Backlist #11 – James Hanley „Ozean“

„Wie erbärmlich unzulänglich wir doch sind.“ 

Es sind nur wenige Minuten, die zwischen einer vermeintlich sicheren Schiffsfahrt und ihrem tragischen Ende, zwischen Leben und Tod entscheiden. Mit einem Torpedoschuss versenkt  ein deutsches U-Boot das Passagierschiff „Aurora“, das unterwegs nach Amerika ist. Eine Handvoll Männer findet sich schließlich auf einem Rettungsboot wieder. Über sich den Himmel, um sich die unermessliche Weite des Meeres. Mit seinem 1941 erschienenen Roman „Ozean“ hat der Engländer James Hanley eine eindrückliche und psychologisch spannende Parabel über die Nichtigkeit des Menschen und über dessen Stärken wie Schwächen geschrieben. 

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Rachel Kushner „Ich bin ein Schicksal“

„Nach und nach wurde mir das Leben ausgesaugt.“

W314159. Romy Leslie Hall ist nicht mehr als eine Nummer im Frauengefängnis von Stanville, eine Fallakte im amerikanischen Justiz-System. Sie war Stripperin in einer Bar, kannte sich mit Drogen aus, sie ist Mutter eines Sohnes und sitzt nun ein: zweimal lebenslänglich. Sie wird hinter Gittern sterben, weil sie ihren Stalker getötet hat. Die Amerikanerin Rachel Kushner, die für ihren 2015 in deutscher Übersetzung erschienenen Roman „Flammenwerfer“ gefeiert und gelobt wurde, rückt mit ihrem neuesten Werk „Ich bin ein Schicksal“ nicht nur eine einzelne Frau in den Mittelpunkt. Es ist ein eindrückliches Buch über Amerikas verlorenen Ruf, das längst nicht mehr als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten erscheint.

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Michail Ossorgin „Eine Straße in Moskau“

„Das Weltengebäude war erschüttert, die Vögel verjagt vom Dröhnen der Waffen!“

Bücher erzählen Geschichten. Doch auch um sie selbst ranken sich spannende, oft auch tragische Geschichten. Sie berichten von ihrem Schöpfer und von seinem Erfolg. Manche sind allerdings auch Beispiele, wie einst Vergessenes wieder in die Öffentlichkeit geholt wird. Es ist für mich immer wieder erstaunlich und spannend, wie Autoren und ihre Werke nach Jahren und Jahrzehnten wieder entdeckt werden. Wohl nur wenige kennen den Namen des russischen Schriftstellers Michail Ossorgin (1878 – 1942). Mit der Veröffentlichung des Romans „Eine Straße in Moskau“ erinnert die Buchreihe „Die Andere Bibliothek“ an den Autor, der in dessen Heimatland vergessen werden sollte.  „Michail Ossorgin „Eine Straße in Moskau““ weiterlesen

Friedrich Ani „All die unbewohnten Zimmer“

„Wir sind alle Geiseln unserer Erinnerung.“

In TV-Serien ist das sogenannte Crossover – das Zusammentreffen von Ermittlern beziehungsweise Kommissaren verschiedener Reihen – ein beliebtes Mittel, das meist für gute Einschaltquoten sorgt. In der Kriminalliteratur ist diese Besonderheit leider noch recht selten anzutreffen. Der neue Roman von Friedrich Ani bildet da eine interessante Ausnahme: Denn mit Jakob Franck, Polonius Fischer und Tabor Süden kommen gleich drei, aus zahlreichen Büchern und Bänden bekannte Kommissare beziehungsweise Ex-Ermittler zusammen, und jeder hat seine eigene Geschichte, seinen eigenen Charakter. Es gilt zwei knifflige Fälle zu lösen, in denen Vergangenheit und Gegenwart auf beunruhigende Weise aufeinandertreffen.  „Friedrich Ani „All die unbewohnten Zimmer““ weiterlesen

Sue Hubbell „Leben auf dem Land“

„In der Stadt nennt man mich die Bienenfrau. Was könnte ich anders sein.“

Unser Leben wird zunehmend technisierter und hektischer. Es scheint sich von der Natur und ihren Regeln zu entfernen, ja abzuwenden. Wir scheinen die Verbindung zu ihr zu verlieren. Die Urbanisierung schreitet fort: Die Menschen ziehen in die Stadt, ganze Landstriche veröden. Doch seit einiger Zeit ist ein Gegentrend zu spüren. Familien entscheiden sich wieder für ein Leben auf dem Land. In Städten entstehen zahlreiche Gärten, die liebevoll gepflegt werden, findet auch die Imkerei mehr und mehr Zuspruch. Man kann es als Rückbesinnung bezeichnen, die schon einige Zeit vor dem aktuellen Diskurs zum Umweltschutz ihren erfreulichen Lauf nahm. Nicht nur Ratgeber jeglicher Art feiern weiterhin eine Hochkonjunktur. Die literarische Gattung des Nature Writing und die Werke ihrer Vertreter werden zunehmend wiederentdeckt. Wer sich mit diesen beschäftigen will, kommt an dem wundervollen Buch „Leben auf dem Land“ der Amerikanerin Sue Hubbell einfach nicht vorbei.

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Monica Kristensen „Amundsens letzte Reise“

„Man nannte es scherzhaft die Polarkrankheit, aber sie glich eher einer Besessenheit.“

Sein Name verbindet jeder unweigerlich mit der weißen Welt, dem Ewigen Eis. Seine Entdeckungsreisen haben seinen Weltruhm begründet. Er durchfuhr als erster Mensch die Nordwestpassage, erreichte als erster den Südpol, er war auch einer der ersten, die zum geografischen Nordpol kamen. Der Norweger Roald Amundsen (1872 – 1928), nach dem das neueste Schiff der legendären Hurtigruten-Flotte benannt ist, ist bis heute verbunden mit Entdeckermut und Wagnis, aber auch einem ungeheuren Wissensschatz rund um die Polargebiete. Die Norwegerin Monica Kristensen hat über Amundsens letzte Reise, von der er nicht mehr zurückgekommen ist, einen Band geschrieben, der Maßstäbe setzt.

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