Geheimnisse – Lukas Hartmann „Auf beiden Seiten“

„Alles bleibt Fragment, erschwindelt, ein Seiltanz von Bild zu Bild.“

Als die DDR 1989/1990 mit dem Mauerfall und der friedlichen politischen Wende ihrem Ende zuging, konnte wohl noch keiner erahnen, welches Ausmaß und welche Bedeutung das Ministerium für Staatssicherheit, im Volksmund Stasi genannt, besaß. Womöglich wussten dies nur jene, die direkt oder indirekt mit der „Krake“ zu tun hatten. Doch nicht nur die DDR verfügte über eine spezielle Struktur zum Schutze des Staates. In der Schweiz gab es seit dem Ende der 70er Jahre mit der P 26 eine, nur wenigen Menschen bekannte Organisation, die, aus der Schweizer Armee heraus entstanden, andere beschattete und wenn nötig politisch wie militärisch aktiv werden konnte. Von ihr erzählt der 2015 erschienene Roman „Auf beiden Seiten“ des Schweizers Lukas Hartmann.  Geheimnisse – Lukas Hartmann „Auf beiden Seiten“ weiterlesen

Abgrund – Romain Rolland „Über den Gräben“

„Wird sich derjenige, der später vielleicht diese endlosen Aufzeichnungen liest, klar werden über die endlosen Tage, Monate, Jahre, die wir in einer seelischen Wüste gelebt haben (…).“

Im und um das Jahr 2014 stand ein Jahrestag im Mittelpunkt der literarischen Öffentlichkeit, dem zahlreiche Erscheinungen gewidmet waren: 100 Jahre waren seit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, vergangen. In diesem Umfeld veröffentlichte der Verlag C.H.Beck einen besonderen Band, der sowohl jenes geschichtliche Geschehen als auch ein weiteres Jubiläum zusammenführte: 1866, am 29. Januar und damit vor 150 Jahren, kam der französische Schriftsteller Romain Rolland zur Welt. Der Band „Über den Gräben“ gibt Einblicke in die Gedanken und Gefühle Rollands und ist ein Auszug seiner mehr als 2.000 Seiten umfassenden Tagebuchaufzeichnungen, die er in den Jahren 1914 bis 1919 niedergeschrieben hat. Abgrund – Romain Rolland „Über den Gräben“ weiterlesen

Der Sohn – Lukas Hartmann „Finsteres Glück“

„Im Universum gibt es keinen Platz fürs Paradies.“

Die Fragilität unseres Lebens wird uns nie im Alltag deutlich. Es sind vielmehr besondere Momente, tragische Unfälle oder schwere Krankheiten, die uns an die Endlichkeit erinnern und daran, dass nichts selbstverständlich ist. Lukas Hartmann beschreibt in seinem Roman „Finsteres Glück“ jenen Moment, der den Alltag von einer Tragödie trennt, sowie von der schmerzvollen Zeit der Trauer ob eines schier unermesslichen Verlustes. Der Sohn – Lukas Hartmann „Finsteres Glück“ weiterlesen

Alte neue Zeit – Hansjörg Schertenleib „Jawaka“

„Schafft der Zufall Bedeutung, oder hängt alles zusammen, geordnet nach einem Plan, den wir Menschen nicht verstehen können?“

Katastrophenmeldungen beherrschen die Nachrichten. Städte stehen durch den ansteigenden Meeresspiegel unter Wasser. Woanders ist Dürre. Tierarten sterben aus. Terroranschläge fordern unzählige Tote. Es gibt Aufstände und Unruhen in Europa. Nur etwas mehr als 30 Jahre später soll die Erde nicht mehr so sein, wie wir sie kennen. Nach einer globalen Katastrophe leben die Menschen wie im Mittelalter; in kleinen Siedlungen, von Ritualen und Bräuchen geprägt. Die moderne Technik gibt es nicht mehr. Das Geld wurde abgeschafft. Alte neue Zeit – Hansjörg Schertenleib „Jawaka“ weiterlesen

Spurensuche im ewigen Eis – Stephan Orth "Opas Eisberg"

„Es ist ein seltsames Gefühl, wenn man in eine menschenfeindlichen Wildnis reist, weit weg von der Zivilisation, und dann plötzlich der kargste Ort der Welt etwas Vertrautes gewinnt.“

Das besondere Vermächtnis zeigt sich als „unscheinbares Büchlein“. Gezeichnet vom Zahn der Zeit und Aufenthalten in fremden Ländern erzählt es als Tagebuch die Geschichte einer gefährlichen Abenteuerreise. 1912 gehörte der spätere Architekt Roderich Fick, damals nur 25 Jahre alt, der Schweizer Grönland-Expedition unter der Regie des Expeditionsleiters Alfred de Quervain an. 100 Jahre später wandelt dessen Enkel Stephan Orth auf den Spuren seines Großvaters. Der „Spiegel-Online“-Redakteur wagt sich nach einer ersten Tour zur größten Insel der Welt gemeinsam mit einigen Familienmitgliedern wenig später erneut in die Arktis. Sein Plan: die Überquerung des grönländischen Inlandeises von Ost nach West. Seinen „Opa“ hat Orth nie gekannt, der viele Jahre vor seiner Geburt infolge eines Herzinfarkts verstorben war. Obwohl das Grönland-Kapitel aus dem Leben des Vorfahren der Familie wohlbekannt ist, zählten doch Andenken wie Walross-Elfenbein und Kajak-Paddel zu den besonderen Erbstücken, wird erst dieses Tagebuch zum Auslöser der herausfordernden Jubiläums-Tour im Vier-Mann-Team. Spurensuche im ewigen Eis – Stephan Orth "Opas Eisberg" weiterlesen