Tom Kromer – „Warten auf nichts“

„Ich bin ein Mensch und ich habe Hunger.“

Sein Zuhause ist die Straße. Er lebt von der Hand in den Mund, zieht von Suppenküche zu Suppenküche, von Armenhaus zu Armenhaus. Leerstehende Gebäude oder Waggons bieten ihm nur kurzzeitig ein Obdach. Arbeit findet er wie so viele andere keine. Es sind die harten Jahre der Weltwirtschaftskrise, die Zeit der großen Depression nach dem Börsencrash 1929. Der Amerikaner Tom Kromer (1906-1969) hat seine Erlebnisse niedergeschrieben, als er – ganz unten – obdachlos ist, als Hobo durch das Land reist. Sein eindrücklicher Roman „Warten auf nichts“ erschien 1935, geriet in Vergessenheit und kann allerdings nun (wieder)-entdeckt werden; erstmals auch in deutscher Übersetzung. „Tom Kromer – „Warten auf nichts““ weiterlesen

Tess Gunty – „Der Kaninchenstall“

„Manchmal geht es zu wie im Irrenhaus, oder? Ich meine, so viele Leben, die gerettet werden müssen.“

Dünne Wände, hellhörig, beengt, geruchsintensiv. Meine Erinnerungen an einen Kaninchenstall sind noch recht lebendig. Mein Vater hielt die flauschigen Vierbeiner, wir lebten auf dem Land. Wenn ich als Kind nicht folgte, hieß es: „Du kommst gleich in den Kaninchenstall!“. Es ist niemals passiert, ich blieb immer vor der Tür stehen und gab den Tieren Heu, Möhrchen und eine Streicheleinheit. Kaninchen finden sich an vielen Stellen in den mehrfach preisgekrönten Debüt der US-amerikanischen Schriftstellerin Tess Gunty – nicht nur im Titel des ungewöhnlichen Romans. „Tess Gunty – „Der Kaninchenstall““ weiterlesen

Jan-Erik Fjell – „Nachtjagd“

Eine junge Frau wird mit unzähligen Verletzungen tot an einem See nahe einem Sägewerk aufgefunden. Ermittler Anton Brekke und seine Kollegen haben einen schlimmen Verdacht. Er ist wieder zurück: Stig Hellum, der gefürchtete Serienmörder, der kürzlich aus der Haftanstalt Ila fliehen konnte. Er war einige Jahre zuvor schuldig gesprochen worden, drei Frauen getötet zu haben. Dann wird eine zweite tote Frau, ebenfalls grausam zugerichtet, gefunden. Die Polizei stochert im Nebel, kommt bei ihrer Suche nach Hellum nicht weiter. Bis eine weitere Leiche gefunden wird, die allerdings die Arbeit der Ermittler komplett auf den Kopf stellt. Mit „Nachtjagd“ erleben deutsche Leser den sechsten Fall der Brekke-Reihe des norwegischen Krimi-Autors Jan-Erik Fjell.

„Jan-Erik Fjell – „Nachtjagd““ weiterlesen

Joy Williams – „Stories“

„Wenn man erwachsen wird, fällt ein Schatten auf einen. Alles ist sonnig, und dann taucht über einem dieser verdammte Flügel oder irgend so was auf.“

Auf die literarischen Jahre der jüngeren Vergangenheit blickend, scheinen die USA für uns Europäer noch immer ein recht unbekanntes Land zu sein. Denn welch großartige (Wieder)-Entdeckungen sind doch zuletzt gemacht worden. Man meint, die herrliche Geschichte des süßen Breis als Vergleich zu bemühen oder vielleicht auch zu glauben, es gäbe ein schwarzes Loch, wo all die in Übersee (einst) bekannten und viel gelesenen Schriftsteller hineingefallen sind, um an der anderen Seite des Atlantiks nie aufzutauchen. Nun erscheint wieder ein Name, der „da drüben“ oft und viel und mit großer Bewunderung ausgesprochen wird, doch hierzulande selbst Kenner zwingt, die Suchmaschine zu benutzen: Joy Williams.  „Joy Williams – „Stories““ weiterlesen

Janet Lewis – „Draußen die Welt“

„Es gab sie noch immer, diese Welt in ihrer erfreulichen Mittelmäßigkeit.“ 

Ihr Leben ist auf den ersten Blick so unaufgeregt alltäglich. Mary Perrault kümmert sich um Haus und Grundstück, um ihren Mann und die vier Kinder. Mit ihrer Familie lebt sie in der kalifornischen Provinz, im Santa Clara Valley, malerisch zwischen Bergen, Meer und Marschland und unweit von Sacramento gelegen. Ihr Haus ist ein Hort der Gastfreundschaft und Sicherheit. Doch auch die tragischen Schicksale und die großen Ereignisse der Welt machen nicht Halt vor ihrer Tür. Mit ihrem Roman „Draußen die Welt“ erzählt die amerikanische Schriftstellerin und Lyrikerin Janet Lewis (1899 – 1998) vom Alltag einer amerikanischen Familie sowie den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er-Jahre und Anfang der 30er-Jahre.  „Janet Lewis – „Draußen die Welt““ weiterlesen

Sebastian Barry – „Mein fernes, fremdes Land“

„Kein Ort auf Erden, der nicht eine Heimat wäre.“

Ihr Leben gleicht einer Ansammlung von Verlusten. 89 Jahre alt ist Lilly Bere. Sie will nicht mehr, nachdem sie ihren geliebten Enkel verloren hat. Wie Bill will sie aus dem Leben freiwillig scheiden – mit Hilfe kleiner Tabletten. Ein letztes Mal zieht sie Bilanz. In einem Haushaltsbuch schreibt sie ihre Erinnerungen nieder, fasst ihre Trauer wie auch die Stationen ihres wechselvollen Lebens in Worte. In „Mein fernes, fremdes Land“ erzählt der irische Schriftsteller Sebastian Barry nicht nur von einer betagten Frau, sondern auch wie die große Geschichte immer wieder in das Leben der Menschen eingreift und es für immer verändern kann.

„Sebastian Barry – „Mein fernes, fremdes Land““ weiterlesen