Lot Vekemans – „Der Verschwundene“

„Leute wollten nur eine gute Geschichte hören, um ihre eigene miese Geschichte zu vergessen.“

Er hat allen den Rücken gekehrt. Seinen Eltern, seinen Geschwistern, seinem Heimatland. Als junger Mann zog es Simon Bekkers von den Niederlanden nach Kanada, um sich ein eigenes Leben aufzubauen, um alle Brücken hinter sich abzubrechen. Nach Jahren der Stille und des Schweigens meldet sich jedoch plötzlich Simons Schwester Hanne. Er soll seinen Neffen Daan aufnehmen. Doch die erste Begegnung führt zu einer Tragödie. Während einer Tour in den Rocky Mountains verschwindet Daan. Mit „Der Verschwundene“ hat die niederländische Schriftstellerin Lot Vekemans einen fesselnden, vor allem aber auch psychologisch tiefgründigen Roman geschrieben.

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Jan-Erik Fjell – „Nachtjagd“

Eine junge Frau wird mit unzähligen Verletzungen tot an einem See nahe einem Sägewerk aufgefunden. Ermittler Anton Brekke und seine Kollegen haben einen schlimmen Verdacht. Er ist wieder zurück: Stig Hellum, der gefürchtete Serienmörder, der kürzlich aus der Haftanstalt Ila fliehen konnte. Er war einige Jahre zuvor schuldig gesprochen worden, drei Frauen getötet zu haben. Dann wird eine zweite tote Frau, ebenfalls grausam zugerichtet, gefunden. Die Polizei stochert im Nebel, kommt bei ihrer Suche nach Hellum nicht weiter. Bis eine weitere Leiche gefunden wird, die allerdings die Arbeit der Ermittler komplett auf den Kopf stellt. Mit „Nachtjagd“ erleben deutsche Leser den sechsten Fall der Brekke-Reihe des norwegischen Krimi-Autors Jan-Erik Fjell.

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Chris Lloyd – „Die Toten vom Gare d’Austerlitz“

„Krieg entfremdet uns von uns selbst.“

Es ist Tag eins der deutschen Besatzung. Soldaten der Wehrmacht nehmen Paris ein. Es ist nicht das einzige Problem von Inspecteur Éduard „Eddie“ Giral. Er wird zum Gare d’Austerlitz gerufen. In einem Waggon auf einem Abstellgleis sind die Leichen von vier polnischen Flüchtlingen gefunden worden. Wenig später sorgt ein weiterer Fall für Aufregung: Ein weiterer Pole hat sich aus dem Fenster gestürzt. Der Ermittler vermutet einen Zusammenhang zwischen beiden Fällen. In seine Arbeit mischen sich jedoch die neuen Herren der Seine-Stadt ein. Sein missliebiger Kollege Auban macht, was er will. Und dann taucht auch noch Girals Sohn auf, den er 15 Jahre nicht mehr gesehen hat. Chris Lloyds historischer Krimi ist spannend, komplex und ein eindrückliches Panorama vom Paris jener Zeit. „Chris Lloyd – „Die Toten vom Gare d’Austerlitz““ weiterlesen

Anthony McCarten – „Going Zero“

„Es gibt keine Geheimnisse mehr. Wir alle stehen heute nackt im grellen Scheinwerferlicht.“

Noch vor einigen Jahren recht naiv, wunderte ich mich über Online-Werbung. Ich hatte zu Hause an einem Abend nach einer neuen Waschmaschine gegoogelt. Tags darauf konnte ich mich vor Angeboten nicht retten, als ich im Büro das Internet öffnete. Überall schwirrten Anzeigen auf den Seiten, die ich aufrief. Zweifellos: Wir sind gläsern. Alles, was wir tun, was wir in das weltweite Netz hineintragen, wird gesammelt. Nicht nur Krimi-Serien zeigen uns, was mittlerweile Behörden an Daten selbst rein legal zusammentragen können. Weit beängstigender sind die Möglichkeiten und Wege der Tech-Konzerne. Ein erschreckendes Bild zeigt uns der Neuseeländer Anthony McCarten in seinem neuen Roman „Going Zero“ auf, wobei er das Thema der Überwachung mit einem weiteren größeren Problem auf beeindruckende Weise verknüpft.

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Christoffer Carlsson – „Unter dem Sturm“

„Dörfer haben ihre Erinnerungen. Sie haben Lebensschicksale und Todesfälle.“ 

In die Krimi-Literatur scheint ein anderer Ton einzuziehen, ein leiser, indes nicht minder fordernder. In diesen Geschichten gibt es zwar Täter und Opfer, aber keine extremen Grausamkeiten, keine ausufernden Blutlachen, keine wilden Verfolgungsjagden. Es geht darin vielmehr um die Menschen und den Ort, in dem sie leben. Was macht ein Verbrechen mit den Personen, die das Opfer kannten, was mit einer Gemeinschaft, die bereits den Schuldigen gefunden zu haben glaubt? Der schwedische Kriminologe und preisgekrönte Autor Christoffer Carlsson stellt sich in seinem Roman „Unter dem Sturm“ diesen Fragen und erzählt von einer besonderen Beziehung zwischen einem Onkel und seinem Neffen und einem charismatischen Polizisten, den ein Fall viele Jahre nicht loslässt.

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James Kestrel – „Fünf Winter“

„In seinem Inneren machte sich eine Stille breit, ein tiefer, dunkler Raum.“

Paradies im Pazifik, tropische Perle. Hawaii ist Sehnsuchtsort und Traumziel. Am 7. Dezember 1941 wird die Insel indes zur Hölle. Mehr als 2.400 Menschen sterben beim Angriff der japanischen Armee auf die US-amerikanische Pazifik-Flotte in Pearl Habor. Joe McGrady, Police Detective auf Hawaii und Ex-Soldat, wird da schon auf der anderen Seite des Ozeans, in Hongkong sein. Er ist auf der Suche nach einem kaltblütigen Mörder, nichtsahnend, dass seine Jagd ihn fünf Jahre lang von seinem Zuhause trennen wird. „Fünf Winter“ heißt denn auch der Roman des Amerikaners James Kestrel, der dafür zwei hochrangige Preise erhalten hat.

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