Erling Kagge – „Mein Nordpol“

„Bei minus fünfzig Grad gibt es nur einen Gedanken: Es ist kalt.“

Manch große Geschichte beginnt mit einem Geschenk. Erling Kagge ist sieben, als er von seinen Eltern einen Globus zum Geburtstag erhält. Mehr als die Ozeane, Meere und Kontinente faszinierte ihn ein winziger Punkt auf der Weltkugel: der Nordpol. 20 Jahre später erreichte der Norweger mit seinem Landsmann, dem Polarforscher Børge Ousland, den nördlichsten Punkt der Erde. Über seine Reise, aber auch die Geschichte früherer Polarexpeditionen und die Faszination des „ewigen“ Eises hat er ein großartiges Buch geschrieben.

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Lars Mytting – „Ein Rätsel auf blauschwarzem Grund“

„Unser Leben ist ein Schatten.“ 

Ach, was war es doch für ein schmerzhafter Abschied zum Abschluss des Romans „Die Glocke am See“. Astrid und Gerhard sterben getrennt voneinander, sie bei der Geburt der gemeinsamen Zwillinge, er in seiner sächsischen Heimat an den Folgen einer Lungenentzündung. Doch Lars Mytting schreibt die Geschichte des norwegischen Dorfes Butangen, in dem beide damals ihre Liebe gefunden haben, weiter. In „Ein Rätsel auf blauschwarzem Grund“ begegnen wir erneut Pfarrer Kai Schweigaard, den das tragische Schicksal, der allzu frühe Tod der beiden, geprägt hat. Und wir lernen Jehahns kennen. Der Sohn von Astrid und Gerhard, der angeblich einzig und allein überlebt haben soll, begegnet eines Tages bei der Rentierjagd in den Bergen Victor, einem jungen Schotten, der ihm allzu ähnlich ist. „Lars Mytting – „Ein Rätsel auf blauschwarzem Grund““ weiterlesen

Robert Moor – „Wo wir gehen“

„Die Pfade der Menschheit sind weitverzweigt. Und nicht alle Straßen müssen zum Times Square führen.“

Zugegeben: Obwohl mir die ausgiebigen Strandtouren auf der Insel Usedom aus meiner Kindheit bestens in Erinnerung sind, vor allem dieses Durchhalte-Mantra „Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm“, bin ich erst in den vergangenen Jahren zu einer leidenschaftlichen Wanderin und Flaneurin geworden. Kilometerweit am Meer entlang, durch Wälder oder die Straßenschluchten der Großstädte. Gehen ist existenziell, bewusstseinserweiternd, vereint das Gefühl der Freiheit mit dem Drang zur Entdeckung. Dass seit einiger Zeit dieses Thema auch in der Literatur verstärkt zu finden ist, hat sicherlich auch mit der Hinwendung zu Achtsamkeit und Entschleunigung zu tun. Auch der amerikanische Journalist Robert Moor hat über das Gehen und die Bewegung, vor allem über die Bedeutung von Wegen und ihre Entstehung ein ungemein bereicherndes Buch geschrieben.

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Tim Flannery – „Europa“

„Ernst Haeckels Name für unsere Neandertaler-Vorfahren, Homo stupidus, mag immer noch einige Gültigkeit besitzen – und zwar für uns.“

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, erinnere ich mich an einen Film, der mich damals begeistert hat und noch immer fasziniert. „Reise in die Urzeit“ erzählt die Geschichte von vier Jungen, die sich nach dem Fund eines versteinerten Trilobiten mit einem Boot auf eine Reise in die Vergangenheit begeben. In jeder Epoche entdecken sie die darin typischen Pflanzen und Tiere. Für seinen Streifen erhielt der tschechische Regisseur Karel Zeman (1910 – 1989) bei den Filmfestspielen in Venedig 1955 den Preis für den besten Kinderfilm. Eine Art Zeitmaschine in die prähistorische Ära hält auch der australische Zoologe und Biologe Tim Flannery mit seinem herausragenden Band „Europa. Die ersten 100 Millionen Jahre“ bereit.

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Gøhril Gabrielsen – „Die Einsamkeit der Seevögel“

„Die eigene Verwundbarkeit analysieren, das ist es, was dieser Ort und ich brauchen (…).“

Dunkelheit und Kälte herrschen. Es ist Winter im äußersten Norden Norwegens. Eine Fischerhütte ist für die kommenden Wochen und Monate das Zuhause einer Wissenschaftlerin. Der nächste Ort ist 100 Kilometer entfernt. Sie will forschen, erfahren, wie sich die Klimaveränderungen auf die Populationen der Seevögel auswirken. Doch die Zeit als Einsiedlerin, ausgeliefert der kargen und weiten Landschaft und den Witterungsbedingungen, wird für die junge Frau zu einer intensiven körperlichen wie mentalen Herausforderung, weil auch ihre eigenen Erwartungen an diesen Forschungsaufenthalt anders sind als die Realität und sie überrollt wird von der Vergangenheit. „Gøhril Gabrielsen – „Die Einsamkeit der Seevögel““ weiterlesen

Unnur Jökulsdóttir „Vom Flügelschlag des Sterntauchers“

„Falke, Merlin und Kolkrabe, das sind die Panzerknacker von Entenhausen am Mývatn.“

Naturparadiese können viele Geschichten erzählen. Die interessantesten scheinen indes verborgen zu sein, versteckt hinter ihrer äußeren, hochglanzreisebroschüreträchtigen Schönheit. Ein Naturparadies ist auch der See Mývatnim Nordosten Islands gelegen. Dass dieser Mückensee – so die freie deutsche Übersetzung seines Namens – mehr als nur stechfreudige Insekten aufzuweisen hat und sich viele Geschichten um ihn kreisen, beweist der wundersame Band „Vom Flügelschlag des Sterntauchers“ der isländischen Journalistin und Autorin Unnur Jökuldóttir, die von den Schätzen, aber auch von den Gefahren, die diese einzigartige Natur und Landschaft bedrohen, berichtet. 

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