Backlist #19 – Tomas Bannerhed „Die Raben“

„Hier sein. Gehen, sehen, fühlen, lauschen.“

Die Literatur Skandinaviens verbinde ich sehr oft mit eindrücklichen Naturbeschreibungen. Schließlich haben die nordischen Länder beeindruckende Landschaften zu bieten. Und die  Literatur dieser Regionen verbindet noch eine weitere nicht minder markante Eigenschaft: Sie gilt oft als düster, melancholisch. Beide Seiten verbindet auch der Schwede Tomas Bannerhed in seinem preisgekrönten Debüt „Die Raben“. Der Roman führt in die 70er-Jahre und erzählt die Geschichte von Klas, einem elfjährigen Jungen, der mit seinen Eltern und dem jüngeren Bruder Goran auf einem Hof lebt, der durch verschiedene Umstände in seiner Existenz bedroht ist.

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Kent Haruf – „Kostbare Tage“

„Hier passiert nichts, ohne dass alle Leute es mitkriegen.“

Schriftsteller erschaffen nicht nur literarische Figuren und deren Leben, sondern oftmals auch Orte. In allen sechs Romanen des amerikanischen Autors Kent Haruf (1943 – 2014) ist die fiktive Kleinstadt Holt in Colorado Schauplatz der Handlung. Mit seinem letzten Roman „Our Souls by Night“, 2017 in deutscher Übersetzung mit dem Titel „Unsere Seelen bei Nacht“ erschienen, setzte in den vergangenen Jahren eine Wiederentdeckung und Würdigung des mehrfach preisgekrönten Verfassers ein. Zuletzt erschien sein Roman „Kostbare Tage“ aus dem Jahr 2013, mit dem er sich auf ergreifende Art einem Tabu-Thema zuwendet: Tod, Abschied und Trauer.  „Kent Haruf – „Kostbare Tage““ weiterlesen

Jan Kjærstad – „Femina erecta“

„Die Geschichten fließen. Die Geschichten fließen voneinander fort und aufeinander zu.“

Es entsteht immer ein recht eigenartiges Gefühl, wenn ich Romane von Jan Kjærstad lese. Ich fühle mich wie zu Hause – trotz der mitunter skurrilen Handlung und der teils auch ungewöhnlichen, markanten Figuren. Sicherlich liegt es an meiner sehr engen Bindung zu Norwegen, über die ich bereits mehrfach auf diesem Blog geschrieben habe. Der mehrfach preisgekrönte Schriftsteller zählt zu den angesehensten des skandinavischen Landes, das in nahezu jedem seiner Romane eine nicht unwesentliche Rolle einnimmt, wenngleich der Blick des Autors meist ein überaus kritischer ist. So auch in seinem kürzlich in deutscher Übersetzung erschienenen Roman „Femina erecta oder der Pfad der Geschlechter“, der bereits 2015 unter dem Titel „Slekters gang“ in Norwegen veröffentlicht wurde. „Jan Kjærstad – „Femina erecta““ weiterlesen

Jurica Pavičić – „Blut und Wasser“

„In diesem Krieg gibt es keinen Sieg, nur aufgeschobene Niederlagen.“

In den 90er-Jahren tobten mehrere Kriege auf dem Balkan. Sie brachten den Menschen unermessliches Leid. Ein Land zerfiel. Trotz der Entsendung von UN-Truppen, unzähliger Flüchtlingsschicksale und späterer Verfahren am Internationalen Strafgerichtshof  in Den Haag blieb das Interesse des überwiegenden Teils der Europäer eher gering. Diese Kriege nahezu vor unserer „Haustür“ haben mittlerweile Eingang in die Literatur gefunden, die an die einstigen Geschehnisse und Folgen erinnert. In seinem Roman „Blut und Wasser“ verbindet der kroatische Schriftsteller Jurica Pavičić einen Kriminalfall mit der Geschichte seines Landes auf beeindruckende Weise. „Jurica Pavičić – „Blut und Wasser““ weiterlesen

Amity Gaige – „Unter uns das Meer“

„Dem Meer ist es egal, wer du bist.“

Wer verspürt nicht ab und an das Verlangen, die Leinen zu kappen, Segel zu setzen, allseits bekannte Ufer hinter sich zu lassen, um Neuland zu entdecken. Die Partlows nehmen diesen Ausdruck wortwörtlich. Michael kauft eine Segel-Yacht. Die Familie wagt sich auf eine Tour aufs weite Meer und lässt ihr bisheriges Vorstadt-Leben in Connecticut hinter sich. Michael und Juliet wollen damit ihre Ehe retten, in der es heftig kriselt, die von beiden infrage gestellt wird. Mit „Unter uns das Meer“ hat die Amerikanerin Amity Gaige einen spannenden wie berührenden Roman geschrieben, der hochgradig psychologisch aufgeladen ist. „Amity Gaige – „Unter uns das Meer““ weiterlesen

Faszination Sehnsuchtsort – Ein Interview mit Alexander Häusser

Eine Familiengeschichte, eine Großmutter, die ich nur von alten Fotos kenne, Reisen in den hohen Norden zu einen Teil meiner Wurzeln und zehn Monate auf der kleinen Insel Runde verbinden mich mit Norwegen. Anlässlich der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Jahr habe ich bereits über dieses sehr enge, sehr  emotionale Verhältnis, das mich prägt, geschrieben. Von einer ähnlich persönlichen Geschichte erzählt der Hamburger Schriftsteller Alexander Häusser in seinem leisen, indes sehr nachdrücklichen Roman „Noch alle Zeit“ (Pendragon), in dem der Held sich auf die Spuren seines Vaters begibt, der eines Tages verschwand, als der Held selbst noch ein Kind war. Ein Interview über den besonderen Hintergrund des Romans, über zwei ungleiche Protagonisten und die Faszination eines Sehnsuchtsorts. „Faszination Sehnsuchtsort – Ein Interview mit Alexander Häusser“ weiterlesen