Über den großen Teich – Cynthia Ozick „Miss Nightingale in Paris“

„Ein Karneval, um sich die Zeit zu vertreiben. Ihr kommt hierher und wisst nicht einmal, warum.“

Die USA sind ein großes Land mit vielen Menschen, mit vielen interessanten Autoren. Und immer wieder schafft es auch hierzulande ein neuer und noch unbekannter Name, Aufmerksamkeit zu erlangen. So manche literarische Entdeckung hat es in den vergangenen Jahren gegeben. Persönlich stieß ich nun beim Stöbern in einer Buchhandlung auf den Roman „Miss Nightingale in Paris“ der Amerikanerin Cynthia Ozick„Über den großen Teich – Cynthia Ozick „Miss Nightingale in Paris““ weiterlesen

Schuld – Siegfried Lenz „Der Überläufer“

„Wenn ein Böser zu schwach ist, sucht er sich andere Böse. Das beste Einverständnis der Welt herrscht unter Bösen, weil das Böse unmissverständlich ist.“

Romane erzählen Geschichten. „Der Überläufer“ von Siegfried Lenz (1926 – 2014) ist selbst zu einer Story geworden und sorgte für eine der wohl interessantesten literarischen Begebenheiten der letzten Jahre. Große Schlagzeilen landauf landab inklusive. Das postum erschienene Werk ist nach „Es waren Habichte“ der zweite Roman von Lenz und war über Jahrzehnte im Nachlass „verschollen“, den der Autor dem Literaturarchiv Marbach vermacht hatte. Der Band war unter anderem nicht veröffentlicht worden, weil er das Thema Desertion aufgreift. „Schuld – Siegfried Lenz „Der Überläufer““ weiterlesen

Abgründe – Smith Henderson „Montana“

„Nur noch Jäger und kaum Gejagte. Austeiler. Keine Kümmerer.“ 

Montana könnte mit Blick auf die geringe Bevölkerungsdichte als das Mecklenburg-Vorpommern der Vereinigten Staaten gelten. Auf einer Fläche nahezu so groß wie Deutschland leben nicht mehr als eine Million Menschen. In dem Bundesstaat, im Norden der USA und an der Grenze zu Kanada gelegen, gibt es also sehr viel Platz und sehr viel Ruhe. Womöglich allzu viel davon. Die Wege zwischen den Menschen sind weit, jeder kocht unbeobachtet vom Rest der Welt sein eigenes Süppchen. Sozialarbeiter Pete Snow hat alle Hände voll zu tun, Kinder aus Problemfamilien in Sicherheit zu bringen und aus der Spirale aus Drogen, Missbrauch und Gewalt zu holen.  „Abgründe – Smith Henderson „Montana““ weiterlesen

Bodenlos – Frank O. Rudkoffsky „Dezemberfieber“

„Manchmal habe ich das Gefühl, daß schon hinter kleinsten Rissen ein Abgrund klafft.“

Selbst Tausende Kilometer Entfernung und mehrere Zeitzonen zwischen Heimat und Urlaubsziel erleichtern Bastians Seele nicht. Das Gefühl, mit seiner Freundin Nina ein Traumland und eine Traumreise zu erleben, hält nicht lange vor. Ein Brieftagebuch seiner Eltern und seine eigenen dunklen Gedanken ziehen ihn hinunter. Stetig und unaufhörlich. Der frühe Tod seiner Mutter und das Zerbrechen der Familie infolge ihrer Depression sind Traumata, die Bastian noch längst nicht verarbeitet hat. „Bodenlos – Frank O. Rudkoffsky „Dezemberfieber““ weiterlesen

Lebenslauf – François Roux „Die Summe unseres Glücks“

„Es ist unangenehm, wenn man sich eingestehen muss, dass die Wirklichkeit nie an die Träume heranreichen wird, die man immer gehegt hat.“

Was wird aus den Wünschen, Träumen und Hoffnungen unserer Jugend, wenn wir erwachsen sind? Der eine oder andere Wunsch mag womöglich in Erfüllung gehen: Erfolg im Beruf, Geld, Ruhm, eine Familie. Doch zu welch einem Preis versuchen wir, alles zu erreichen? Gedanken, die François Roux in seinem Roman „Die Summe unseres Glücks“ nachgeht. Doch der Franzose porträtiert nicht nur das Leben und Seelenleben von vier Freunden. Er spürt auch den inneren Zustand seines Heimatlandes nach. Auf eindrucksvolle Weise.   „Lebenslauf – François Roux „Die Summe unseres Glücks““ weiterlesen

Welt von morgen – Lauren Beukes „Moxyland“

„Die Angst muss gemanagt werden. Die Angst muss kontrolliert werden. Wie die Menschen.“

Die Welt von morgen braucht gar nicht so unbekannt zu sein. Denn die Gegenwart ist bereits ein Teil von ihr. Kapstadt 2018: Konzerne operieren weltweit. Das Handy bestimmt das Leben und den Alltag. Werbung  begleitet den Menschen nahezu 24 Stunden lang tagaus tagein. Kleine fahrende Roboter beseitigen den Schmutz in den Wohnungen. All das kennen wir schon. Lauren Beukes dreht am Rad der Zeit nur ein Stück weiter und entwirft in ihrem Debütroman „Moxyland“ ein Zukunftsszenario, das sich zu einer erschreckenden Vision entwickelt und Warnung zugleich ist.   „Welt von morgen – Lauren Beukes „Moxyland““ weiterlesen