Und was blieb?“
Würden Bücher körperlich und lebendig sein, könnte der Roman „Mich hungert“ mit wohl drastischen Formulierungen beschrieben werden. Er beißt, er schlägt, er wühlt sich einem Bandwurm gleich ins Gemüt. Mit schwerwiegenden Folgen. Das Werk des jüdischstämmigen Schriftstellers Kurt Münzer (1879 – 1944), unter dem Pseudonym Georg Fink 1929 im Verlag Bruno Cassirer erschienen, ist harte Kost, weil er nicht nur eine traurige Geschichte einer Familie erzählt. Das Buch widmet sich vielmehr einem der größten, bis heute nicht gelösten Probleme der Mensch: der Armut und der Not der untersten Schicht. „Not und Elend – Georg Fink „Mich hungert““ weiterlesen
Haus am See – Joshua Groß „Faunenschnitt“
„Ich wollte zulassen, was mir ins Bewusstsein kam, ich wollte nicht kategorisieren und gegeneinander ausspielen, sondern akzeptieren, dass Wirrheit nicht notwendigerweise Verwirrung ist.“
Spule ich das Band der Erinnerung zurück, wird mir klar: Solange ich diesen Blog führe und über Bücher schreibe, erhielt noch kein einziges Buch von mir das Prädikat „Fetzig“. Für alles gibt es ein erstes Mal, und dieser Augenblick scheint gekommen zu sein: mit dem neuen, nunmehr dritten Roman von Joshua Groß „Faunenschnitt“, der bereits mit seiner orangefarbenen Covergestaltung und der roten Schrift die Blicke auf sich zieht. Innen dann eine weitere Überraschung: Fotografien, die in ihrer verschlossenen Art nur durch das Papier scheinen. Die Seiten sind per Schmetterlingsbindung so zusammengefügt worden, das der Leser sie mit einem Messer aufschneiden muss, um die doppelseitigen Bilder ansehen zu können. Ein Akt, der Überwindung erfordert. In früheren Zeiten alltäglich, erscheint er heute fremd und, zugegeben, etwas rabiat. „Haus am See – Joshua Groß „Faunenschnitt““ weiterlesen
Verräter – Gard Sveen „Der letzte Pilger“
„Zufälle sind nicht anderes als Schicksal. und das Schicksal ist nicht mehr als eine Aneinanderreihung von Zufällen.“
Er galt als Kriegsheld, war erfolgreicher Immobilienhändler, einst sogar Handelsminister seines Landes. An einem Junitag wird Carl Oscar Krogh ermordet aufgefunden, seine mit unzähligen Messerstichen versehene Leiche lässt sogar eingefleischte Kriminalisten das Blut in den Adern gefrieren. Selbst Kommissar Tommy Bergmann sucht vorsorglich die Toilette des Hauses auf. Wer trachtete dem einstigen heroischen Widerstandskämpfer nach dem Leben? Bergmann stößt bei seinen Ermittlungen nicht nur auf Rätsel der Vergangenheit. Er ist sich auch sicher, dass der Fund dreier Skelette, die wenige Tage zuvor in der Nordmarka entdeckt worden waren, mit diesem Mord zu tun haben. „Verräter – Gard Sveen „Der letzte Pilger““ weiterlesen
Stadtleben – Nellja Veremej „Berlin liegt im Osten“
„Wie fühlt es sich an, wenn die Welt, in die du geboren wurdest, wie eine Nussschale mit dir zusammen wächst, kränkelt, reift, altert?
Zwischen ihrer Heimat am Kaukasus und Berlin liegen Tausende von Kilometern, einige Jahre sowie unerfüllte Hoffnungen und Wünsche. Lena hat Sprachwissenschaft studiert und arbeitet in Deutschland für einen Pflegedienst. Ihre Kollegen – eine Art proletarische Internationale – stammen aus aller Herren Länder und verschiedenen anderen Professionen. Ihre große Liebe zu ihrem Mann Schura, mit dem sie in der Zeit des politischen Umbruches nach Deutschland gekommen war, ist mittlerweile erloschen. Sie und die gemeinsame Tochter Marina sind Überreste einer kleinen Familie, die nahe dem Alexanderplatz wohnen. Ihre täglichen Wege führen Lena in die Tiefen der Großstadt und die Wohnungen der Klienten, die interessante Lebensgeschichten erzählen können. „Stadtleben – Nellja Veremej „Berlin liegt im Osten““ weiterlesen






