Carsten Jensen „Der erste Stein“

„(…) Afghanistan ist eine Erdbebenzone, eine Herausforderung für die menschliche Vernunft.“

Wer über ein Land schreiben will, muss es bereisen. Carsten Jensen besuchte in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten mehrfach Afghanistan. Ein Aufenthalt führte den dänischen Autor 2009 in das Militärcamp Price in Helmand, im Süden des Landes an der Grenze zu Pakistan gelegen, wenig später verfolgte er ein Training dänischer Soldaten, die später in das von Krieg und Krisen geschüttelte Land entsendet werden sollten. Seine umfangreichen Recherchen, seine Informationen und Beobachtungen, mündeten schließlich in den Roman „Der erste Stein“, der über einen Zug dänischer Soldaten und ihre schrecklichen Erlebnisse erzählt.

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„Det er den draumen me ber på“ – Norwegens Weg zum Ehrengast

Nach der Leipziger Buchmesse mit Tschechien als Ehrengast geht es nun in den Norden. Norwegen ist das Gastland in Frankfurt. Ein Blick in den Veranstaltungskalender der Frühjahrsmesse erweckte den Eindruck, dass die Skandinavier bereits volle Fahrt aufgenommen haben für ihren großen Auftritt im Oktober. Allein 18 norwegische Autoren waren zu 40 Veranstaltungen in der sächsischen Messestadt zu erleben. Das schon traditionelle Nordische Forum in Halle 4 war größer, da Norwegen auf der Buchmesse mit einem eigenen Stand präsent war. „„Det er den draumen me ber på“ – Norwegens Weg zum Ehrengast“ weiterlesen

Matias Faldbakken „The Hills“

„Gewohnheit ist eine Decke, die sich über das Wesen der Dinge legt (…).“

Hier lässt man sich für eine gewisse Zeit nieder – um zu speisen, zu trinken, zu verhandeln, vielleicht auch zu flirten. Ein Restaurant ist ein Ort des Genusses, der Geschäfte, der Anbahnung und Festigung von Beziehungen. All das sieht der erfahrene Kellner in dem wunderbaren Roman „The Hills“ aus der Feder des Norwegers Matias Faldbakken ganz genau. Er ist Protagonist und Erzähler zugleich, der über die alltäglichen Geschehnisse in dem Restaurant und die plötzlich auftretenden Ereignisse auf seine ganz eigene Art berichtet.  

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Backlist #9 – Einar Már Gudmundsson „Engel des Universums“

„Selbstverständlich verstehe ich die Wirklichkeit ebensowenig wie sie mich.“

Auf der Seite vor dem Beginn des Romans steht eine Widmung, ein Name, zwei Lebensdaten: Pálmi Orn Gudmundsson – geb. 22. April 1949 – gest. 27. Mai 1992. Er war der Bruder von Einar Már Gudmundsson. Seinen Roman „Engel des Universums“ hat der isländische Autor Pálmi gewidmet, der an Schizophrenie gelitten und sich im Alter von 43 Jahren das Leben genommen hat. Wie sich die psychische Erkrankung äußert, wie die Außenwelt darauf reagiert, beschreibt Gudmundsson auf unnachahmliche Art und Weise in seinem Buch „Engel des Universums“, für das er 1995 mit dem renommierten Literaturpreis des Nordischen Rates, der wichtigsten literarischen Auszeichnung in Skandinavien, gewürdigt wurde. „Backlist #9 – Einar Már Gudmundsson „Engel des Universums““ weiterlesen

Inger-Maria Mahlke „Archipel“

„Seltsam, wie einen das Leben die Bedeutung von Zeit lehrt.“

Inger-Maria Mahlke hat mit ihrem Roman „Archipel“ im vergangenen Jahr den Deutschen Buchpreis gewonnen. Mehr und mehr scheinen die Schauplätze der ausgezeichneten Werke das „Weite zu suchen“. Bodo Kirchhoffs Novelle „Widerfahrnis“ führt nach Sizilien, Robert Menasses Roman „Die Hauptstadt“ nach Brüssel. „Archipel“ setzt den Leser wieder auf eine Insel aus, wie der Titel bereits verrät. Die Autorin erzählt in ihrem Roman eine auf Teneriffa angesiedelte Familiengeschichte. Und das auf besondere und beeindruckende Art und Weise. „Inger-Maria Mahlke „Archipel““ weiterlesen

Jeroen Olyslaegers „Weil der Mensch erbärmlich ist“

„In jedem Mitläufer steckt ein Dreckskerl.“

Die Zeit teilt sich, in die des Schuldigseins und jene der Schuldbekenntnisse. Wobei nicht alle Menschen diesen Weg, diese Entwicklung vollziehen. Der Held in dem eindrucksvollen Roman des flämischen Autors Jeroen Olyslaegers mit dem markanten Titel „Weil der Mensch erbärmlich ist“ blickt zurück auf die Zeit der deutschen Besatzung, als er als Hilfspolizist auf beidenSeiten gestanden hat. Jahrzehnte nachdem er eine unwiderrufliche Schuld auf sich geladen hat, schreibt er seine Erlebnisse nieder. „Jeroen Olyslaegers „Weil der Mensch erbärmlich ist““ weiterlesen