Olli Jalonen – „Die Kunst, unter Wasser zu leben“

„Selbst wenn er bis ans Ende der Welt ginge, wird der Mensch nicht los, was am festesten in ihm sitzt.“

Es gibt literarische Helden, die lassen einen nicht los. Der Abschied von ihnen fällt schwer, ein Wiedersehen bereitet wiederum große Freude. Genau so eine Figur ist Angus. Seinen ersten großen Auftritt hat er im Roman „Die Himmelskugel“. Nun schreibt der finnische Schriftsteller Olli Jalonen die Geschichte des Jungen von der Atlantik-Insel St. Helena und Gehilfe des bekannten englischen Wissenschaftlers Edmond Halley (1656-1742) weiter. „Die Kunst, unter Wasser zu leben“ führt diesmal nach London, wo Angus erwachsen wird, und über den Atlantik in eisige Welten.

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Anthony McCarten – „Going Zero“

„Es gibt keine Geheimnisse mehr. Wir alle stehen heute nackt im grellen Scheinwerferlicht.“

Noch vor einigen Jahren recht naiv, wunderte ich mich über Online-Werbung. Ich hatte zu Hause an einem Abend nach einer neuen Waschmaschine gegoogelt. Tags darauf konnte ich mich vor Angeboten nicht retten, als ich im Büro das Internet öffnete. Überall schwirrten Anzeigen auf den Seiten, die ich aufrief. Zweifellos: Wir sind gläsern. Alles, was wir tun, was wir in das weltweite Netz hineintragen, wird gesammelt. Nicht nur Krimi-Serien zeigen uns, was mittlerweile Behörden an Daten selbst rein legal zusammentragen können. Weit beängstigender sind die Möglichkeiten und Wege der Tech-Konzerne. Ein erschreckendes Bild zeigt uns der Neuseeländer Anthony McCarten in seinem neuen Roman „Going Zero“ auf, wobei er das Thema der Überwachung mit einem weiteren größeren Problem auf beeindruckende Weise verknüpft.

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Sofia Lundberg/Alyson Richman/M. J. Rose – „Hilma“

„Wir sind nichts weiter als kleine Teile in einem großen, ineinander verwobenen Universum.“

Mehr als 70 Jahre hat es gedauert, bis ihr Name in die breite Öffentlichkeit der Kunstwelt gelangte. Als Hilma af Klint 1944 starb, hinterließ sie ein riesiges wie vielfältiges Werk: 1.300 Gemälde, Skizzen und Aquarelle, 26.000 Seiten an Notizen. Ein reiches Œuvre, das allerdings nahezu unbekannt war, bis eine Ausstellung im renommierten New Yorker Guggenheim-Museum 2018 die Aufmerksamkeit auf die schwedische Künstlerin lenkte. Diese Schau, die mit rund 600.000 Gästen einen Besucherrekord einbrachte, ist Dreh- und Angelpunkt der Romanbiografie „Hilma“, die von einem schwedisch-amerikanischen Schriftstellerinnen-Trio geschrieben wurde.

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Lidia Ravera – „Sprich mit mir“

„Wer schreibt, um zu vergessen, erreicht nur, dass er sich erinnert.“

Sie lebt zurückgezogen. Wie eine Einsiedlerin. Ihre Wohnung am Stadtrand von Rom unweit des Tibers ist ihr Rückzugsraum. Sie liest Bücher, hört Musik, ihre Spaziergänge führen sie in die nähere Umgebung. Giovanna ist sich selbst genug, den Kontakt zu anderen Menschen meidet sie. Doch eines Tages zieht eine vierköpfige Familie in die lange Zeit leerstehende Nachbarwohnung ein. Die eher schweigsame wie scheue 66-Jährige kann da noch nicht ahnen, dass ihr Leben auf den Kopf gestellt und sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird. Die italienische Schriftstellerin Lidia Ravera hat mit „Sprich mit mir“ ein faszinierendes Porträt einer besonderen Frau geschrieben und verbindet ein spezielles Kapitel der Geschichte ihres Landes mit der Gegenwart. „Lidia Ravera – „Sprich mit mir““ weiterlesen

Andrzej Stasiuk – „Grenzfahrt“

„Noch nie haben wir in so einer Finsternis gesessen.“ 

Der Fluss trennt zwei Länder voneinander – und deren Menschen. Lubko ist der Fährmann, der sie übersetzt. Von einem Ufer an das andere. Kirchgänger genauso wie Flüchtlinge, die einen vor und nach dem Gottesdienst im Nachbarort, die anderen auf ihrem Weg in die geglaubte Sicherheit. Doch wo ist es sicher, wenn Krieg ist, sich Soldaten, Besatzer eines anderen Landes, mit Mann und Maschinen für ihren nächsten Angriff versammeln. Der polnische Schriftsteller Andrzej Stasiuk führt in seinem neuesten Roman den Leser in die ostpolnische Grenzregion und in den Frühsommer 1941, als die deutsche Wehrmacht vor dem Einmarsch in die Sowjetunion steht. Ein meisterhafter, sehr tiefgreifender Roman, der davon erzählt, wie viele kriegerische Ereignisse auf einem Landstrich lasten können, um davon auf lange Zeit geprägt zu sein.

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Wie die Burg Ranis in Thüringen ein Ort der Bücher wurde

Hoch auf einem Felsrücken am thüringischen Orlatal im elften Jahrhundert errichtet, war sie Sitz der Markgrafen von Thüringen, später der Adelsgeschlechter Brandenstein und Breitenbuch. Seit mehreren Jahren wird an einem neuen, besonderen Kapitel der Burg Ranis geschrieben. In den Händen der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten liegend, ist sie vor allem eines: ein Ort der Kultur für jedermann. Nicht nur durch das burgeigene Museum. Seit 1997 richtet der Verein „Lese-Zeichen e.V.“ aus Jena die Thüringer Literaturtage aus – mit einem mehrtägigen Festival auf der Burg Ranis als Höhepunkt. „Wie die Burg Ranis in Thüringen ein Ort der Bücher wurde“ weiterlesen