Inger-Maria Mahlke „Archipel“

„Seltsam, wie einen das Leben die Bedeutung von Zeit lehrt.“

Inger-Maria Mahlke hat mit ihrem Roman „Archipel“ im vergangenen Jahr den Deutschen Buchpreis gewonnen. Mehr und mehr scheinen die Schauplätze der ausgezeichneten Werke das „Weite zu suchen“. Bodo Kirchhoffs Novelle „Widerfahrnis“ führt nach Sizilien, Robert Menasses Roman „Die Hauptstadt“ nach Brüssel. „Archipel“ setzt den Leser wieder auf eine Insel aus, wie der Titel bereits verrät. Die Autorin erzählt in ihrem Roman eine auf Teneriffa angesiedelte Familiengeschichte. Und das auf besondere und beeindruckende Art und Weise. „Inger-Maria Mahlke „Archipel““ weiterlesen

Jeroen Olyslaegers „Weil der Mensch erbärmlich ist“

„In jedem Mitläufer steckt ein Dreckskerl.“

Die Zeit teilt sich, in die des Schuldigseins und jene der Schuldbekenntnisse. Wobei nicht alle Menschen diesen Weg, diese Entwicklung vollziehen. Der Held in dem eindrucksvollen Roman des flämischen Autors Jeroen Olyslaegers mit dem markanten Titel „Weil der Mensch erbärmlich ist“ blickt zurück auf die Zeit der deutschen Besatzung, als er als Hilfspolizist auf beidenSeiten gestanden hat. Jahrzehnte nachdem er eine unwiderrufliche Schuld auf sich geladen hat, schreibt er seine Erlebnisse nieder. „Jeroen Olyslaegers „Weil der Mensch erbärmlich ist““ weiterlesen

Gabriel Tallent „Mein Ein und Alles“

„Du vergisst, wer du bist, und du denkst, du könntest jemand anderes sein.“

Wenn Literatur auch immer ein Spiegel ist, in dem gesellschaftliche wie politische Diskurse und Probleme erkennbar werden, dann scheinen das Thema Waffen und Gewalt sowie das Leben der „Abgehängten“ noch immer brisant in den USA zu sein. Denn gleich zwei aktuelle wie auch viel besprochene Romane beschäftigen sich damit – vor allem mit Blick auf die Jugend und die Auswirkungen auf die jüngere Generation. Das sind Jennifer Clements Werk „Gun Love“ sowie das Debüt „Mein Ein und Alles“ des Amerikaners Gabriel Tallent, der dafür sehr viel Anerkennung sowohl in seinem Heimatland als auch hierzulande erhalten hat; für mein Befinden zu viel. „Gabriel Tallent „Mein Ein und Alles““ weiterlesen

Judith Schalansky „Verzeichnis einiger Verluste“

„Am Leben zu sein bedeutet, Verluste zu erfahren.“

Alles hat seine Zeit. Was entsteht, wird auch vergehen. In der Vergänglichkeit der Dinge liegt Tragik, zugleich aber auch Trost. Es ist unter uns Menschen vielleicht die einzige Gerechtigkeit, dass keiner dem Tod entrinnen kann, dass das Vergehen das wohl beständigste Prinzip ist. Alles Lebendige und Bestehende findet auf kurz oder lang ein Ende. In ihrem Band „Verzeichnis einiger Verluste“ erzählt Judith Schalansky auf unnachahmlicher Art von verschiedenen Dingen und Wesen, die es nicht mehr gibt, die einst verloren gegangen oder verfallen sind, die zerstört oder vernichtet worden sind. „Judith Schalansky „Verzeichnis einiger Verluste““ weiterlesen

Alice Zeniter „Die Kunst zu verlieren“

„(…), dass ein Land nie nur einziges ist.“

1962 – Algerien erlangt die Unabhängigkeit von Frankreich. Nach acht Jahren Krieg, der Menschen das Leben nahm, Familien zerriss. Weil die einen in den Untergrund gingen und sich der Befreiungsarmee angeschlossen haben, weil die anderen auf der Seite der Besatzer standen, oder weil einige zwischen den Fronten zerrieben wurden. 1962 flieht Ali, der einst an der Seite der Franzosen im Zweiten Weltkrieg gekämpft hat und als „Harki“, als Kolloraboteur, gilt,  mit seinem ältesten Sohn Hamid über das Mittelmeer nach Frankreich, seine Frau Yema und die weiteren Kinder kommen später nach. Diese Zerrissenheit zwischen den Kulturen und der Verlust der Heimat spiegelt sich in der Familie wider. Sie führt zu Ängsten und Traumata, zu Konflikten zwischen den Generationen. Die Französin Alice Zeniter hat darüber mit „Die Kunst zu verlieren“ einen herausragenden Roman geschrieben.

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Ryū Murakami „In Liebe, dein Vaterland“

„Ein Staat ist ein Gebilde, das immer die Minderheit opfert, um die Mehrheit zu schützen.“

Haruki kennt wohl jeder. Es gibt wohl kaum eine Buchhandlung, die den japanischen Schriftsteller und langjährigen Aspiranten für den Literaturnobelpreis, nicht mit mehreren Titeln führt. Wer einmal einen anderen Murakami kennenlernen will, der sollte zu einem Band mit einem sehr langen Namen greifen. „In Liebe, dein Vaterland. I: Die Invasion“ heißt der erste Teil eines auf zwei Teile angelegten Romans aus der Feder von Ryū Murakami. Der Titel ist zugleich die Bezeichnung für ein Szenario, das für eine gewisse Beklemmung sorgt, weil der Japaner die Geschichte seines Landes umschreibt. „Ryū Murakami „In Liebe, dein Vaterland““ weiterlesen