Toril Brekke – „Ein rostiger Klang von Freiheit“

1968 – ein Jahr, das mit Ereignissen und Entwicklungen Geschichte geschrieben und den Lauf der Zeit maßgeblich geprägt hat. Ein politisches wie gesellschaftliches Rumoren, das auch Oslo erreicht, in dem die Jugend gegen den Vietnam-Krieg protestiert. Im Sommer 1968 steht Agathe vor ihrem letzten Schuljahr. In ihrem Drang nach Freiheit wechselt sie die Schule, verlässt die vertraute Umgebung, um sich der Gemeinschaft der neu gegründeten reformpädagogischen Summerhill-Schule anzuschließen. Doch ein Anruf sorgt bei Agathe und ihrem jüngeren Bruder Morten für Aufregung. In ihrem doppelbödigen Roman „Ein rostiger Klang von Freiheit“ erzählt die norwegische Schriftstellerin Toril Brekke von einer besonderen Zeit und einer Familie, deren Leben von mehreren Geheimnissen überschattet wird.

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Per Petterson – „Männer in meiner Lage“

„(…) denn alles, was ich an Dunkelheit hatte, drückte von innen gegen die Wände und füllte den Raum (…).“

Als sie in Oslo die Fähre in Richtung Frederikshavn bestiegen, konnte keiner der 383 Passagiere und 99 Besatzungsmitglieder an jenem 7. April 1990 ahnen, dass ihre folgende Fahrt über das Skagerrak in eine verheerende Katastrophe münden würde. Bei einem Brand auf der „Scandinavian Star“ starben an jenem Tag 159 Menschen. Darunter die Eltern und der jüngste Bruder des norwegischen Schriftstellers Per Petterson.  Nach seinem bereits im Jahr 2007 in deutscher Übersetzung erschienenen Roman „Im Kielwasser“ verarbeitet er auch in seinem jüngsten Buch „Männer in meiner Lage“ das Drama und den Verlust, den er damals als 38-Jähriger erfahren musste.  „Per Petterson – „Männer in meiner Lage““ weiterlesen

Nuruddin Farah – „Im Norden der Dämmerung“

„Es gibt Augenblicke im Leben, wenn sich alles, was man für einen Sieg hält, in der Praxis als Niederlage erweist.“ 

Es sind schon viele Jahren vergangen, als Mugdi und seine Frau Gacalo ihre Heimat Somalia verlassen haben. Mittlerweile lebt der frühere Botschafter mit seiner Frau in Oslo. Das Ehepaar hat sich integriert, die Sprache gelernt, Freunde gefunden. Er übersetzt norwegische Bücher ins Englische, sie arbeitet im Staatsdienst. Trotz des guten und sicheren Lebens in Norwegen zog es ihren Sohn Dhaqaneh indes wieder nach Afrika zurück, wo er sich einer islamistischen Terrorgruppe anschloss und bei einem Selbstmordattentat ums Leben kam. Gacalo lässt nichts unversucht, die Schwiegertochter Waliya mit ihren Kindern nach Oslo zu holen – gegen den Willen ihres Mannes. Mit „Im Norden der Dämmerung“ hat der somalische Autor Nuruddin Farah einen eindrücklichen Roman geschrieben, der sich den noch immer und weiterhin aktuellen Themen Extremismus und Integration annimmt. „Nuruddin Farah – „Im Norden der Dämmerung““ weiterlesen

Backlist #16 – Jan Kjærstad „Ich bin die Walker Brüder“

„Einige wenige Jahre besitzen wir die Fähigkeit, magisch zu denken.“

Es sind nur wenige Sekunden, die das Leben von Odd Marius Walaker verändern. Er stürzt mit seinem Fahrrad, geblendet von einer seltenen Münze. Und das auch noch auf dem Schlossplatz in Oslo. Seitdem ist nichts mehr wie es war. Der 14-Jährige spürt besondere Kräfte in sich wirken. Vor allem sein Denken und seine Wahrnehmung haben sich verschärft, sind intensiver geworden. Er glaubt, über die sogenannte W-Potenz zu verfügen, und nennt sich fortan die Walker Brüder. In seinem 2008 im Original erschienenen Roman („Jeg er brødrene Walker“) beweist der norwegische Schriftsteller Jan Kjærstad einmal mehr seine Meisterschaft für besondere, besonders skurrile Romane. „Backlist #16 – Jan Kjærstad „Ich bin die Walker Brüder““ weiterlesen

Lars Saabye Christensen – „Die Spuren der Stadt“

„Das ganze Leben ist eine Frist.“

Es gibt Schriftsteller, die füllen mit ihren Werken mit der Zeit nicht nur die Regale ihrer Leser. Sie sind Begleiter – über Jahre, Jahrzehnte. Für mich ist der Norweger Lars Saabye Christensen ein solcher Autor. Ich lernte ihn mit seinem Roman „Yesterday“ kennen, in dem vier Jungen im Mittelpunkt stehen, die in Oslo der 1960er-Jahre die Beatlesmania hautnah erleben. Ich verschlang vor einigen Jahren Christensens preisgekröntes Werk „Der Halbbruder“, zuletzt verschaffte mir der dicke Wälzer „Magnet“ eine eindrückliche Lektüre. Vor einigen Monaten erschien in deutscher Übersetzung sein Roman „Die Spuren der Stadt“ – sein nicht ohne Grund vermutlich bisher persönlichstes Buch.

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Matias Faldbakken „The Hills“

„Gewohnheit ist eine Decke, die sich über das Wesen der Dinge legt (…).“

Hier lässt man sich für eine gewisse Zeit nieder – um zu speisen, zu trinken, zu verhandeln, vielleicht auch zu flirten. Ein Restaurant ist ein Ort des Genusses, der Geschäfte, der Anbahnung und Festigung von Beziehungen. All das sieht der erfahrene Kellner in dem wunderbaren Roman „The Hills“ aus der Feder des Norwegers Matias Faldbakken ganz genau. Er ist Protagonist und Erzähler zugleich, der über die alltäglichen Geschehnisse in dem Restaurant und die plötzlich auftretenden Ereignisse auf seine ganz eigene Art berichtet.  

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Blut – Jo Nesbø „Durst“

Es ist der Herbst des Jo Nesbø. In den deutschen Kinos läuft aktuell die Verfilmung seines Romans „Schneemann“, da liegt auch schon der neue Fall des charismatischen Ermittlers Harry Hole in den Auslagen der Buchläden. „Durst“ heißt das neue Buch, das dem Leser die Abgründe des Menschen, von Mörder wie Ermittler gleichermaßen, aufzeigt. Denn wer Hole kennt, weiß um seinen gebrochenen Charakter. Auf der einen Seite erfolgreich hat der Ermittler mit seiner Alkoholsucht, seinem dunklen Wesen und seiner extremen Arbeitswut zu kämpfen. „Blut – Jo Nesbø „Durst““ weiterlesen