„Sie will die Welt schreibend verändern“ – Ein Gespräch über Anna Seghers mit Hans-Willi Ohl

Ihre Werke sind Klassiker. Wer sich mit der Literatur des 20. Jahrhunderts, vor allem mit der Exilliteratur, beschäftigt, kennt sie. Für viele wohl unvergessen: die Lektüre ihrer Romane „Das siebte Kreuz“ oder „Transit“. Anna Seghers zählt zu den bekanntesten Autorinnen ihrer Zeit. Ihre Werke werden weiter gelesen und aufgelegt. Mit dem Vorsitzenden der Anna-Seghers-Gesellschaft, Hans-Willi Ohl, kam „Zeichen & Zeiten“ ins Gespräch – über ihr Werk, ihr Erbe und die Arbeit der Gesellschaft.

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Malin C. M. Rønning – „Skabelon“

„Nachts gehört der Wald nur sich selbst.“ 

Der Wald bedeutet für Urd eine ganze Welt. Er ist das Zuhause ihrer Familie, in der das Leben allerdings alles andere als sorgenlos, idyllisch und heil zu sein scheint. Mit ihren sieben Geschwistern ist sie meist auf sich allein gestellt. Liebe und Zuneigung erfahren sie von ihren Eltern kaum. So zieht sich das Mädchen zurück in die reiche Natur, in der sie sich wohl, sicher und aufgehoben fühlt. Mit ihrem teils düsteren Debüt-Roman „Skabelon“ überzeugte die Norwegerin Malin C. M. Rønning in ihrem Heimatland sowohl Leser als auch Kritiker.

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Jon McGregor – „Stürzen Liegen Stehen“

„Viele Jahre. Junger Mann, alter Mann. Viele Schichten. Diese. Diese Geschichte. Ein Tag. Arbeit. Sturm kommt.“

Antarktis – weiße Welten, eine unwirtliche Gegend, in die der Mensch erst spät seinen Fuß gesetzt hat. Eis und Kälte haben den Kontinent in der südlichen Erdhalbkugel fest im Griff. Bereits seit vielen Jahren arbeitet Robert „Doc“ Wright als erfahrener Camp-Leiter in der Antarktis, wo Vermessungswissenschaftler wie Luke und Thomas tätig sind. Ein Sturm trennt die drei Männer voneinander und bringt sie unweit ihrer Station in Lebensgefahr. Die sicher geglaubte und lebenswichtige Funkverbindung fällt zudem zeitweise aus. Plötzlich ist nichts mehr, wie es einst war. Nur zwei werden überleben. Der Engländer Jon McGregor erzählt in seinem neuen Roman eine berührende Geschichte über Hilflosigkeit und die Folgen, wenn Kommunikation scheitert.    „Jon McGregor – „Stürzen Liegen Stehen““ weiterlesen

Im Duett #4: Florian Knöppler „Kronsnest“ & „Habichtland“

„Man musste größer werden, wenn man nicht untergehen wollte, wachsen oder weichen.“

Nest – das Wort sagt es eigentlich schon. Kronsnest ist ein kleiner Ort. Nur wenige Menschen leben hier. Hinter dem Deich in der Elbmarsch. Man schreibt das Ende der 20er-Jahre, die gar nicht so golden sind. Billige Importe und die Inflation machen es den Bauern zunehmend schwer. In der Gesellschaft brodelt es, Unzufriedenheit herrscht. Die Nazis suchen und finden eifrige Mitläufer. Keine einfache Zeit für Hannes und seine Eltern, die einen Hof betreiben. Florian Knöppler erzählt in seinen beiden Romanen „Kronsnest“ und „Habichtland“ von Hannes, der im zweiten Band mittlerweile in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist, selbst eine Familie hat und sich entscheiden muss, auf welcher Seite er steht.

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Richard Ovenden – „Bedrohte Bücher“

„Bei der Bewahrung von Wissen geht es nicht um die Vergangenheit, sondern um die Zukunft.“ 

Es gibt wohl keinen von uns, der nicht persönliche, womöglich auch prägende Erinnerungen an den Besuch in Bibliotheken besitzt. Gefühlt spannen sie sich wie ein Netz über das Land. Was nicht selbstverständlich ist. Über all die Jahrzehnte und Jahrhunderte waren Bibliotheken und Archive aus den unterschiedlichsten Gründen bedroht.  Richard Ovenden steht seit 2014 der berühmten Bodleian Library in Oxford und damit einer der ältesten Bibliotheken Europas vor. In seinem Buch „Bedrohte Bücher“ verbindet er die Vergangenheit mit der Gegenwart und Zukunft. Er berichtet von furchtbaren Ereignissen im Laufe der Geschichte und fordert, Bibliotheken und Archive zu unterstützen und zu bewahren.

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Constantin Schwab – „Das Journal der Valerie Vogler“

„Kunst kennt keinen Kompromiss.“ 

Wir nennen sie Spitzbergen, die Norweger Svalbard. Die Inselgruppe im Nordatlantik und im Arktischen Ozean ist sowohl Raum für Forscher als auch zunehmend Ziel von kälteaffinen Reisenden. Hier lässt sich staunen über das schillernde Nordlicht und zottelige Eisbären. In die Literatur hat Spitzbergen als Schauplatz hingegen noch wenig Eingang gefunden. Der Österreicher Constantin Schwab verlegt nun die Handlung seines Debütromans nach Spitzbergen, der von einem geheimnisumwobenen Künstlerkollektiv erzählt, das zum ersten Mal eine Außenstehende zu sich einlädt. „Constantin Schwab – „Das Journal der Valerie Vogler““ weiterlesen

Stephan Thome – „Pflaumenregen“

„Der Vergangenheit ist es egal, aus welchem Grund sie uns nicht loslässt.“

Formosa, „schöne Insel“, nannten portugiesische Seefahrer das asiatische Eiland im Westpazifik nach dessen Entdeckung. Heute heißt es Taiwan oder auch Republik China. Bezeichnungen, die auf eine wechselvolle Geschichte hindeuten. In der Inselhauptstadt Taipeh, seiner zweiten Heimat, lebt zeitweise der deutsche Schriftsteller und Sinologe Stephan Thome. In seinem aktuellen und bereits fünften Roman „Pflaumenregen“ erzählt er von einer taiwanesischen Familie und den Wirren des 20. Jahrhunderts – auf eine meisterhafte und einnehmende Weise.

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Mathijs Deen – „Der Holländer“

„Das Meer macht keinen Unterschied zwischen den Menschen.“

Es sind keine unendlichen Weiten, aber die Weite ist hier mehr als deutlich zu spüren. Wenn das Meer sich zurückgezogen hat, der Blick gen Horizont geht, keine Gischt die Aufmerksamkeit an sich bindet. Das Watt ist eine ganz eigentümliche, karge wie wilde und von der Kraft der Gezeiten geprägte Landschaft, die indes auch ihre Tücken hat. In seinem ersten Kriminalroman weist der Niederländer Mathijs Deen ihr eine besondere Rolle zu, die mehr ist, als nur reine Kulisse zu sein.

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Von wegen Kummerkasten – Ein Brief an Stine

Liebe Stine,

nun hast Du (ich darf doch Du sagen? In Skandinavien sieht man das ja etwas lockerer, oder?) dieses Buch geschrieben, und ich wollte einfach mal ein paar Zeilen an Dich richten. Nein, nein, Du sollst nicht mein Kummerkasten sein, meine Probleme kennen nur mein Bonsai und mein Tagebuch. Es soll vielmehr um Dein Buch gehen. Eine lange und langweilige Besprechung wollte ich Dir ersparen und auch nicht unbedingt ein mit Filter aufgehübschtes Bild trendig auf Instagram posten (zugegeben: ich bekomme das mit den prächtigen Grünpflanzen und hübschen Cappucchino-Milchkaffee-Tassen eh nicht wirklich gut hin).  Ich klaue mir einfach mal die Idee von Tobias, alias the last man reading von Buchrevier, und schreibe Dir einen Brief, meinen ersten an eine Autorin überhaupt. Mein persönliches Debüt sozusagen. „Von wegen Kummerkasten – Ein Brief an Stine“ weiterlesen

Kent Haruf – „Ein Sohn der Stadt“

„Jeder in Holt County weiß, was er getan hat.“

Er ist zurück, sitzt, etwas massiger geworden über die Jahre, in einem protzigen roten Cadillac in der Hauptstraße von Holt. Ralph Bird, Besitzer eines Bekleidungsgeschäfts, sieht und erkennt ihn zuerst: Jack Burdette, früher eine Sportskanone und ein Mann mit gutem Ruf und Ansehen, der mittlerweile gewaltig Dreck am Stecken hat. Denn vor acht Jahren war er von einem Tag auf den anderen verschwunden und mit ihm eine stolze Summe der Farmer-Kooperative, deren Chef er war. Jacks überraschende Rückkehr bringt erneut Unruhe in die sonst verschlafene Kleinstadt, in der nichts mehr ist, wie es einst war. In seinem zweiten, 1990 erschienenen Roman „Ein Sohn der Stadt“ erzählt Kent Haruf allerdings nicht nur die Geschichte des Betrügers. „Kent Haruf – „Ein Sohn der Stadt““ weiterlesen