Stig Sæterbakken – „Durch die Nacht“

„Menschen, die am Rand eines Abgrunds stehen, kennen sich nicht.“

Es liegen nur wenige Monate zwischen der Veröffentlichung seines Romans „Gjennom natten“ und seiner letzten Entscheidung. Am 24. Januar 2012 nahm sich der norwegische Schriftsteller Stig Sæterbakken das Leben. Er zählte in seinem Heimatland zu den bedeutendsten Autoren der Gegenwart, Karl Ove Knausgård schätzte ihn. Sein literarisches Schaffen weist eine große Bandbreite auf, es reicht von Romanen über Lyrik bis zu Essays und Erzählungen. Zudem übersetzte er erfolgreich aus dem Englischen. Mit acht Jahren Zeitunterschied erschien mit „Durch die Nacht“ nun Sæterbakkens letztes Werk in deutscher Übersetung. Ein erschütternder und beklemmender Roman, der lange nachhallt.

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Tommi Kinnunen – „Das Licht in deinen Augen“

„Jeder Mensch muss entscheiden, ob er sich vor der Welt fürchten will oder nicht.“ 

Von einem Dorf im Norden Finnlands hat das Leben sie in die Stadt geführt. Schon in der Jugend verlassen Helena und ihr Neffe Tuomas ihren Heimatort. Sie wird bereits als Kind von ihren Eltern auf die Blindenschule geschickt, er entflieht der Familie als Student. Lange hat Tuomas seine Homosexualität verheimlicht. Beide gehen ihre Lebenswege – nicht ohne Schicksalsschläge zu erfahren. Beide sind mit ihrer Familie verbunden – mehr oder minder. Nach „Wege, die sich kreuzen“ hat der Finne Tommi Kinnunen einen zweiten, ebenfalls beeindruckenden Band über die Familie Löytövaara geschrieben – erneut mit Geschichten und Personen aus der eigenen Familie als Grundlage.

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Katya Apekina – „Je tiefer das Wasser“

„Warum uns wieder da hineinziehen? Wir waren Kinder.“ 

Was will uns dieses Cover sagen? Mir erschien es etwas rätselhaft und mysteriös. Dieses Weiß unter den blauen Lettern des Titels, diese Augen. Doch wer das Debüt der russisch-amerikanischen Schriftstellerin Katyna Apekina bis zum Ende liest, wird den Sinn erkennen und erneut erschauern. Ihr großartiger, indes auch teils verstörender Roman erzählt von einer außergewöhnlichen Familie – die außergewöhnliche Beziehungen und Emotionen pflegen, die schließlich zu tragischen Ereignissen führen. „Katya Apekina – „Je tiefer das Wasser““ weiterlesen

Frédéric Brun – „Perla“

„Mein Schmerz lässt mich verstehen, dass der eigentliche Lebensweg ins Innere führt und Perla in mir ist.“

Am 31. Juli 1944 setzt sich von Frankreich aus der Konvoi 77 mit rund 1.300 Personen, darunter mehrere Hundert Kinder, in Bewegung. Das Ziel: das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Unter ihnen: Perla, eine junge, lebenslustige und attraktive Frau. Sieben Monate lang durchleidet sie die unerbittliche Gewalt, Qualen, Hunger. Sie sieht andere sterben, riecht den Geruch der Verbrennungsöfen, hört die Schreie und das Stöhnen. Perla überlebt und kehrt nach Frankreich zurück, ihre Erlebnisse brennen sich als Schmerz in ihr Innerstes ein. Gepaart mit einer unauslöschlichen Angst verursacht dieser starke Depressionen.  Frédéric Brun hat ein Buch über seine Mutter geschrieben, ein nur schmaler, indes preisgekrönter Band, der Worte für das Unfassbare findet und den Leser tief berührt und prägt. „Frédéric Brun – „Perla““ weiterlesen

Roy Jacobsen – „Die Unsichtbaren“

„Der Gegensatz zwischen Meer und Land war immer schon da, in Gestalt einer Unruhe oder einer Sehnsucht.“

Barrøy – eine kleine Insel, die auf keiner realen Karte Norwegens eingezeichnet, sondern „nur“ auf einer literarischen Karte des nordischen Landes zu finden ist. Das von Wind und Meer umtoste, abgelegene wie karge Eiland, einige Ruderstunden vom Festland entfernt, ist Schauplatz der beeindruckenden Romantrilogie „Die Unsichtbaren“ des norwegischen Schriftstellers Roy Jacobsen – und die Heimat von Ingrid, die auf der Insel geboren wird und hier aufwächst, die hier die Zeit des Krieges erlebt, um später ihr Zuhause zu verlassen und sich auf die Spuren eines Mannes zu begeben.

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Jean Stafford – „Die Berglöwin“

„Die Berge aber trugen die Gefahr unübersehbar in ihren narbigen Gesichtern.“

Berglöwen, hierzulande besser bekannt unter dem Namen Puma, sind kräftige wie bewegliche Katzen. Sie gelten als Einzelgänger und scheu. Ihre Zahl wurde in Nord- und Südamerika vom Menschen drastisch reduziert. Die Ureinwohner des Kontinents schätzen sie, verbinden mit ihnen Stärke, Treue, Mut. „Die Berglöwin“ (im Original „The Mountain Lion“) heißt der 1947 erschienene Roman der amerikanischen Pulitzer-Preisträgerin Jean Stafford (1915 – 1979), den es dank einer Neuübersetzung nun neu zu entdecken gibt und in dem die schöne Katze eine symbolische Bedeutung erhält. „Jean Stafford – „Die Berglöwin““ weiterlesen