Lot Vekemans – „Der Verschwundene“

„Leute wollten nur eine gute Geschichte hören, um ihre eigene miese Geschichte zu vergessen.“

Er hat allen den Rücken gekehrt. Seinen Eltern, seinen Geschwistern, seinem Heimatland. Als junger Mann zog es Simon Bekkers von den Niederlanden nach Kanada, um sich ein eigenes Leben aufzubauen, um alle Brücken hinter sich abzubrechen. Nach Jahren der Stille und des Schweigens meldet sich jedoch plötzlich Simons Schwester Hanne. Er soll seinen Neffen Daan aufnehmen. Doch die erste Begegnung führt zu einer Tragödie. Während einer Tour in den Rocky Mountains verschwindet Daan. Mit „Der Verschwundene“ hat die niederländische Schriftstellerin Lot Vekemans einen fesselnden, vor allem aber auch psychologisch tiefgründigen Roman geschrieben.

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Auður Ava Ólafsdóttir – „Hotel Silence“

„Die Stille rettet die Welt.“

Seine Frau Gudrun hat ihn verlassen, die gemeinsame Tochter geht eigene Wege, seine Mutter leidet unter Demenz. Jonas Ebeneser hat seinen Lebensmut verloren. Er will seinem Leben ein Ende setzen. Doch nicht zu Hause, in der vertrauten Umgebung, sondern irgendwo in der Fremde. Still und leise verreist er an einen Ort, wo die meisten Menschen ganz andere Sorgen haben. Denn hier herrscht Krieg. Die isländische Schriftstellerin Auður Ava Ólafsdóttir legt mit ihrem Roman „Hotel Silence“ ein stilles melancholisches Werk vor, das allerdings auch Funken von Hoffnung in sich trägt. „Auður Ava Ólafsdóttir – „Hotel Silence““ weiterlesen

Tom Kromer – „Warten auf nichts“

„Ich bin ein Mensch und ich habe Hunger.“

Sein Zuhause ist die Straße. Er lebt von der Hand in den Mund, zieht von Suppenküche zu Suppenküche, von Armenhaus zu Armenhaus. Leerstehende Gebäude oder Waggons bieten ihm nur kurzzeitig ein Obdach. Arbeit findet er wie so viele andere keine. Es sind die harten Jahre der Weltwirtschaftskrise, die Zeit der großen Depression nach dem Börsencrash 1929. Der Amerikaner Tom Kromer (1906-1969) hat seine Erlebnisse niedergeschrieben, als er – ganz unten – obdachlos ist, als Hobo durch das Land reist. Sein eindrücklicher Roman „Warten auf nichts“ erschien 1935, geriet in Vergessenheit und kann allerdings nun (wieder)-entdeckt werden; erstmals auch in deutscher Übersetzung. „Tom Kromer – „Warten auf nichts““ weiterlesen

Hanna Bjørgaas – „Das geheime Leben in der Stadt“

„Wie ein fünf Zentimeter langer Tropfstein hing sie da – friedlich und mit geschlossenen Augen. Eines der geheimnisvollsten Lebewesen der Stadt.“

Erst eine Reise ans Ende der Welt ins tiefste Eis lenkt ihren Blick zurück auf die Schätze der heimatlichen Natur. Zwischen Pinguinen und Robben entdeckt die Biologin Hanna Bjørgaas während einer Schiffstour in die Antarktis die Gewöhnliche Gelbflechte, eine Art, die sie bereits aus ihrer Heimat Norwegen kennt. Statt einer erneuten Expedition in die Ferne beginnt sie vor der eigenen Haustür zu forschen – mit erstaunlichen Ergebnissen. Denn die Natur in der Stadt ist mannigfaltiger als gedacht. Ihr Buch „Das geheime Leben in der Stadt“ öffnet die Augen für das wilde Leben in der Nachbarschaft.

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Tess Gunty – „Der Kaninchenstall“

„Manchmal geht es zu wie im Irrenhaus, oder? Ich meine, so viele Leben, die gerettet werden müssen.“

Dünne Wände, hellhörig, beengt, geruchsintensiv. Meine Erinnerungen an einen Kaninchenstall sind noch recht lebendig. Mein Vater hielt die flauschigen Vierbeiner, wir lebten auf dem Land. Wenn ich als Kind nicht folgte, hieß es: „Du kommst gleich in den Kaninchenstall!“. Es ist niemals passiert, ich blieb immer vor der Tür stehen und gab den Tieren Heu, Möhrchen und eine Streicheleinheit. Kaninchen finden sich an vielen Stellen in den mehrfach preisgekrönten Debüt der US-amerikanischen Schriftstellerin Tess Gunty – nicht nur im Titel des ungewöhnlichen Romans. „Tess Gunty – „Der Kaninchenstall““ weiterlesen

Xi Xi – „Meine Stadt“

„Tag für Tag verabschiedet sich etwas in dieser Stadt still und leise von uns, verblasst allmählich, und verschwindet dann ganz.“

Hongkong: multikulturelle mehrsprachige Metropole, vom Wasser umgeben. Einst britische Kronkolonie, heute Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China. Teuer, aber sicher. Mehr als sieben Millionen Menschen leben hier, auf einer Halbinsel und auf mehr als 260 Eilande verteilt. Zugegeben: Ich war noch nie dort. Selbst literarisch recht selten. Nun allerdings ergibt sich die Möglichkeit dafür, wenigstens mit einem Buch nach Fernost zu reisen. Denn erstmals ist der Kultroman „Meine Stadt“ der hongkong-chinesischen Autorin Xi Xi (1937-2022) in deutscher Übersetzung erschienen. „Xi Xi – „Meine Stadt““ weiterlesen