Einfach nur weg – Christian Torkler „Der Platz an der Sonne“

„Was ist so falsch daran, wenn einer rauswill aus’m Dreck?“

Dieser letzte Satz. Nur sechs Wörter. Fassungslosigkeit macht sich breit. Ich schlage das Buch zu und fühle mich wie erstarrt. Ich schaue, ohne etwas zu fokussieren. Der Blick geht nach innen. Ich  möchte die letzten Seiten vergessen, die Geschichte anders schreiben. Für Josua, für diesen Helden! Doch nein! Dann würde Christian Torklers Roman „Der Platz an der Sonne“ seine Wirkung, seine Botschaft verlieren. Sein mutiges Debüt führt uns deutlich vor Augen, dass die Geschichte und damit unser Leben auch anders verlaufen hätten können, und das haben die meisten von uns (scheinbar) schon vergessen. „Einfach nur weg – Christian Torkler „Der Platz an der Sonne““ weiterlesen

Ein Mann auf der Flucht – Antonin Varenne „Äquator“

„Ich habe den Eindruck, wohin auch immer du gehst, sie folgen dir, Billy.“

Der Western ist nicht totzukriegen. Noch immer erscheinen Filme aus diesem Genre, noch immer widmet sich auch die Literatur diesem Kapitel amerikanischer Geschichte – der Besiedlung des Kontinents, der kriegerischen Auseinandersetzungen und der Vertreibung der Ureinwohner, der Auslöschung der gigantischen Büffel-Herden. Mehr und mehr geschieht diese Beschäftigung mit dieser Historie und den einstigen Geschehnissen in einer anspruchsvollen Weise. Der Roman „Butcher’s Crossing“  des Amerikaners John Williams (1922 – 1994), dessen wunderbare Werke wie „Stoner“ man hierzulande wieder neu entdeckte hatte, hat vor einigen Jahren mein Interesse an diesem Thema entfacht. Doch auch europäische Autoren verlegen die Handlung ihrer Romane scheinbar gern nach Übersee und in eine längst vergangene Zeit. Mit „Äquator“ hat der Franzose Antonin Varenne einen eindrucksvollen Western geschrieben, der allerdings den geografischen Rahmen der Handlung weiter gen Süden spannt. „Ein Mann auf der Flucht – Antonin Varenne „Äquator““ weiterlesen

Der verlorene Sohn – David Whitehouse „Der Blumensammler“

„Erinnerungen ließen sich viel leichter ertragen, wenn man sie nicht als Ganzes, sondern nur als zersplitterte Bruchstücke in sich hineinließ.“

Was braucht es, um ein einfaches Leben aus den Angeln zu heben und es auf eine andere Spur zu setzen? Im Fall von Peter Manyweathers war es nur eine kurze Liste mit sechs Blumennamen, die sein Dasein als Reinigungsspezialist auf den Kopf stellt. Dieses Blatt Papier, gefunden in Form eines Briefes in einem Buch in der Bibliothek, lässt ihn nicht mehr los. Von einer besonderen Weltreise, zwei Männern, deren Leben auf spezielle Weise verbunden ist, und die Kraft der Erinnerungen erzählt der Engländer David Whitehouse in seinem neuen Roman „Der Blumensammler“.

„Der verlorene Sohn – David Whitehouse „Der Blumensammler““ weiterlesen

Mutter mit Geheimnissen – Michael Ondaatje „Kriegslicht“

„Wir ordnen unser Leben dank kaum näher ausgeführter Geschichten.“

Was teilen Eltern mit ihren Kindern? Eine gemeinsam verbrachte Zeit, all das, was in dem eigenen Haus, in der Wohnung zu finden ist? Wenn es jedoch um die Vergangenheit der Älteren geht,  haben die Jüngeren bei einem Blick auf deren Leben oftmals den Eindruck, auch auf Geheimnisse, Unausgesprochenes zu stoßen. Egal welche Gründe sich hinter dieser Verschwiegenheit verbergen. In seinem neuen Roman mit dem Titel „Kriegslicht“ erzählt Michael Ondaatje von einer brüchigen Eltern-Kind-Beziehung infolge von Geheimnissen und wie sich Krieg auf die Menschen auswirkt.

„Mutter mit Geheimnissen – Michael Ondaatje „Kriegslicht““ weiterlesen

„Mit gutem Gewissen bestellen“ – Im Gespräch mit Angelika Siebrands

Wer Bücher kaufen möchte, kann dies auf verschiedenen Wegen tun. Eine Buchhandlung aufsuchen oder von zu Hause bequem per Internet bestellen. Viele greifen dabei auf die großen Anbieter und Plattformen zurück. Eine Entwicklung, die den lokalen Buchhandel seit Jahren vor einer großen Herausforderung stellt. Doch wie es geht, ohne schlechtes Gewissen online Bücher zu bestellen, erklärt Angelika Siebrands, Geschäftsführerin der genialokal GmbH, die den gleichnamigen Onlineshop genialokal betreibt. „„Mit gutem Gewissen bestellen“ – Im Gespräch mit Angelika Siebrands“ weiterlesen

Liebe mit Grenzen – Christoph Hein „Verwirrnis“

„Er musste schweigen, musste verschweigen, was keiner wissen durfte.“

So innerlich eingegraben, verkantet, nahezu festgesaugt haben sich bei mir in der letzten Zeit nur wenige Bücher. Christoph Heins neuer Roman „Verwirrnis“ hat dies geschafft. Dass so eine besondere, besonders auch traurige Geschichte zugleich so viel Begeisterung entfachen kann, lässt mich indes auch etwas ratlos zurück. Woran liegt es, dass wir die tragischen Romane oftmals mehr schätzen, als die unaufgeregteren mit dem Happy End? Ohne den Ausgang vorwegnehmen, ihn nur anzudeuten:  Etwas Hoffnung bleibt,  von der der Held der Geschichte nur eine, aber dafür umso bedeutende Entscheidung entfernt ist.  „Liebe mit Grenzen – Christoph Hein „Verwirrnis““ weiterlesen