Lars Saabye Christensen – „Die Spuren der Stadt“

„Das ganze Leben ist eine Frist.“

Es gibt Schriftsteller, die füllen mit ihren Werken mit der Zeit nicht nur die Regale ihrer Leser. Sie sind Begleiter – über Jahre, Jahrzehnte. Für mich ist der Norweger Lars Saabye Christensen ein solcher Autor. Ich lernte ihn mit seinem Roman „Yesterday“ kennen, in dem vier Jungen im Mittelpunkt stehen, die in Oslo der 1960er-Jahre die Beatlesmania hautnah erleben. Ich verschlang vor einigen Jahren Christensens preisgekröntes Werk „Der Halbbruder“, zuletzt verschaffte mir der dicke Wälzer „Magnet“ eine eindrückliche Lektüre. Vor einigen Monaten erschien in deutscher Übersetzung sein Roman „Die Spuren der Stadt“ – sein nicht ohne Grund vermutlich bisher persönlichstes Buch.

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Marieke Lucas Rijneveld – „Was man sät“

„Taff sein beginnt mit dem Unterdrücken der Tränen.“

Ihr kindlicher Wunsch erfüllt sich. Eine Tragödie bricht über die Familie herein, nach der nichts mehr ist, wie es einst war. Statt des kuschligen Kaninchens Dieuwertje, das vom Vater gemästet wird, stirbt der große Bruder. Kurz vor dem Weihnachtsfest. Das Eis, auf dem er unbekümmert Schlittschuh läuft, trägt Matthies nicht. Aus sechs werden fünf, bleiben fortan ein Stuhl am Esstisch und ein Kinderzimmer für immer leer. Wie der junge niederländische Autor Marieke Lucas Rijneveld über Trauer, Schmerz und Schuld, über die Kehrseiten der Religion sowie über menschliche Kälte und Gewalt in ihrem Roman „Was man sät“ schreibt, ist imponierend, wenn nicht sogar unvergesslich. „Marieke Lucas Rijneveld – „Was man sät““ weiterlesen

Claire Lombardo – „Der größte Spaß, den wir je hatten“

„Man ist nicht der Grund für das Glück der Eltern, sondern dafür zuständig, dass sie trotzdem glücklich sind.“

Ein gesundes Bauchgefühl kann uns vor schlechten Entscheidungen bewahren. Unser Instinkt schützt uns davor, in gewissen Situationen etwas Falsches zu machen und unter anderem auch davor – der Leseerfahrung sei dank – ein Buch in die Hand zu nehmen, Zeit mit ihm zu verbringen und zu vergeuden, das uns nicht gefallen wird. Da war dieser dicke Roman. Ein Debüt, das Buch einer jungen Amerikanerin. Auf dem Umschlag lobende Worte, sogar von dem mir sehr geschätzten Pulitzer-Preisträger Richard Russo. Ich war skeptisch! Schob die Lektüre vor mir her. Bis ich „Der größte Spaß, den wir je hatten“ von Claire Lombardo schließlich doch las und die Erfahrung machte, dass das Bauchgefühl manchmal auch komplett daneben liegen kann. „Claire Lombardo – „Der größte Spaß, den wir je hatten““ weiterlesen

Backlist #13 – Jochen Missfeldt „Solsbüll“

„Das Schweigen steckte tief. Es steckt in den Muscheln. Es steckt in der Erde. Es steckt auch in den Sternen. Es steckt im Mond. Es steckt in der Ostsee.“

Mit ihrem Debüt „Altes Land“ gelang Dörte Hansen 2015 ein immenser Erfolg. Auch ihr aktueller Roman „Mittagsstunde“, 2018 erschienen, kann sich Bestseller nennen. Manchmal ist es schon erstaunlich, warum ein Buch sich übermäßig gut verkauft ein anderes jedoch nicht; letzteres vielleicht sogar etwas in Vergessenheit geraten ist, nicht die Aufmerksamkeit erhält, die es verdient hätte. Dabei hat „Solsbüll“ von Jochen Missfeldt all das, was beispielsweise die Werke Hansens ausmachen: ein norddeutsches Dorf, bewegende Schicksale und die Geschichte, die sich tief in das Leben der Menschen einprägt. Und „Solsbüll“ hat gar noch einiges mehr.

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Gøhril Gabrielsen – „Die Einsamkeit der Seevögel“

„Die eigene Verwundbarkeit analysieren, das ist es, was dieser Ort und ich brauchen (…).“

Dunkelheit und Kälte herrschen. Es ist Winter im äußersten Norden Norwegens. Eine Fischerhütte ist für die kommenden Wochen und Monate das Zuhause einer Wissenschaftlerin. Der nächste Ort ist 100 Kilometer entfernt. Sie will forschen, erfahren, wie sich die Klimaveränderungen auf die Populationen der Seevögel auswirken. Doch die Zeit als Einsiedlerin, ausgeliefert der kargen und weiten Landschaft und den Witterungsbedingungen, wird für die junge Frau zu einer intensiven körperlichen wie mentalen Herausforderung, weil auch ihre eigenen Erwartungen an diesen Forschungsaufenthalt anders sind als die Realität und sie überrollt wird von der Vergangenheit. „Gøhril Gabrielsen – „Die Einsamkeit der Seevögel““ weiterlesen

Jón Kalman Stefánsson – „Ástas Geschichte“

„Und das Leben kann ein so schrecklich kurzer Atemzug sein.“

Was ist ein Leben anderes als ein Wollknäuel aus Fäden verschiedener Farben, die sowohl für die eigenen Erlebnisse, Gedanken und Erinnerungen als auch für die Gedanken und Erinnerungen anderer, die uns all die Jahre über begleiten, stehen. An ein solches Wollknäuel erinnert der neue Roman des Isländers Jón Kalman Stefánsson, denn in „Ástas Geschichte“ findet sich ein Chor aus Stimmen, die zusammengefügt ein eindrückliches Bild einer besonderen Frau erschaffen.

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