Bilder – Attila Bartis „Das Ende“

„Im Grunde gibt es nichts, das dem Tode näher wäre als das Fotografieren.“

Wir versuchen, uns der Welt nicht nur in Worten, sondern auch in Bildern zu nähern. Ein für uns bedeutenden Moment gilt es festzuhalten – mit dem Smartphone, der Kamera, dem Gedächtnis. Obwohl man sich sicherlich fragen kann und sollte, welche Beziehung die Fotografie und das Gedächtnis zueinander eingehen. András Szabad, Held und Ich-Erzähler in dem neuen Roman von Attila Bartis, ist Fotograf und zugleich Chronist seines eigenen Lebens, der von seinen vielen Leidenschaften, seinen Erlebnissen und seinen Schicksalsschlägen berichtet.  „Bilder – Attila Bartis „Das Ende““ weiterlesen

Getrennt – Gert Loschütz „Ein schönes Paar“

„Auch an wirklich hellen Tagen gibt es Stellen, die im Halbdunkel liegen.“

Die deutsche Teilung hat Familien entzweit, seelische Wunden gerissen, von denen Narben weiter existieren. Selbst nahezu 29 Jahre nach der friedlichen Revolution sind die Auswirkungen zu sehen und zu spüren. Gerade in diesen Tagen wird der Fall der Mauer in den Medien und in den sozialen Netzwerken wieder thematisiert, ist sie doch nun nach der Wende mittlerweile länger Geschichte, als dass sie existiert hat. Schon immer begleitet hat dieses Kapitel deutscher Geschichte die Literatur. Die Reihe der Titel ist mit der Zeit angewachsen und lang. Mit seinem aktuell erschienenen Werk „Ein schönes Paar“ kann sich nun auch Gert Loschütz einreihen. Doch sein Roman erscheint anders als die vielen anderen Bücher über dieses Thema.

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Familie – Ljudmila Ulitzkaja „Jakobsleiter“

„Das Leben jedes Menschen ist ein Text.“

Was bleibt nach dem Leben eines Menschen? Das, was er geschaffen hat, die Erinnerungen jener, die ihn kannten und liebten. Sicherlich auch Fotos und womöglich auch Geschriebenes. Nach dem Tod ihrer Großmutter Marussja erhält Nora Ossetzkaja eine Weidentruhe mit Briefen und Tagebuch-Notizen ihres Großvaters Jakow, den sie in ihrem Leben nur einmal als Kind gesehen hat. Dieses Erbe auf Papier, abgestellt auf dem Balkon, gerät für einige Jahre in Vergessenheit, ehe Nora sich an die Truhe erinnert und nach der Lektüre vieles über ihren Großvater und dessen Leben, Gedanken und Gefühle erfährt. Sechs Generationen und mehr als ein Jahrhundert umfasst der neue Roman der russischen Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja „Jakobsleiter“, der eindrucksvoll davon erzählt, was Familie bedeutet und wie politische Umstände, die später Geschichte werden, auch immer wieder das Dasein der Menschen beeinflusst.      „Familie – Ljudmila Ulitzkaja „Jakobsleiter““ weiterlesen

Schein – Olivier Bourdeaut „Warten auf Bojangles“

„Bei Tageslicht zu weinen ist wirklich etwas anderes, der Traurigkeitsgrad ist ein anderer.“

Er liebt sie, sie liebt ihn. Gemeinsam lieben sie ihren Sohn. Gemeinsam leben sie wie in einem Märchen: mit einem Schloss, mit rauschenden Partys. Sie tanzen, als gäbe es kein Morgen mehr; ihr gemeinsames Lied: „Mr. Bojangles“ von Nina Simone (1933 – 2003). Traurig und lebendig zugleich –  wie ihr Leben. Der Franzose Olivier Bourdeaut erinnert in seinem Debüt „Warten auf Bojangles“ an diesen Evergreen der amerikanischen Sängerin und erzählt darin zugleich eine unvergessliche Geschichte über eine ganz besondere Familie und ihr tragisches Schicksal.  „Schein – Olivier Bourdeaut „Warten auf Bojangles““ weiterlesen

Lebensläufe – Olivier Adam „Die Summe aller Möglichkeiten“

„So viele Jahre. Ein anderes Leben.“

Morgen ist ein neuer Tag. Morgen beginnt ein anderes Leben. All die Wünsche und Träume beginnen – morgen. Da wird der öde und schlecht bezahlte Job gekündigt, die noch ödere Partnerschaft beendet, endlich mal all jenen Mitmenschen die Meinung gegeigt, die man nicht ausstehen kann und doch jeden Tag ums Neue anlächelt. Doch es wird nicht so kommen. Alles sind nur Gedanken und bleiben es meistens auch. Aus den verschiedensten Gründen. Weil wir bequem sind, den Mut nicht haben, uns wirtschaftlich wie sozial in bereits eingefahrenen Bahnen bewegen. Vielleicht findet sich der eine oder andere  im neuen Roman von Olivier Adam „Die Summe aller Möglichkeiten“ erschreckenderweise wieder. Denn das Leben mit all seinen guten wie schlechten Zeiten, verpasste Chancen sowie falsche Entscheidungen sind das große Thema des Franzosen. „Lebensläufe – Olivier Adam „Die Summe aller Möglichkeiten““ weiterlesen

Sehn-Sucht – Nathalie Chaix „Liegender Akt in Blau“

„Er driftet düster ab: da ist die Frau. Und da ist die Malerei. Diese übermächtige Notwendigkeit.“ 

Es ist ein Tag im März 1955. Nicolas de Staël schreibt Briefe. Es sollen die letzten seines kurzen Lebens sein. Wenige Stunden später setzt er seinem Leben ein Ende. Der Maler, der mit seinen Bildern und seinem Stil vor allem in den USA Erfolge feiern konnte, stürzt sich aus seinem Atelier im südfranzösischem Antibes. Die Schwermut, eine körperliche wie seelische Erschöpfung nach einigen arbeitswütigen Jahren und die gescheiterte Liebe zu Jeanne haben dem Maler zermürbt. Seine Lebens- wie Leidensgeschichte erzählt die Französin Nathalie Chaix in ihrem Roman „Liegender Akt in Blau“. Der Band fasziniert nicht nur mit seiner poetischen Sprache. Er zeichnet sich zudem durch seine besondere künstlerische Ausstattung aus. „Sehn-Sucht – Nathalie Chaix „Liegender Akt in Blau““ weiterlesen