Jesmyn Ward „Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt“

„Hier ist von Glück keine Spur.“

Ein Blick auf die Liste der Gewinner des National Book Awards macht eines deutlich: Es gibt nicht viele Schriftsteller, die diese neben dem Pulitzerpreis renommierteste literarische Auszeichnung in den USA gleich mehrfach erhalten haben. Dazu zählen Autoren mit Rang und Namen wie William Faulkner, Philip Roth, John Updike oder Saul Bellow, deren Werke heute zu den Klassikern der amerikanischen Literatur zählen. Doch nur eine Frau ist dies ebenfalls gelungen: Jesmyn Ward. Nach ihrem Roman „Vor dem Sturm“ (Verlag Antje Kunstmann)  bekam sie für ihr aktuelles Werk „Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt“ erneut den Award. Und das zu Recht. „Jesmyn Ward „Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt““ weiterlesen

Kunst des Lebens – Anne Reinecke „Leinsee“

„Es dauerte noch zweieinhalb Jahre, bis sie sich zum ersten Mal küssten.“

Das Erwachsensein ist schon ein recht merkwürdiger Zustand, er schwebt gefühlt zwischen den Zeiten, zwischen Vergangenheit und Zukunft. Während wir für die Zukunft hoffen, bangen, träumen, was kommen wird, gilt die Rückschau der Kindheit und Jugend, den Erinnerungen – an witzige und fiese Schulstreiche, untrennbare Freundschaften, den ersten Kuss und doofen wie tollen Lehrern. Und eben auch den Eltern, die uns prägen – über Kindheit und Jugend hinaus, auch ganz unbewusst, ob wir es wollen oder nicht. Über die Verbindung von Eltern und Kind und über noch viel mehr erzählt die Berlinerin Anne Reinecke in ihrem Debüt „Leinsee“.  „Kunst des Lebens – Anne Reinecke „Leinsee““ weiterlesen

Bilder – Attila Bartis „Das Ende“

„Im Grunde gibt es nichts, das dem Tode näher wäre als das Fotografieren.“

Wir versuchen, uns der Welt nicht nur in Worten, sondern auch in Bildern zu nähern. Ein für uns bedeutenden Moment gilt es festzuhalten – mit dem Smartphone, der Kamera, dem Gedächtnis. Obwohl man sich sicherlich fragen kann und sollte, welche Beziehung die Fotografie und das Gedächtnis zueinander eingehen. András Szabad, Held und Ich-Erzähler in dem neuen Roman von Attila Bartis, ist Fotograf und zugleich Chronist seines eigenen Lebens, der von seinen vielen Leidenschaften, seinen Erlebnissen und seinen Schicksalsschlägen berichtet.  „Bilder – Attila Bartis „Das Ende““ weiterlesen

Getrennt – Gert Loschütz „Ein schönes Paar“

„Auch an wirklich hellen Tagen gibt es Stellen, die im Halbdunkel liegen.“

Die deutsche Teilung hat Familien entzweit, seelische Wunden gerissen, von denen Narben weiter existieren. Selbst nahezu 29 Jahre nach der friedlichen Revolution sind die Auswirkungen zu sehen und zu spüren. Gerade in diesen Tagen wird der Fall der Mauer in den Medien und in den sozialen Netzwerken wieder thematisiert, ist sie doch nun nach der Wende mittlerweile länger Geschichte, als dass sie existiert hat. Schon immer begleitet hat dieses Kapitel deutscher Geschichte die Literatur. Die Reihe der Titel ist mit der Zeit angewachsen und lang. Mit seinem aktuell erschienenen Werk „Ein schönes Paar“ kann sich nun auch Gert Loschütz einreihen. Doch sein Roman erscheint anders als die vielen anderen Bücher über dieses Thema.

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Familie – Ljudmila Ulitzkaja „Jakobsleiter“

„Das Leben jedes Menschen ist ein Text.“

Was bleibt nach dem Leben eines Menschen? Das, was er geschaffen hat, die Erinnerungen jener, die ihn kannten und liebten. Sicherlich auch Fotos und womöglich auch Geschriebenes. Nach dem Tod ihrer Großmutter Marussja erhält Nora Ossetzkaja eine Weidentruhe mit Briefen und Tagebuch-Notizen ihres Großvaters Jakow, den sie in ihrem Leben nur einmal als Kind gesehen hat. Dieses Erbe auf Papier, abgestellt auf dem Balkon, gerät für einige Jahre in Vergessenheit, ehe Nora sich an die Truhe erinnert und nach der Lektüre vieles über ihren Großvater und dessen Leben, Gedanken und Gefühle erfährt. Sechs Generationen und mehr als ein Jahrhundert umfasst der neue Roman der russischen Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja „Jakobsleiter“, der eindrucksvoll davon erzählt, was Familie bedeutet und wie politische Umstände, die später Geschichte werden, auch immer wieder das Dasein der Menschen beeinflusst.      „Familie – Ljudmila Ulitzkaja „Jakobsleiter““ weiterlesen

Schein – Olivier Bourdeaut „Warten auf Bojangles“

„Bei Tageslicht zu weinen ist wirklich etwas anderes, der Traurigkeitsgrad ist ein anderer.“

Er liebt sie, sie liebt ihn. Gemeinsam lieben sie ihren Sohn. Gemeinsam leben sie wie in einem Märchen: mit einem Schloss, mit rauschenden Partys. Sie tanzen, als gäbe es kein Morgen mehr; ihr gemeinsames Lied: „Mr. Bojangles“ von Nina Simone (1933 – 2003). Traurig und lebendig zugleich –  wie ihr Leben. Der Franzose Olivier Bourdeaut erinnert in seinem Debüt „Warten auf Bojangles“ an diesen Evergreen der amerikanischen Sängerin und erzählt darin zugleich eine unvergessliche Geschichte über eine ganz besondere Familie und ihr tragisches Schicksal.  „Schein – Olivier Bourdeaut „Warten auf Bojangles““ weiterlesen