Achtung – Jakob Wassermann „Faber“

„Womit beginnen? Die Barrikade wird immer höher. Die ungesagten Worte liegen darauf wie Leichen.“

Es gibt Hans Fallada, es gibt Thomas Mann. Zwei Namen, zwei Schriftsteller, die wohl viele kennen. Sei es durch die Lektüre in der Schule, sei es durch das Lesen in den folgenden Jahren. Gerade erlebt Fallada mit einer Reihe an Neuausgaben, im Aufbau Verlag erschienen, eine gewisse Renaissance. Doch es gibt Autoren jener Zeit, deren Namen und Werke heute nahezu vergessen sind. Jakob Wassermann (1873 – 1934) zählte zu Lebzeiten zu den meist gelesenen Schriftstellern. Heute kennen ihn wohl die wenigsten. Doch womöglich könnte eine Neuausgabe wieder die Aufmerksamkeit auf sein literarisches Werk lenken. In der Reihe „Bibliothek der Weltliteratur“ hat nun der Schweizer Manesse Verlag Wassermanns Roman „Faber oder Die verlorenen Jahre“ aus dem Jahr 1924 veröffentlicht.   „Achtung – Jakob Wassermann „Faber““ weiterlesen

Grenzenlos – Reif Larsen „Die Rettung des Horizonts“

„Denken ist zum Geändertwerden da.

Reichlich Zeit hat er sich gelassen. 2009 erschien sein einzigartiges Debüt „Die Karte meiner Träume“. Nun ist der Amerikaner Reif Larsen zurück – mit seinem neuen Roman „Die Rettung des Horizonts“, der wohl nicht minder eindrucksvoll ist, obwohl er in der Gestaltung – sein Erstling war ein Konglomerat aus Text, Skizzen und Fußnoten – nicht gar so überbordernd erscheint. Vielmehr ist diesmal die Geschichte ein kleines Wunderwerk. Sie nachzuerzählen ist dabei gar nicht so leicht. Denn Larsen spannt die Handlung mit ihren fünf Teilen nicht nur geografisch über vier Kontinente und zeitlich über drei Jahrhunderte. Mehrere Erzählfäden fügen sich über mehrere Personen und eine ganz eigene, aus Wissenschaftlern und kreativen Köpfen zusammengewürfelte Aktionsgruppe, die ihre Wurzeln im Norden Europas weiß, zusammen.   „Grenzenlos – Reif Larsen „Die Rettung des Horizonts““ weiterlesen

Abgrund – Romain Rolland „Über den Gräben“

„Wird sich derjenige, der später vielleicht diese endlosen Aufzeichnungen liest, klar werden über die endlosen Tage, Monate, Jahre, die wir in einer seelischen Wüste gelebt haben (…).“

Im und um das Jahr 2014 stand ein Jahrestag im Mittelpunkt der literarischen Öffentlichkeit, dem zahlreiche Erscheinungen gewidmet waren: 100 Jahre waren seit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, vergangen. In diesem Umfeld veröffentlichte der Verlag C.H.Beck einen besonderen Band, der sowohl jenes geschichtliche Geschehen als auch ein weiteres Jubiläum zusammenführte: 1866, am 29. Januar und damit vor 150 Jahren, kam der französische Schriftsteller Romain Rolland zur Welt. Der Band „Über den Gräben“ gibt Einblicke in die Gedanken und Gefühle Rollands und ist ein Auszug seiner mehr als 2.000 Seiten umfassenden Tagebuchaufzeichnungen, die er in den Jahren 1914 bis 1919 niedergeschrieben hat. „Abgrund – Romain Rolland „Über den Gräben““ weiterlesen

Lebensauftrag – Barbara Beuys „Helene Schjerfbeck“

„Es ist, als ob die Kunst die Materie aufhebt und alle Dinge, an denen der Mensch haftet, aus dem Blick schafft.“ 

Wirft man einen Blick auf die Namen der Künstler, die die moderne Kunst zur Jahrhundertwende und darüber hinaus geprägt haben, fällt wohl eines auf: Es sind meist nur Männer. In einer Biografie wendet sich die Autorin Barbara Beuys mit Helene Schjerfbeck (1862 – 1946) einer Frau zu, die mit ihren Bildern und Ausstellungen über ihr Heimatland Finnland hinaus und europaweit für Erstaunen gesorgt hat und mit ihrem Selbstverständnis als Frau und Künstlerin viele bis heute inspirieren könnte.     „Lebensauftrag – Barbara Beuys „Helene Schjerfbeck““ weiterlesen

Verlaufen – Willem Frederik Hermans „Nie mehr schlafen“

„Man würde gern umkehren, denkt aber sofort daran, daß Umkehren genauso gefährlich ist wie Weitergehen, und geht weiter.“

Eine Buchmesse ist nicht nur wegen ihrer Menge an Ausstellern, Gästen und ihres einzigartigen Flairs beeindruckend wie faszinierend. Sie begleitet uns eine gewisse Zeit, vor allem mit der besonderen Auswahl eines Gastlandes. In Frankfurt rückte die Literatur der Niederlande und Flanderns in den Fokus der Aufmerksamkeit, und nicht nur aktuelle Autoren und Werke. In einem Online-Beitrag des schweizerischen Rundfunksenders SRF Kultur stieß ich auf den Namen Willem Frederik Hermans (1921 – 1995). Er war mir bekannt durch zwei Neuausgaben seiner Romane „Unter Professoren“ und „Die Dunkelkammer des Damokles“, die ich im Herbstprogramm des Aufbau-Verlages gesehen hatte. Doch es war Hermans Buch „Nie mehr schlafen“, 1966 erstmals erschienen, das in eben jenem Beitrag erwähnt und empfohlen wurde. Es führt mit seiner Handlung nach Nordnorwegen. Eng mit dem nordischen Land verbunden, war mein Interesse sofort geweckt. „Verlaufen – Willem Frederik Hermans „Nie mehr schlafen““ weiterlesen

Schmerz – Nicolas Clément „Nichts als Blüten und Wörter“

„Die Schmerzen sind reglose Weberschiffchen zwischen zwei Stoffbahnen mit zerfetzten Motiven.“

Wie soll man ein Buch beschreiben, das einen sprachlos macht? Der große Kontrast zwischen der Schönheit der Poesie und der dunklen, tieftraurigen Geschichte im Debüt des Franzosen Nicolas Clément „Nichts als Blüten und Wörter“ lässt um letztere ringen. Es ist nicht leicht, über dieses für einen Roman recht schmale Werk zu schreiben, weil der Band in einer sehr kunstvollen Sprache geschrieben ist, aber auch die Abgründe des Menschseins offenbart.  „Schmerz – Nicolas Clément „Nichts als Blüten und Wörter““ weiterlesen