Sehn-Sucht – Nathalie Chaix „Liegender Akt in Blau“

„Er driftet düster ab: da ist die Frau. Und da ist die Malerei. Diese übermächtige Notwendigkeit.“ 

Es ist ein Tag im März 1955. Nicolas de Staël schreibt Briefe. Es sollen die letzten seines kurzen Lebens sein. Wenige Stunden später setzt er seinem Leben ein Ende. Der Maler, der mit seinen Bildern und seinem Stil vor allem in den USA Erfolge feiern konnte, stürzt sich aus seinem Atelier im südfranzösischem Antibes. Die Schwermut, eine körperliche wie seelische Erschöpfung nach einigen arbeitswütigen Jahren und die gescheiterte Liebe zu Jeanne haben dem Maler zermürbt. Seine Lebens- wie Leidensgeschichte erzählt die Französin Nathalie Chaix in ihrem Roman „Liegender Akt in Blau“. Der Band fasziniert nicht nur mit seiner poetischen Sprache. Er zeichnet sich zudem durch seine besondere künstlerische Ausstattung aus. Sehn-Sucht – Nathalie Chaix „Liegender Akt in Blau“ weiterlesen

Lucine – Delphine de Vigan „Das Lächeln meiner Mutter“

„Ich schreibe wegen des 31. Januars 1980. Der Ursprung des Schreibens liegt genau dort, das weiß ich dunkel, in diesen wenigen Stunden, die unser Leben kippen ließen, in diesen Tagen davor und in der Zeit der Isolation.“

Mit dem Blick eines stillen Beobachters erscheint es, dass viele Familien ein harmonisches und zufriedenes Leben führen. Auch die Fotos, die an den Wänden hängen, auf Kommoden stehen, unterstreichen diesen ersten Eindruck. Erst durch das Erzählen oder durch das Schreiben dringen oftmals traurige und tragische Geschehnisse und Details an die Öffentlichkeit. Die französische Autorin Delphine de Vigan hat ihre Familiengeschichte niedergeschrieben, die von Dramatik, Emotionen, Krankheit und Tod sowie einer besonderen Beziehung zu ihrer Mutter Lucine geprägt ist.  Lucine – Delphine de Vigan „Das Lächeln meiner Mutter“ weiterlesen