Abgründe – Smith Henderson „Montana“

„Nur noch Jäger und kaum Gejagte. Austeiler. Keine Kümmerer.“ 

Montana könnte mit Blick auf die geringe Bevölkerungsdichte als das Mecklenburg-Vorpommern der Vereinigten Staaten gelten. Auf einer Fläche nahezu so groß wie Deutschland leben nicht mehr als eine Million Menschen. In dem Bundesstaat, im Norden der USA und an der Grenze zu Kanada gelegen, gibt es also sehr viel Platz und sehr viel Ruhe. Womöglich allzu viel davon. Die Wege zwischen den Menschen sind weit, jeder kocht unbeobachtet vom Rest der Welt sein eigenes Süppchen. Sozialarbeiter Pete Snow hat alle Hände voll zu tun, Kinder aus Problemfamilien in Sicherheit zu bringen und aus der Spirale aus Drogen, Missbrauch und Gewalt zu holen.  „Abgründe – Smith Henderson „Montana““ weiterlesen →

Bodenlos – Frank O. Rudkoffsky „Dezemberfieber“

„Manchmal habe ich das Gefühl, daß schon hinter kleinsten Rissen ein Abgrund klafft.“

Selbst Tausende Kilometer Entfernung und mehrere Zeitzonen zwischen Heimat und Urlaubsziel erleichtern Bastians Seele nicht. Das Gefühl, mit seiner Freundin Nina ein Traumland und eine Traumreise zu erleben, hält nicht lange vor. Ein Brieftagebuch seiner Eltern und seine eigenen dunklen Gedanken ziehen ihn hinunter. Stetig und unaufhörlich. Der frühe Tod seiner Mutter und das Zerbrechen der Familie infolge ihrer Depression sind Traumata, die Bastian noch längst nicht verarbeitet hat. „Bodenlos – Frank O. Rudkoffsky „Dezemberfieber““ weiterlesen →

Eine Wiederbegegnung mit Ketil Bjørnstad

Neulich fiel sie mir wieder in die Hände: die CD mit dem kurzen wie prägnanten Titel „Grace“ und dem zarten und elfenbeinfarbenen Gesicht einer Frauen-Plastik auf dem Cover. Das Album von Ketil Bjørnstad enthält nicht nur eines meiner Lieblingslieder: „Lovers Infiniteness“.  Darüber hinaus begleitet mich der Norweger mit seinen Werken schon seit einigen Jahren – sowohl mit seinen Romanen als auch mit seiner Musik. Grund genug, ihm nun einen Beitrag zu widmen – zusammen mit der wunderbaren Nachricht als Anlass, dass Norwegen das Gastland auf der Frankfurter Buchmesse 2019 sein wird. „Eine Wiederbegegnung mit Ketil Bjørnstad“ weiterlesen →

Rückblende – Anthony Marra „Letztes Lied einer vergangenen Welt“

„Es gibt mehr Möglichkeiten, sich an einen Menschen zu erinnern, als es Menschen auf der Welt gibt.“

In einem meiner Lieblingsbuchläden fiel er mir auf: der Roman von Anthony Marra mit dem Titel „Die niedrigen Himmel“. Mit diesem meisterhaften Buch erlebte ich meine erste literarische Begegnung mit Tschetschenien – ein Land, das in den vergangenen Jahren vor allem durch die Berichte zweier Kriege regelmäßig in die Schlagzeilen gekommen war. Mit seinem neuesten Werk „Letztes Lied einer vergangenen Welt“ kehrt der Amerikaner zurück in dieses traditionsreiche wie einst zerrüttete Land und spannt den Bogen indes zeitlich und geografisch weiter.   „Rückblende – Anthony Marra „Letztes Lied einer vergangenen Welt““ weiterlesen →

Lebenslauf – François Roux „Die Summe unseres Glücks“

„Es ist unangenehm, wenn man sich eingestehen muss, dass die Wirklichkeit nie an die Träume heranreichen wird, die man immer gehegt hat.“

Was wird aus den Wünschen, Träumen und Hoffnungen unserer Jugend, wenn wir erwachsen sind? Der eine oder andere Wunsch mag womöglich in Erfüllung gehen: Erfolg im Beruf, Geld, Ruhm, eine Familie. Doch zu welch einem Preis versuchen wir, alles zu erreichen? Gedanken, die François Roux in seinem Roman „Die Summe unseres Glücks“ nachgeht. Doch der Franzose porträtiert nicht nur das Leben und Seelenleben von vier Freunden. Er spürt auch den inneren Zustand seines Heimatlandes nach. Auf eindrucksvolle Weise.   „Lebenslauf – François Roux „Die Summe unseres Glücks““ weiterlesen →

Machtsystem – Robert Darnton „Die Zensoren“

„Das Genehmigungsverfahren, die staatliche Aufsicht, kürzer und nicht wenig klar gesagt: die Zensur der Verlage und Bücher, der Verleger und Autoren, ist überlebt, nutzlos, paradox, menschenfeindlich, volksfeindlich, ungesetzlich und strafbar.“ (Christoph Hein, 1987)

Schmähungen, Verfolgung und Haft, Druckverweigerung, Bücherverbrennung: Die Möglichkeiten, wie frühere Herrscher in den Literaturbetrieb eingegriffen haben, sind komplex und reichen weit über den berühmt-berüchtigten Rotstift hinaus. Das Ziel bleibt hingegen gleich: die Macht und das System zu bewahren. Und da spielt es keine Rolle, in welche Kapitel der Weltgeschichte man blickt. Der renommierte amerikanische Wissenschaftler Robert Darnton berichtet in seinem jüngsten Werk „Die Zensoren“ über drei verschiedene Länder und drei verschiedene Jahrhunderte. „Machtsystem – Robert Darnton „Die Zensoren““ weiterlesen →