Florentine Anders – „Die Allee“

„Auf diese Weise doppelt genäht zu sein, das hat ihn bisher immer gerettet.“ 

Er hat Spuren hinterlassen, prägende Bauten entstanden in Berlin und anderswo. Sein Schaffen wurde mit renommierten Preisen gewürdigt. Dennoch hat Hermann Henselmann (1905-1995), Chef-Architekt Ost-Berlins, das autoritäre Machtsystem der DDR zu spüren bekommen. Viele Bücher gibt es über die DDR, nun erzählt Henselmanns Enkelin, die Journalistin und Autorin Florentine Anders, die Geschichte ihres Großvaters und die seiner Zeit. Dabei gelingt ihr ein beeindruckender Spagat.

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Herbstlese(n) – Ein Blick in die Vorschauen

Mit Blick in die im Frühjahr nach und nach erschienenen Vorschauen der verschiedenen Verlage ist ja schon seit einigen Wochen gefühlt wieder Herbst. Was uns die bunte Jahreszeit literarisch in den kommenden Wochen und Monaten so beschwert, stelle ich nach dem Durchstöbern der Verlagsprogramme an dieser Stelle vor. Welche kommenden Titel mein Interesse geweckt haben? Ich kann nur soviel sagen, es sind nicht wenige. Und das ist auch gut so.

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Erika Fatland – „Seefahrer“

„Im portugiesischen Imperium ist die Sonne niemals untergegangen.“

Sie hat die Himalaya-Region bereist und eine Handvoll einstige südliche Sowjetrepubliken. Sie hat die unendlich lange Grenze Russlands erkundet. Und immer hat sie auch darüber geschrieben: Erika Fatlands Bücher verbinden auf einzigartige Weise Geschichte mit Gegenwart, erzählen von nahen wie fernen Ländern, ihrer Kultur und ihren Menschen. Zwischen Januar 2022 und Januar 2024 reiste die norwegische Sozialanthropologin und mehrfach preisgekrönte Autorin auf den Spuren des einstigen portugiesischen Imperiums – und nahezu um die ganze Welt. „Erika Fatland – „Seefahrer““ weiterlesen

Kaliane Bradley – „Das Ministerium der Zeit“

„Setze dein Narrativ als Kanon, und du hast der Zeit den Tod abgeluchst, solange sich Menschen an das Narrativ erinnern.“

Gibt es Parallelzeiten, eine Welt oder mehrere Welten neben unserer? Wissenschaftler und Philosophen diskutieren schon seit Längerem darüber – und über die Möglichkeit von Zeitreisen. Ein faszinierendes Thema, das sich immer wieder in Romanen wie auch Filmen finden lässt. Die britisch-kambodschanische Autorin Kaliane Bradley führt in ihrem Romandebüt „Das Ministerium der Zeit“ sowohl in die baldige Zukunft als auch in die Vergangenheit.

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Annett Gröschner – „Schwebende Lasten“

„Wäre Hanna eine Blume gewesen, dann am liebsten eine Hortensie.“ 

Nach Hannas Ende kommen die Zwergsonnenblumen. Sie wachsen, begrenzen das Grundstück, auf dem einst der Laden gestanden hat, wo sie als Floristin gearbeitet hatte. Da ist Hanna schon nicht mehr, oder in einer besonderen Weise doch? Ihr Leben war lang und wechselvoll – und gezeichnet von der Zeit. Fast ein Jahrhundert, vier politische Systeme und zwei Weltkriege (über-)erlebte die Heldin in Annett Gröschners großartigen Roman „Schwebende Lasten“.

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Simon Stranger – „Museum der Mörder und Lebensretter“

„Welche dunklen Schluchten und Abgründe konnten sich in den Tiefen eines Menschen verbergen?“

Donau. Ich denke da an Wasser, einen durch Länder strömenden Fluss. An bekannte Städte. Wien, Budapest, Bratislava, Belgrad. An eine Schiffsfahrt. Norwegische Juden verbinden diesen Namen jedoch mit einem niemals endenden Schmerz. Mit Leid, Tod und Auslöschung. Die MS „Donau“ brachte während des Zweiten Weltkriegs Hunderte Juden von Oslo nach Polen, wo die meisten in den dortigen Konzentrationslagern ermordet wurden. Dass Ellen und ihre Familie im Herbst 1942 nicht auf das deutsche Frachtschiff kamen, ist Fluchthelfern zu verdanken, die die Glotts über die Grenze nach Schweden brachten. Zwei von ihnen haben jedoch ein düsteres Geheimnis, das erst Jahre später aufgedeckt wird.

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