Backlist #13 – Jochen Missfeldt „Solsbüll“

„Das Schweigen steckte tief. Es steckt in den Muscheln. Es steckt in der Erde. Es steckt auch in den Sternen. Es steckt im Mond. Es steckt in der Ostsee.“

Mit ihrem Debüt „Altes Land“ gelang Dörte Hansen 2015 ein immenser Erfolg. Auch ihr aktueller Roman „Mittagsstunde“, 2018 erschienen, kann sich Bestseller nennen. Manchmal ist es schon erstaunlich, warum ein Buch sich übermäßig gut verkauft ein anderes jedoch nicht; letzteres vielleicht sogar etwas in Vergessenheit geraten ist, nicht die Aufmerksamkeit erhält, die es verdient hätte. Dabei hat „Solsbüll“ von Jochen Missfeldt all das, was beispielsweise die Werke Hansens ausmachen: ein norddeutsches Dorf, bewegende Schicksale und die Geschichte, die sich tief in das Leben der Menschen einprägt. Und „Solsbüll“ hat gar noch einiges mehr.

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Gøhril Gabrielsen – „Die Einsamkeit der Seevögel“

„Die eigene Verwundbarkeit analysieren, das ist es, was dieser Ort und ich brauchen (…).“

Dunkelheit und Kälte herrschen. Es ist Winter im äußersten Norden Norwegens. Eine Fischerhütte ist für die kommenden Wochen und Monate das Zuhause einer Wissenschaftlerin. Der nächste Ort ist 100 Kilometer entfernt. Sie will forschen, erfahren, wie sich die Klimaveränderungen auf die Populationen der Seevögel auswirken. Doch die Zeit als Einsiedlerin, ausgeliefert der kargen und weiten Landschaft und den Witterungsbedingungen, wird für die junge Frau zu einer intensiven körperlichen wie mentalen Herausforderung, weil auch ihre eigenen Erwartungen an diesen Forschungsaufenthalt anders sind als die Realität und sie überrollt wird von der Vergangenheit. „Gøhril Gabrielsen – „Die Einsamkeit der Seevögel““ weiterlesen

Jón Kalman Stefánsson – „Ástas Geschichte“

„Und das Leben kann ein so schrecklich kurzer Atemzug sein.“

Was ist ein Leben anderes als ein Wollknäuel aus Fäden verschiedener Farben, die sowohl für die eigenen Erlebnisse, Gedanken und Erinnerungen als auch für die Gedanken und Erinnerungen anderer, die uns all die Jahre über begleiten, stehen. An ein solches Wollknäuel erinnert der neue Roman des Isländers Jón Kalman Stefánsson, denn in „Ástas Geschichte“ findet sich ein Chor aus Stimmen, die zusammengefügt ein eindrückliches Bild einer besonderen Frau erschaffen.

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Damir Karakaš – Erinnerung an den Wald

„Dann stelle ich mir vor, dass es auch die nicht mehr geben wird, die so gesund sind, dass sie sogar Astronauten sein können, dass wir vor dem Weltuntergang auf der Erde alle gleich sind, und das Atmen fällt mir viel leichter.“

Die Schwächeren werden in eine raue Welt gestoßen. Sie müssen jeden Tag kämpfen. Um sich den Herausforderungen zu stellen, um den Erniedrigungen zu begegnen, um sich selbst und das innere Wertgefühl oder den Rest, der davon im Laufe der Zeit übriggeblieben ist, zu beschützen. Der Junge im Roman des kroatischen Schriftstellers Damir Karakaš ist herzkrank, sein Vater versteckt seine Unzufriedenheit ob der körperlichen Schwäche und Magerkeit seines Sohnes nicht. Und die Welt, in der der Junge an der Seite seiner Eltern, der jüngeren Schwester und der Großmutter heranwächst, offenbart sich auch ohne die Gefühlsausbrüche des Vaters, die in den Satz „Warum schafft Gott so etwas, was nicht zum Leben taugt“ gipfeln, als herb und recht ungemütlich. „Damir Karakaš – Erinnerung an den Wald“ weiterlesen

Martyna Bunda – „Das Glück der kalten Jahre“

„Der junge Arzt wusste freilich, dass sich hinter der Maske dieses Humors schmerzliche Wunden verbargen.“ 

Rozela ist die erste im Dorf, die ein Haus aus Steinen errichtet. Da ist Abram, ihr ruheloser Mann, der es nirgendwo lange aushält, nicht einmal bei seiner Frau, längst tot. Verstorben im Jahr 1932 nach einem tragischen Unfall auf einer Baustelle. Fortan ist Rozela Witwe, allein erziehende Mutter dreier Töchter und eben Hausbesitzerin. Ihr eigenes Heim in dem kleinen Ort Dziewcza Góra soll in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zum Zentrum der Familie, zu einem Ort der Freude, aber auch des Schmerzes werden. Mit ihrem Debüt „Das Glück der kalten Jahre“ hat die preisgekrönte polnische Journalistin Martyna Bunda einen berührenden Roman über vier starke Frauen geschrieben, der zwar in der kaschubischen Provinz spielt, jedoch von großen historischen Ereignissen sowie persönlichen Schicksalsschlägen erzählt. „Martyna Bunda – „Das Glück der kalten Jahre““ weiterlesen

Norwegen, Frankfurt og Signe – ein etwas anderer Blick auf die Buchmesse

Wenn ich über Norwegen und die diesjährige Frankfurter Buchmesse schreibe, komme ich nicht herum, über die Fotos zu erzählen, die in meiner Wohnung an einer Wand hängen und vor denen ich oft stehe, um die Gesichter der Personen zu betrachten. Es sind Bilder in unterschiedlicher Größe und mit verschiedenen Rahmen, aber stets in Schwarz-Weiß. Einige zeigen Signe. Eine Frau, über die ich mehr und mehr nachdenke, deren Leben ein Teil von mir geworden ist, wie auch ihr Heimatland ein Teil von mir ist. „Norwegen, Frankfurt og Signe – ein etwas anderer Blick auf die Buchmesse“ weiterlesen