Ein Mann auf der Flucht – Antonin Varenne „Äquator“

„Ich habe den Eindruck, wohin auch immer du gehst, sie folgen dir, Billy.“

Der Western ist nicht totzukriegen. Noch immer erscheinen Filme aus diesem Genre, noch immer widmet sich auch die Literatur diesem Kapitel amerikanischer Geschichte – der Besiedlung des Kontinents, der kriegerischen Auseinandersetzungen und der Vertreibung der Ureinwohner, der Auslöschung der gigantischen Büffel-Herden. Mehr und mehr geschieht diese Beschäftigung mit dieser Historie und den einstigen Geschehnissen in einer anspruchsvollen Weise. Der Roman „Butcher’s Crossing“  des Amerikaners John Williams (1922 – 1994), dessen wunderbare Werke wie „Stoner“ man hierzulande wieder neu entdeckte hatte, hat vor einigen Jahren mein Interesse an diesem Thema entfacht. Doch auch europäische Autoren verlegen die Handlung ihrer Romane scheinbar gern nach Übersee und in eine längst vergangene Zeit. Mit „Äquator“ hat der Franzose Antonin Varenne einen eindrucksvollen Western geschrieben, der allerdings den geografischen Rahmen der Handlung weiter gen Süden spannt. „Ein Mann auf der Flucht – Antonin Varenne „Äquator““ weiterlesen

Der verlorene Sohn – David Whitehouse „Der Blumensammler“

„Erinnerungen ließen sich viel leichter ertragen, wenn man sie nicht als Ganzes, sondern nur als zersplitterte Bruchstücke in sich hineinließ.“

Was braucht es, um ein einfaches Leben aus den Angeln zu heben und es auf eine andere Spur zu setzen? Im Fall von Peter Manyweathers war es nur eine kurze Liste mit sechs Blumennamen, die sein Dasein als Reinigungsspezialist auf den Kopf stellt. Dieses Blatt Papier, gefunden in Form eines Briefes in einem Buch in der Bibliothek, lässt ihn nicht mehr los. Von einer besonderen Weltreise, zwei Männern, deren Leben auf spezielle Weise verbunden ist, und die Kraft der Erinnerungen erzählt der Engländer David Whitehouse in seinem neuen Roman „Der Blumensammler“.

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Mutter mit Geheimnissen – Michael Ondaatje „Kriegslicht“

„Wir ordnen unser Leben dank kaum näher ausgeführter Geschichten.“

Was teilen Eltern mit ihren Kindern? Eine gemeinsam verbrachte Zeit, all das, was in dem eigenen Haus, in der Wohnung zu finden ist? Wenn es jedoch um die Vergangenheit der Älteren geht,  haben die Jüngeren bei einem Blick auf deren Leben oftmals den Eindruck, auch auf Geheimnisse, Unausgesprochenes zu stoßen. Egal welche Gründe sich hinter dieser Verschwiegenheit verbergen. In seinem neuen Roman mit dem Titel „Kriegslicht“ erzählt Michael Ondaatje von einer brüchigen Eltern-Kind-Beziehung infolge von Geheimnissen und wie sich Krieg auf die Menschen auswirkt.

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Liebe mit Grenzen – Christoph Hein „Verwirrnis“

„Er musste schweigen, musste verschweigen, was keiner wissen durfte.“

So innerlich eingegraben, verkantet, nahezu festgesaugt haben sich bei mir in der letzten Zeit nur wenige Bücher. Christoph Heins neuer Roman „Verwirrnis“ hat dies geschafft. Dass so eine besondere, besonders auch traurige Geschichte zugleich so viel Begeisterung entfachen kann, lässt mich indes auch etwas ratlos zurück. Woran liegt es, dass wir die tragischen Romane oftmals mehr schätzen, als die unaufgeregteren mit dem Happy End? Ohne den Ausgang vorwegnehmen, ihn nur anzudeuten:  Etwas Hoffnung bleibt,  von der der Held der Geschichte nur eine, aber dafür umso bedeutende Entscheidung entfernt ist.  „Liebe mit Grenzen – Christoph Hein „Verwirrnis““ weiterlesen

Goran Vojnović „Unter dem Feigenbaum“

„Und am meisten enttäuschen uns Menschen, von denen wir am meisten erwarten.“

Zugegeben: In meiner Lesebiografie gibt es einige weiße Flecken. Wenn man leidenschaftlich für Autoren und die Literatur einiger Länder brennt, werden andere schlichtweg vergessen oder überhaupt nicht wahrgenommen. Seitdem ich diesen Blog schreibe und damit auch vermehrt Mitteilungen der verschiedensten kleinen oder großen Verlage erhalte, lerne ich vor allem eins: zu entdecken – und stoße dabei auf literarische Perlen, die mir beim Stöbern in Buchhandlungen wohl nicht aufgefallen wären. Der neue Roman des slowenischen Autors Goran Vojnović „Unter dem Feigenbaum“ hätte ich ignoriert, weil Osteuropa, speziell der Balkan eben noch immer zu jenen weißen Flecken zählt und weil sicherlich nicht jede Buchhandlung diesen Titel führt. Doch wie im Fall des grandiosen Romans „Belladonna“ der Kroatin Daša Drndić wäre es ein großer Fehler, hätte ich nun dieses Buch nicht gelesen.

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Begegnung – Marie Nimier „Der Strand“

„Von dem Augenblick, da sie versteht, dass sie existiert, allein, der Natur zugewandt.“

Das Meer – Sehnsuchtsziel, Ort der Erinnerungen. Es gibt wohl kaum einen Menschen, den die weite Wasserlandschaft mit ihren intensiven Zusammenwirken der Elemente nicht geprägt hat. In der Kindheit mit ihren Entdeckungen, mit immer wiederkehrenden Reisen und langen Spaziergängen am Strand. Auch die Protagonistin im neuen Roman der Französin Marie Nimier ist dem Meer zugewandt. Nach einer ersten Reise mit ihrem Partner fährt sie nach wenigen Jahren per Fähre abermals auf  jene Insel und mit dem Bus wieder an jenen Strand, an dem sie gemeinsam mit ihrer früheren Liebe einige Tage verbracht hat. Doch die erneute Tour an jenen Ort verläuft anders als gedacht. „Begegnung – Marie Nimier „Der Strand““ weiterlesen