Antonio Muñoz Molina – „Schwindende Schatten“

„Die Zukunft hat Zeit, und Geschichten aus der Wirklichkeit enden abrupt.“

Die halbe Welt kennt James Earl Ray, als er mit einem Flugzeug aus London im Mai 1968 in Lissabon landet. Tausende Polizisten sind hinter dem Attentäter her, der am 4. April Martin Luther King, die Ikone der Bürgerrechtsbewegung, in Memphis erschossen hat. Ray, nun in Europa auf der Flucht, taucht unter. Er ist ein Schauspieler, er wechselt die Identitäten wie manche ihre Kleidung. Das Gefühl, als einer der meist gesuchten Verbrecher zu gelten, schmeichelt ihm. 2012 begibt sich der spanische Schriftsteller Antonio Muñoz Molina in Lissabon auf die Spuren des Amerikaners, seine Erinnerungen an seinen ersten Besuch in der portugiesischen Hauptstadt in den 80er-Jahren begleiten ihn dabei. In seinem autobiografisch gefärbten Roman „Schwindende Schatten“ lässt Molina seine eigene Biografie mit der des Martin-Luther-King-Attentäters verschmelzen.

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Zugeständnisse – Stephan Thome "Gegenspiel"

„Was sie wirklich die ganze Zeit machte, war, davon zu träumen, etwas anderes zu tun.“

Manchmal findet sich auch in Popsongs ein wenig Philosophie. Wie heißt es da ab und an so schön: „There’s always two sides of every story.“ Selbst der große, von mir sehr geschätzte Phil Collins nannte einen Titel und sein fünftes Album „Both Sides“. Auch Stephan Thome hat sich den beiden Seiten einer Geschichte gewidmet. Besser gesagt: den zwei Seiten eines gemeinsamen Lebens. Nach seinem 2012 erschienenen Roman „Fliehkräfte“ über Hartmut Hainbach, Professor für Philosophie, der während einer Pilgerreise auf Sinnsuche geht, beschreibt Thome nun die andere Seite der Geschichte und ihre Geschehnisse – aus der Sicht von Hainbachs Frau Maria. Und dabei taucht der Leser tief hinab in das frühere Leben der interessanten Protagonistin.  „Zugeständnisse – Stephan Thome "Gegenspiel"“ weiterlesen