Nuruddin Farah – „Im Norden der Dämmerung“

„Es gibt Augenblicke im Leben, wenn sich alles, was man für einen Sieg hält, in der Praxis als Niederlage erweist.“ 

Es sind schon viele Jahren vergangen, als Mugdi und seine Frau Gacalo ihre Heimat Somalia verlassen haben. Mittlerweile lebt der frühere Botschafter mit seiner Frau in Oslo. Das Ehepaar hat sich integriert, die Sprache gelernt, Freunde gefunden. Er übersetzt norwegische Bücher ins Englische, sie arbeitet im Staatsdienst. Trotz des guten und sicheren Lebens in Norwegen zog es ihren Sohn Dhaqaneh indes wieder nach Afrika zurück, wo er sich einer islamistischen Terrorgruppe anschloss und bei einem Selbstmordattentat ums Leben kam. Gacalo lässt nichts unversucht, die Schwiegertochter Waliya mit ihren Kindern nach Oslo zu holen – gegen den Willen ihres Mannes. Mit „Im Norden der Dämmerung“ hat der somalische Autor Nuruddin Farah einen eindrücklichen Roman geschrieben, der sich den noch immer und weiterhin aktuellen Themen Extremismus und Integration annimmt. „Nuruddin Farah – „Im Norden der Dämmerung““ weiterlesen

Backlist #16 – Jan Kjærstad „Ich bin die Walker Brüder“

„Einige wenige Jahre besitzen wir die Fähigkeit, magisch zu denken.“

Es sind nur wenige Sekunden, die das Leben von Odd Marius Walaker verändern. Er stürzt mit seinem Fahrrad, geblendet von einer seltenen Münze. Und das auch noch auf dem Schlossplatz in Oslo. Seitdem ist nichts mehr wie es war. Der 14-Jährige spürt besondere Kräfte in sich wirken. Vor allem sein Denken und seine Wahrnehmung haben sich verschärft, sind intensiver geworden. Er glaubt, über die sogenannte W-Potenz zu verfügen, und nennt sich fortan die Walker Brüder. In seinem 2008 im Original erschienenen Roman („Jeg er brødrene Walker“) beweist der norwegische Schriftsteller Jan Kjærstad einmal mehr seine Meisterschaft für besondere, besonders skurrile Romane. „Backlist #16 – Jan Kjærstad „Ich bin die Walker Brüder““ weiterlesen

Jean-Paul Dubois – „Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise“

„Es geschah oft, dass ich diese Abwesenheit spürte, stets war es dasselbe Unbehagen.“

Er sitzt hinter Gittern, in einem maroden Gefängnis in Montreal. Es sind nur wenige Quadratmeter Lebensraum, die er sich auch noch mit einem Mann teilen muss. Einem Hünen, der einer Rocker-Gang angehört und an einem Mord in der Szene beteiligt gewesen sein soll. Paul Hansen lässt in seinem monotonen und fremdbestimmten Knast-Alltag sein Leben Revue passieren; die guten wie die schlechten Tage eines einfachen wie wechselvollen Lebens, begleitet von den Toten aus seinem Leben – Vater, Frau und Hund. Mit „Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise“ hat der Franzose Jean-Paul Dubois einen melancholischen, lebensklugen und überaus menschlichen Roman geschrieben, für den er im vergangenen Jahr mit dem renommierten Prix Goncourt geehrt wurde. „Jean-Paul Dubois – „Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise““ weiterlesen

Agnete Friis – „Der Sommer mit Ellen“

„Neue Schichten über den alten. Jetzt war alles weiß gestrichen.“ 

Wer hat nicht die besonders prägenden Erinnerungen an eine besondere Zeit. Tage, Wochen, Monaten, an die man in Gedanken oft zurückkehrt. Eine Zeit, nach der alles anders war – und ist. Für Jakob ist es der Sommer mit Ellen im Jahr 1978. Eine junge Frau wird für den 15-Jährigen zur ersten großen Liebe, die eines Tages verschwindet, während in seinem Heimatort eine tragische Begebenheit für Entsetzen sorgt und den Einsatz der Polizei erfordert. Die Dänin Agnete Friis hat mit „Der Sommer mit Ellen“ einen sehr bildhaften und beklemmenden Roman geschrieben, der dem Leser zusetzen wird.

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Familie mal zwei – Bücher von Hanne Ørstavik und Helga Flatland

„Irgendwas ist in jeder Familie.“ 

Keine Familie ist wie die andere. In ihr herrschen Gesetze und Geheimnisse sowie Bindungen und Emotionen unterschiedlicher Stärke. Sie kann wachsen und über Generationen hinweg bestehen oder sich auflösen. Die beiden norwegischen Autorinnen Helga Flatland und Hanne Ørstavik haben mit „Eine moderne Familie“ und „Die Zeit, die es dauert“ zwei besondere, sehr verschiedene Geschichten über dieses Thema geschrieben. Beide Titel ergänzen sich wunderbar und geben zugleich einen spannenden Einblick in die Gegenwartsliteratur des nordischen Landes.

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Liz Moore – „Long Bright River“

„Die Welt verdunkelt sich an den Rändern.“ 

Philadelphia: Die für nordamerikanische Verhältnisse recht alte Stadt, die liebevoll Philly genannt wird, haben einst Bruce Springsteen und Elton John besungen. 1,6 Millionen Menschen leben in der Ostküsten-Metropole, die auch vom Wasser des breiten Delaware River geprägt wird. Doch wie es jeder Großstadt eigen ist – hinter glänzenden Hochhaus-Fassaden wartet das Dunkle, Armut, Schmutz und Kriminalität. Die amerikanische Autorin Liz Moore hat mit „Long Bright River“ einen eindrucksvollen weil komplexen Roman geschrieben, der sich verschiedenen Thematiken annimmt.

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