Elizabeth Wetmore – „Wir sind dieser Staub“

„Und wie sterben die Frauen? Normalerweise, wenn Männer sie umbringen.“ 

Den einen gelingt die Flucht. Selbst wenn sie dafür Mann und Kind Hals über Kopf zurücklassen. Die anderen verstecken sich in ihrem Haus, wollen von all den schrecklichen Geschehnissen, die sich tagtäglich ereignen, nichts wissen. Von dieser erbärmlichen Verachtung, dieser aus Frust und Dominanz geborenen brutalen Gewalt. Mary Rose steht jedoch eines Tages mit der Flinte auf der Veranda ihres Hauses. Nicht nur um sich selbst und ihre Tochter zu verteidigen. Gloria hat zuvor verletzt, barfuß und unter Schock stehend das Grundstück inmitten der Wüste erreicht. Die 14-jährige Mexikanerin flieht vor ihrem Peiniger und bittet um Hilfe. Dabei erzählt die Amerikanerin Elizabeth Wetmore in ihrem großartigen Debüt „Wir sind dieser Staub“ nicht nur die Geschichte dieser beiden ungleichen Frauen und ihrer folgenreichen Begegnung. „Elizabeth Wetmore – „Wir sind dieser Staub““ weiterlesen

Friedrich Ani – „Letzte Ehre“

„Der Zufall ist ein unterschätzter Magier.“

Verhämmerung: Das Wort lässt sich nicht im Duden finden und ist wohl nur all jenen bekannt, die sich fachlich mit Medizin oder Materialkunde beschäftigen. Verhämmerung: Man denkt unweigerlich an Kraft und Gewalt, Verformung und Zerstörung. Mehrfach und an einer Stelle zudem in Versalien geschrieben taucht dieses Wort in dem neuen Roman „Letzte Ehre“ von Friedrich Ani auf. Darin erzählt der mehrfach preisgekrönte Schriftsteller und Drehbuch-Autor von kalter, unerbittlicher und brutaler Gewalt von Männern an Frauen.    „Friedrich Ani – „Letzte Ehre““ weiterlesen

Karin Smirnoff – „Mein Bruder“

„Ich bin zunehmend dankbar für die wenigen Sachen an die ich mich nicht erinnere.“

„Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.“ Diese Worte Franz Kafkas sind vielen bekannt und werden oft, manchmal allzu oft in Verbindung mit der besonderen Wirkung eines Buches zitiert. Mir ging die Passage immer wieder durch den Kopf, als ich das meisterhafte Debüt der Schwedin Karin Smirnoff mit dem Titel „Mein Bruder“ las. Ein erschütternder, wie zutiefst menschlicher Roman, der die Abgründe der menschlichen Seele, Schmerz und Leid schildert.

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Familie mal zwei – Bücher von Hanne Ørstavik und Helga Flatland

„Irgendwas ist in jeder Familie.“ 

Keine Familie ist wie die andere. In ihr herrschen Gesetze und Geheimnisse sowie Bindungen und Emotionen unterschiedlicher Stärke. Sie kann wachsen und über Generationen hinweg bestehen oder sich auflösen. Die beiden norwegischen Autorinnen Helga Flatland und Hanne Ørstavik haben mit „Eine moderne Familie“ und „Die Zeit, die es dauert“ zwei besondere, sehr verschiedene Geschichten über dieses Thema geschrieben. Beide Titel ergänzen sich wunderbar und geben zugleich einen spannenden Einblick in die Gegenwartsliteratur des nordischen Landes.

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Dervla McTiernan – „Todesstrom“

„Es sind nicht die Toten, vor denen man Angst haben muss.“

Cormac Reilly ist noch ein Greenhorn, als er als junger Polizist kurz nach seiner Ausbildung an der Akademie zu einem Einsatz gerufen wird. In einem völlig verwahrlosten Haus entdeckt der Detective eine tote, an einer Überdosis verstorbenen Frau – und ihre beiden Kinder Maude und Jack. Der Junge ist verletzt und wird von Cormac mit seiner Schwester in ein Krankenhaus gebracht, aus dem das Mädchen jedoch spurlos verschwindet. Gut 20 Jahre später wird Reilly erneut mit dem einstigen, düsteren Fall konfrontiert. Denn Jack, nunmehr ein erwachsener Mann, wird tot im Fluss gefunden.  „Dervla McTiernan – „Todesstrom““ weiterlesen

Ann Petry – „The Street“

„Was würde die Straße aus ihr machen?“

Diese Stadt gilt als Inbegriff des amerikanischen Traums. In New York prallen die harschen Gegensätze wie in vielen anderen Metropolen, die zudem den Hauch eines Molochs verströmen, aufeinander, aber womöglich weitaus drastischer. Da ist das Finanzkapital in Form der Wall Street, dort sind die heruntergekommenen Armenviertel, wo der Aufstieg meist nur Fantasie bleibt, Gewalt und Kriminalität an der Tagesordnung sind. Mit „The Street“ hat die afroamerikanische Autorin Ann Petry (1908 – 1997) einen Roman geschrieben, der die verzweifelten Bemühungen einer jungen ehrgeizigen Frau schildert, die für ein besseres Leben für sich und ihren kleinen Sohn kämpft. Das Besondere: Dieses Buch ist bereits 1946 erschienen und es war das bis dato erfolgreichste Buch einer Afroamerikanerin. Es kann und sollte nun wiederentdeckt werden dank der deutschen Übersetzung.

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